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Der Israelit · 1899-08-31 · Heft 69 (31.8.1899) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 69 (31.8.1899)
Date
1899-08-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ihre Gottesfurcht zu Ende ist. Der wahre Jehudi, der Jsraelite in der eigentlichen Bedeutung des Wortes aber soll an den BWipn d'ö> daran erinnert werden, daß er nicht nur für seine eigene Beglückung, auch nicht einmal nur für die Beglückung seines Volkes allein, sondern für die Beglückung und Erlösung des gesammten Menschengeschlechtes zu beten und zu streben habe. Der wahre Jehudi muß all das, was der religiös Indifferente fürchtet und was ihn in seiner Angst an den heiligsten Tagen in das Gotteshaus führt, wenn es gilt für die höchsten Güter der Menschheit, für Gott und seine Lehre einzustehen, zum Opfer bringen können und das w 2712 'v no* vs\ htp na di*)1’ «1 bcfc” « yr 'vi 'v,rwr»'2, wovor der Ungläubige zittert, Tod, Hunger, Armuth und Verachtung, wenn es sein muß, freudig und beseligt zu ertragen vermögen. Des Israeliten eigenthümlicher Beruf und seine wahre Bestimmung sind das GotteSreich zu begründen und die Glückseligkeit des Weltganzen anzustreben. Das Gottesvolk muß wie die Gottheit selbst in Ihrer unendlichen Allgüte, die Wohlfahrt und das höchste Glück aller Wesen zu erringen trachten. Daist sein Hauptzweck, seine Hauptaufgabe auf Erden, und in zweiter Reihe erst kann es sein Wohl und sein Gedeihen im Auge haben. Zwei Ereignisse sind eS, die uns an den Jomim Hanauroim besonders in Erinnerung gebracht werden. Es sind: die Opferung des Jsak pro mps> und die Einführung des Propheten Samuel in seinen göttlichen Berus. Der reiche Abraham, von dem es beißt: “p2 m ^22 tnsK rix „Und Gott segnete ihn mit Allem", der hoch^rehit von den Machthabern seiner Zeit ein xnw b^k Fürst Gottes genannt wurde, er suchte wahrlich nicht den heiligen Morijaberg auf, weil er Furcht und Angst vor dem Geschicke hatte, er war vielmehr voll Liebe zu Gott, freudig und gehobenen Gefühles will er seinem Gotte seinen kostbarsten Besitz, sein Liebstes und Theuerstes, das ihm mehr als sein Leben gilt, sein einziges Kind zum Opfer bringen. Dasselbe sehen wir bei Samuels Mutter Channa, die in ihrem Wohlstände und Reichthum das sehnlichste Verlangen hatte, sich Mutter nennen zu dürfen. Gott schenkt ihr einen Sohn, wer war glücklicher als die fromme Ehanna?! Aber siehe! kaum war das Kind entwöhnt, so riß sie es los von ihrem Mutterherzen, brachte es nach Siloh und weihte es dem Dienste des Ewigen für feine ganze Lebensdauer. Diese erhabenen Vorbilder sollen uns lehren, daß nicht die Furcht vor Unheil und Ungemach uns in unserem Gottesdienste leiten soll, sondern die Liebe zu Gott, die wahre Liebe, die uns über unsere schwache Persönlichkeit mit ihren kleinlichen Erbärmlichkeiten hervorhebt in jene Sphäre, wo sich der Mensch als gottähnliches Wesen, als Theil des allmächtigen, allgütigen, unendlichen Wesens erkennt, wo er zu den höchsten Opfern und daher auch zu den erhabensten Thaten sich bcgeisternd, fähig ist, das Heil der Welt, die Erlösung der Menschheit und die Begründung des GottcsreicheS auf Erden herbeizuführen. ZertimgSnachrtchterr und Korrespondenzen- Deutschland. -d- München, 27. Aug. Ein in weiten Kreisen sehr angesehener und allgemein beliebter Mann, Herr Dr. Adolf Drey, praktischer Arzt, ist am 21 d. M. im Alter von 82 Jahren verschieden. Außer den nächsten Verwandten hatte sich zum Begräbniß eine ungemein zahlreiche Trauergemeinde eingefunden, außerdem folgten dem Sarge Mitglieder medicinischer Gesellschaften und des Bezirksärztlichen Vereines. Der Verstorbene, der 54 Jahre als praktischer Arzt gewirkt hat, hatte ein überaus menschenfreundliches, entgegenkommendes Wesen. Er hat nicht allein so vielen armen Leidenden durch seine ärztliche Kunst Hilfe und Heilung geboten, sondern auch so Manchen in liebenswürgiger Weise einer Nothlage enthoben. Auch öffentlichen, Humanitären Unternehmungen stellte er seine Dienste in uneigennütziger Weise zur Verfügung, insbesondere dem israelitischen ^raueuverein, dem Reconvalescentenheim und anderen gemeinnützigen Unternehmen. Namens des israelitischen Frauenvereins widmete das Vorstandsmitglied, Herr Adolf Fränkel, namens des Bezirksärztlichen Vereines widmete Herr Bezirksarzt Dr. Weiß dem Heimgegangenen vn schlichten, herzlichen Worten einen warmen Nachruf, nachdem eine treffende Charakteristik des Lebensgangs und Wirkens des Entschlafenen seitens Herrn Rabbiner Dr. Werner vorausgegangen war. — Die im Juni ds. Js. verstorbene Bankiersgattin, Frau Fanny Fürth er hat der Freiwilligen Feuerwehr in München ein Legat von 1000 Mk. zugewendet. Die hiesigen „Neuesten Nachrichten" bemerken hierzu: „Es wäre zu wünschen, daß diese hochverdiente und segensvoll wirkende Korporation öfters von solch edlen und großmüthigen Wohlthätern bedacht würden. Hamburg, 21. August. (Ehrengabe für die neue Synagoge in der Bieberstraße.) Ein ehrenvolles Erzeugniß der hiesigen Kunstindustrie kann man gegenwärtig im Kunststickerei-Atelier von Eduard Joel, Anscharplatz, im Augenschein nehmen. Es ist dies ein Vorhang aus smaragdgrünem Sammet, der für die heilige Lade der ihrer Vollendung entgegengehenden genannten Synagoge bestimmt ist.

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