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Der Israelit · 1899-08-31 · Heft 69 (31.8.1899) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 69 (31.8.1899)
Date
1899-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Xli. Jahrgang. M «•. Der Israelit. Gentrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr feminin in IRUitns- Do»«erstag, de» 31. A»g»ft 5659 (1899). 9 Leitender Artikel. Unsere Gebete an de« jromtnt Knannroim. Von Rabbiner H. Galandaner in Soborten (Böhmen). Wenn wir unsere Gebete von den onnu ots» mit prüfendem Blick betrachten, so finden wir, daß dieselben von zweifacher Art sind. Die Einen sind auf das Wettganze, auf die Beglückung und Wohlfahrt der gesammten Schöpfung, auf das hehre Ziel des ganzen Menschengeschlechtes gerichtet, wie rm -pns jn p2i ,n'pHX /n nrw ,o*wi bs by 760 in welchen wir beten, daß das Laster von der Erde wie Rauch verschwinde, daß die Tugend und die Gotteserkenntniß obsiegen, nnx ma» nbs wjfi, daß Eintracht und Brüderlichkeit allenthalben herrschen und Alle ein gottgefälliger Leben führen mögen n»yb abw 22^2 *]aian, damit die Gerechten triumphiren, die Redlichen frohlocken, die Edlen jubeln, das ersehnte Gottesreich gegründet werde und Sein Geist die ganze Erde erfülle; alles Gebete idealen Inhaltes. Die anderen Gebete betreffen das Geschick des einzelnen Menschen, sein Wohl und Wehe, seine Zukunft, sein Streben und sein Ziel, wie der Uneßane Taukef, wo es heißt, daß Gott an diesem Tage bestimmt, w?r leben und wer sterben, wer in Glück und wer in Unglück, wer in Reichthum und Armuth leben wird u. s. w. Die ersteren Gebete lasten die große Menge kalt und gleichgültig; wer wird sich heutzutage auch für die höchsten Ideale erwärmen? Das thun nur Schwärmer, Phantasten, Narren, heute ist die Welt zu nüchtern, um solchen Träumen und Phantasien nachzugehen, und man spricht dieselben mit den Lippen aus Pietät, weil sie seit den ältesten Zeiten im Siddur stehen, aber da» Herz einer großen Zahl unserer Brüder ist leider nicht dabei. Anders ist es mit den Gebeten, welche gerichtet sind auf das persönliche Wohl, auf das materielle Geschick des Einzelnen, wie z. B. der „Uneßane Taukef" da Wirdes plötzlich ganz stille imGotteShaufe, feierliche Ruhe und heilige Weihe schweben in den heiligen Räumen, etwas wie eine furchtsame Bewegung geht durch die Versammlung, alle Gesichter werden ernst und in den Zügen aller gibt sich tiefe Besorgniß kund. Warum? Run, weil dieses Gebet Bezug hat auf das theuere „Ich", auf die über alles gelieote eigene Persönlichkeit. Eigentlich ist der Uneßane Taukef gar nicht ein Gebet, sondern eine sehr ernste Betrachtung über die hohe Bedeutung und Heiligkeit des Tages, aber wer zittert nicht um sein Leben, um seine Gesundheit, um seinen Besitz, um das Wohl seiner Lieben, und deshalb wird der Uneßane Taukef auch als das wichtigste Gebet von den onma tarn* von der überwiegenden Mehrzahl der Betenden angesehen, weil er sich auf all das bezieht. Die Furcht vor dem bösen Geschick allein ist eS, welche so viele in das Haus Gottes an den tfima ans* führt und wenn diese Besorgniß nicht wäre, wahrlich, so mancher würde auch an diesen heiligen Tagen dem Orte der Andacht fern bleiben, wie er das ganze Jahr hindurch kein Bedürfniß fühlt, seinen Gott auszusuchen. Die Furcht, die Besorgniß vor der verhüllten Zukunft, die Erkenntniß der eigenen Nichtigkeit und Schwäche dem Schicksal gegenüber, dem Jeder ohne Ausnahme unterworfen ist, sind aber nur sehr schwache hinfällige Beweggründe, die den Menschen seinem Gotte näherbringen können, denn wir sehen oft im Leben, daß solche Menschen, sobald sie sich in ihrer Täuschung vor Unglück geschützt und geborgen glauben, dann wieder ihre alten Wege wandeln und ihren himmlischen Vater ganz vergessen, und sobald die Furcht vor dem Unglück aufhört, auch

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