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Der Israelit · 1899-08-31 · Heft 69 (31.8.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 69 (31.8.1899)
Date
1899-08-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1465 Musikchor die Volkshymne intonierte. Dann ergriff der Obmann deS Militär-Veteranen-Vereins, Herr Krejoirck das Wort zu einer ausgezeichneten Rede in böhmischer Sprache, wobei er insbesondere die Einigkeit und Zusammengehörigkeit beider Vereine in treuer Kameradschaft betonte. Inzwischen waren alle Räume des Tempels von einer erlesenen Schaar von Festgästen dicht gefüllt worden, darunter alle k. k. Staatsbeamten der Bezirkshauptmannschaft, des Bezirksgerichtes und Steueramtes, der H?rr Stationsvorstand re. Auch auf der Frauengallerie waren Ehrengäste aus den vornehmsten Kreisen der Stadt vertreten. Der neue Flügel des Mittelsch fsis war von den beiden Militür-Vcteranen-Vereinen vollständig besetzt. Nachdem der gesangliche Tbeil des Programms vom Herrn Cantor Michalovsky in ausgezeichneter Weife erledigt worden war, bestieg Herr Rabbiner Dr. I. Freimann. k. k. Feldprediger, die Kanzel, deffen inhaltsreiche Festrede, bedeutend durch Gedankenfülle und herrliche Diction auf alle Festtheilnehmer eine nachhaltige Wirkung ausübte. Leioer muffen wir es uns aus Rücksicht auf den beschränkten Raum versagen, die Rede hier vollständig wiederzugeben. Der Schlußpassus derselben soll nur im Auszuge nach stenographischer Skizze mitgetheilt werden: „Ju unentwegter Treue, in unvergänglicher, liebevoller Anhänglichkeit ist unsere Seele an das glorreiche Fürstenhaus Habsburg gekettet. Jeder Nerv unseres Denkens und Empfindens wurzelt im Boden dieses Herrschergeschlechtes. Jeder Pulsschlag unseres Herzens wird von dynastischen Empfindungen bewegt. Deß ist Zeuge der Militär-Beteranen-Verein der Jsraeliten-Stadtgemeinde, der heute anläßlich des Geburtstages unseres glorreichen Monarchen zum ersten Male in die Oeffentlichkeit tritt. Treu den Gesetzen des Staates habet Ihr, wackere Kameraden, dem obersten Kriegsherrn gedient, mit allen anderen waffenfähigen Söhnen unseres geliebten Vaterlandes habet Ihr gewetteifert in Muth und Ausdauer, in Treue und Tapferkeit, in Selbstverleugnung und opferfreudiger Hingabe. Viele unter Euch haben Beweise ihrer militärischen Tüchtigkeit geliefert und in Feldzügen sich ausgezeichnet." Hierauf gab der Redner noch einen historischen Rückblick, . bei welchen Anlässen die Israeliten auch durch ihre glänzenden Waffenthaten sich ausgezeichnet, nicht nur bei der Eroberung des gelobten Landes und den glorreichen Kämpfen der gottbegeisterten Makkabäer, oder bei dem verzweifelten Kampfe gegen die römischen Legionen, bei ver Vertheidigung Jerusalems, — sondern auch als freiwillige Hilfstruppen unter Alexander dem Großen, bei dem Siege über Egypten unter Julius Cäsar und später in.dem heldennrüthigen Widerstande im arabischen Kriegszuge des ismalitischen Propheten. In der neueren Zeit haben Israeliten bei Aspern und Leipzig unter der Führung österreichischer Feldherren siegreich gefachten. — „Mehrere unter Euch haben vor 33 Jahren muthvoll gekämpft, als 500 unserer jüdischen Kameraden den Heldentod auf den Schlachtfeldern gefunden haben, und gar Viele unter Euch haben im bosnischen Feldzuge gezeigt, daß es im Heere keine» Unterschied der Religion gebe, daß auch alle kampffähigen Israeliten, die unter den Fittigen des österreichischen Doppelaars leben, muthig zum Schwerte greifen, wenn der oberste Kriegsherr es ihnen gebietet." — „Wohlan denn, Ihr wackeren Waffenbrüder, Ihr sollet ein leuchtendes Beispiel sein unserer Heranwachsenden Generation, der jüdischen Jugend, daß sie opferfreudig, treu und tapfer um das Banner Oesterreichs sich fchaart, wenn der kaiserliche Ruf an sie ergeht, wenn es gilt, den Thron HabsburgS zu befestigen, die Machtstellung, die Ehre des Vaterlandes zu vertheidigen, daß sie wacker und kühn, muthig und unerschrocken ihren Patriotismus bewähren als treue Unterthanen unseres Kaisers und Herrn, als treue Söhne unseres Heimathlandes, als treue Bekenner des einig-einzigen Gottes." „Dank und Anerkennung auch dem wackern Militär-Veteranen-Verein der Stadtgemeinde, welcher frei von jedem Vorurtheil, vom Geiste der Lrebe beseelt, heute in so schöner, erhebender Weise seine brüderlichen Empfindungen gegenüber dem neugcgründeten Milrtär-Veteranen-Vereine der Jsraelitengemeinde bethätigt hat. — Wenn auch das bürgerliche Leben soziale, politische, religiöse Scheidewände kennt, so sind wir doch alle treu dem edlen Kaiser, treu dem geliebten Vaterlande, einig in dem inbrünstigen Gebete: „Gott erhalte und beschütze unfern geliebten Kaiser Franz I!" Mit dieser in glühender Begeisterung vorgetragenen Rede hatte die gottesdienstliche Feier ihren Höhepunkt erreicht, aber unserem Militär Veteranen- Vereine sollte noch eine besondere freudige Ueberraschung zu Theil werden. Als beide Mili;är-Veteranen-Vereine auf dem Marktplatze Aufstellung nahmen, um vor dem hiesigen k. k. Leiter der Bezirkshavptmannschaft, Dr. Klosek Revue zu passieren, trat derselbe vor die Front hin und hielt eine begeisterte Ansprache, worin er die Tendenzen des Vereines unter lobender Anerkennung des Patriotismus der Israeliten würdigte und an die Waffenbrüderschaft beider Vereine appelirte, daß das Band der Eintracht und des Friedens sie allezeit umschlinge und daß sie mit vereinten Kräften zum Heile lns Vaterlandes segensreich wirken mögen. Inzwischen sind zahlreiche Anmeldungen selbst

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