Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 68 (28.8.1899)
- Date
- 1899-08-28
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449017--48963-2499378- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1449 volle und die Interessen des VereinSU sorgsam fördernde Thätigkeit soll auch an dieser Stelle Ausdruck gegeben werden. Zu seinem Nachfolger wurde in einer an die Generalversammlung sich anschließenden Vorstandssitznng Herr Emil Marx hier erwählt. Zu den 95 Waisen, die am Beginn des vorigen Jahres sich in unserer Pflege befanden, wurden 21 neu ausgenommen und ebensoviele entlasten. Von diesen erlernt ein Knabe das Bäckerhandwerk, zwei die Kaufmannschaft. Fünf Mädchen wurden Näherinnen, eine Büglerin, zwei Dienstmädchen, vier kehrten zu ihren Angehörrgen zurück, eine wanderte nach Amerika aus. Drei Kinder konnten in Folge der gebesterten Vermögensverhältniste ihres Vaters, zwei in Folge Wiederverheirathung desselben entlasten werden. Bon den aus der Schule entlassenen, aber noch in unserer Fürsorge befindlichen Waisen erlernen zwei Knaben mit gütiger Unterstützung des Vereins zur Förderung des Handwerks unter den Israeliten in Freiburg das Sattlerhandwerk, einer mit derjenigen des Vereins in Mannheim die Bäckerei, fünf Mädchen bilden sich in weiblichen Handarbeiten aus. Von den noch schulpflichtigen Waisen sind 16 in Pflege bei dafür geeigneten Familien untergebracht, dte übrigen befinden sich gegen Zahlung von Erziehungsbetträgen bei Verwandten. Von den 95 jetzt in unserer Pflege noch befindlichen Kindern gehören der Heimath nach an der Bezirkssynagoge : Wertheim 1, Merchingen 6, Mosbach 3, Sinsheim 9, Heidelberg 9, Ladenburg 3, Bruchsal 13, Breiten 10, Karlsruhe 4, Bühl 13, Offenburg 14, Freiburg 4, Sulzburg 0, Gailingen 6 Waisen. Für zwei Kinder erhalten wir von ihren Heimathsbehörden oder Verwandten Zuschüsse zu den für sie zu lerftenden Verpflegungskosten. Die im vorigen Jahresberichte erwähnten Stiftungen der verewigten Salomon Schnurrmann in Lahr und Alerander Schnerb in Breisach sind seither rechtskräftig gewerden. Zu ihnen ist noch etne weitere Sustung der verewigten Frau Samuel Bloch Wweaus Offenburg hinzugekommen. Außerdem erhielt unser Grundkapttal einen Zuwachs durch mehrere größere Schenkungen. Mit besonderer Freude können wir seststellen, daß trotz der sich mehrenden Zahl von Vereinen, die an dte Wohlthätigkeit des ganzen Landes sich wenden, der Bestand unserer Mrtglieder und Freunde sich aus seiner Höhe erhalten hat. Wir bitten, auch ferner uns diese Treue zu bewahren und uns in unserem Bestreben, den verwaisten und bedüiftigen israelitischen Klüvern des ganzen Landes Hiise und Beistand zu gewähren, durch Beiträge, Spenden und Stiftungen gütigst zu unterstützen. Das Vereinsvermögen beträgt Mark 156,325.12. Schweiz. Basel, 20. August. Wir erhalten folgende Zuschrift: Mit Bezug auf die in der zweiten Beilage zu Nr. 65 Ihres geschätzten Blattes erschienene Correspondenz au« Wilna vom 9. Aug., unter der Marke „Stellungnahme der russischen Gaonim zur zionistischen Bewegung", ersuche ich Sie, als Vorstand der in dieser Notiz erwähnten Versammlung um Aufnahme nachstehender Berichtigung: An der Berathung nahmen nicht 12, sondern 9 Rabbiner theil. Zweck derselben war nicht di« Stellungnahme zur zionistischen Frage, da sämmtliche Theilnehmer ausgesprochene Zionisten waren, sondern eine Borberathung zur Tagesordnung des dritten Kongresse-. ES ist nicht richtig, daß beschlossen wurde, an die Zionisten «ine Aufforderung zu richten: 1. Daß sie aus ihrem Programm die Errichtung einejüdischen Staates streichen» und, daß dieser Gedanke «in« Sünde gegen die jüdische Tradition wäre und au« socialen und politischen Gründen unzulässig sei; Vielmehr wurde über einen solchen Punkt gar nicht gesprochen, noch ein Beschluß gefaßt. 2. ES ist zwar richtig, daß besprochen wurde, die Culturfrage au« dem Programm de« Eongresse« auszuscheiden, jedoch aus dem Grunde, weil die Eultur in de« einzelnen Ländern verschieden ist, und daher den einzelnen Ländern zu überlassen sei. 3. Wurde nicht von der zionistischen Bewegung im Allgemeinen gesprochen, sondern von der Iüd. Eolontal-Bank, und bezüglich dieser veschlossen, daß sie nur in Syrien und Palästina colonisieren solle. Daß die zionistische Bewegung sich auf Syrien und Palästina bezieht, ist selbstverständlich. Es ist ferner auch unrichtig, daß bei jdiefer Versammlung eine leitende Persönlichkeit der Londoner Jüdischen Eolonialbant zugegen war. St« konnte daher auch kein« Eröffnungen machen, insbesondere nicht über 19 Millionen. Hochachtungsvoll. B e n j a c o h. -> Personalien. Aus Weftphuteu Am 13. ds«. Mt«, starb hier nach kurzem Krankenlager Frau Sara Aronstein im seltenen Aller von »2 Iayren. oic war die älteste Einwohnerin von Iserlohn, die es verdiente, daß ihr in diesem, die Interessen des allein wahren, unverfälschten orthodoxen Iudenthnm vertretenden Blattes ein Nachruf gewidmet werde: oenn v3iip yan nD& pny wenn ein Frommer stirbt, so sind Alle seine Verwandten, Alle verpflichtet, um seinen Verlust zu trauern. Die verstorbene Frau war noch «ine von denen, wie sie leider immer weniger werden, eine nvtt >n, eine tugendhafte, fromme Frau im strengsten Sinne des Wortes. 'Nicht nur, daß sie es mit der Erfüllung der den jüd. Frauen vesonderS obliegenden Pflichten sehr genau nahm, sondern auch die Bethätigung alle« anderen durch das göttliche Ge,etz. durch rwnpn umin uns gebotene Pflichten hatte sie sich zur Lebenaufgabe gemacht. Wa« Wunder, daß bei der Beerdigung einer solchen gotte-fürchtigen Frau eine große Theilnahme sowohl seiten« der Mitglieder hiesiger jüdischer Gemeinde, als auch der der christlichen, wie zu erwarten war, sich kund gab. Auf dem Fried Hofe hielt iQtxx Lehrer Becker eine kurze, aber ergreifende, allen Anwesenden zu Herzen gehende Rede, der er den Text Nünn npi« tto .13’w mNen moy zu Grunde gelegt und gezeigt batte, daß ein so langes Lehen, wie es die Hei^ gegangene, von Statur schwächliche Frau, erreichte» durch