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Der Israelit · 1899-08-28 · Heft 68 (28.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 68 (28.8.1899)
Date
1899-08-28
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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1450 nichtanders, als durch treue Befolgung der göttlichen Gr¬ und Verbote erlangt werden könne. Von ihr, deren ebenbürtiger Mann und einige Söhne ihr ins Jenseits vorausgegangen. könne man sagen: .->133 3y nnwi Du Haft sie alle überlebt! Möge der Allgütige die trauernden Kinder und Kindeskinder, so alle ihre Verwandten, die alle mit der größten Liebe und Zuneigung an ihr hingen und ihr ihren Lebensabend zu versüßen, trösten nno’i i33’n3 rojn tra’ ’d 'iy .'131 "n ’D '3 d’jd 33 3yo nyon M. Rosenwald. Vermischtes Prag. Zum Decan der juridischen Facultät der deutschen Universität wurde kür das nächste Studienjahr Herr Pros. Dr. Robert Zuckerkand! gewählt. Aeutizetorr. iebet eure Weinde." ■ Girre apologetische «rzühlung $••••$• Von atnoftf mtfiun. 41) Nachdruck verboten. „Soll ich Ihnen nun Alles auch noch im Einzelnen erzählen? Ich glaube, das würde zu weit führen; fürchte ich doch, ohnehin schon Ihre Geduld erschöpft zu haben! Nur in Kürze sollen Sie's wiffen: Feist hat mich gepflegt, bis ich meine durch die seelischen Erschütterungen, wie durch die körperlichen Entbehrungen stark erschütterte Gesundheit wiedererlangte. Er gestattete nicht, daß ich mich nach irgend einer Beschäftigung umsah, ehe nicht der Arzt mich für vollständig hergestellt erklärte. Und dann auch lag ihm mein Wohl so sehr am Herzen, daß er fernen Bruder Josef, der eine große Fabrik besitzt, bewog, mich zu beschäftigen. Er selbst unterrichtete mich im Englischen, vervollständigte auch mein Deutsch, führte mich, ich kann sagen, auf jedem Schritt, den ich thun wollte. Seit einem Jahre bereits bin ich im Hause Josef Feist als deutscher Eorrespondent mit einem auskömmlichen Gehalt angestellt. Ein neues Leben liegt vor mir, in dem ich die grenzenlose Verirrung jener traurigen Jahre durch Menschenliebe und durch einen geraden, von allen Leidenschaften entfernten Wandel zu tilgen hoffe." „Wie ich das, was ich bis jetzt geschrieben, überlese, fällt mir aus, daß ich Ihnen von Feist selber kein Wort bemerkt habe. Also, er ist Inhaber einer vorzüglich besuchten Prioat-Unterrichtsanstalt, an der er selber seine pädagogische Kunst unv sein reiches Wiffen verwerthet, während zwei Lehrer und eine Lehrerin ihm zur Seite stehen. Sie können daraus entnehmen, daß es ihm gut gehen muß. Er verbindet mit der Anstalt ein Knabenpensionat, in welchem er auswärtigen Schülern, die m der Stadt höhere Schulen besuchen sollen, Aufnahme und geistige Förderung zu Theil werden läßt. Sie sollten nur sehen, geehrter Herr Pfarrer, mit welch schwärmerischer Verehrung die glückliche Jugend an ihm hängt!" „David, Feist's Sohn, studiert. Zur Zeit ist er auf der Universität Chicago. Der junge Mann dürfte bei seinen Anlagen ein bedeutender Mediziner werden. Rifka, Feists Tochter, — — nun, Herr Pfarrer, was deren Schicksal betrifft, so kann ich mrt einem wehmüthigen Stolze behaupten, daß ich dasselbe beeinflußt habe, zum Guten beeinflußt. Es ist dies das einzige Gute, das aus jener trüben, entsetzlichen Zeit hervorgegangen ist. Sie kennen doch das Sprichwort, kein Unglück sei so groß, daß nicht noch ein Glück dabei wäre. Das hat sich hier bewahrheitet. In jener Nacht, Herr Pfarrer, deren Ereignisse heute wie aus einer anderen Welt zu mir herüberwinken, in jener Nacht, in der ich in meiner Verblendung das schmachvolle doppelte Verbrechen der Brandstiftung und des Mordversuchs auf mich lud, flüchteten Frau Feist nebst Sohn und Tochter vor den drohenden Flammen in das Haus des Handelsmannes Hirsch Kaufmann, der ja unweit von Feist's wohnte. Sie wissen doch, um die Ecke, das schmale, hohe Haus! Dorthin schleppten sie die paar Habseligkeiten, welche sie noch gerettet hatten, dort verbrachten sie selbst auch in Zittern und Schrecken den Rest der Nacht und die folgenden Tage. Nun war doch Rifka mit Kaufmann's Sohn, dem Augenarzt in H., verlobt gewesen, des Bräutigams Mutter jedoch halte darauf bestanden, daß die Verlobung ausgehoben wurde, weil Feist doch nicht mehr im Stande gewesen wäre, die bei der Verlobung vereinbarte Mitgift zu zahlen. Kann sein, daß das schlecht gehandelt war von Frau Kaufmann, aber jedenfalls hat sie bei dem Unglück, welches Feist's betroffen, gezeigt, daß sie im Grunde eine herzensgute Natur ist. Sie selbst hat in der Brandnacht mit retten helfen, was zu retten war, und den Obdachlosen ihr Haus förmlich aufgezwungen. Und in jener Nacht hat sich das Band der Liebe und Zuneigung zwischen den beiden Familien aufs Neue geknüpft, wurden die Bedingungen geschaffen, auf Grund deren der treue Leander später über's Weltmeer ziehen konnte, seine Braut zu holen. Das Alles hat mir Frau Feist ohne Wiffen ihres Mannes erst in letzter Zeit erzählt. Frauen sind neugierig; sie hat mich mal gefragt und ich habe sie gefragt, da haben wir beide verschiedenes erfahren.

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