Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 68 (28.8.1899)
- Date
- 1899-08-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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1447 Zionsgedankens, die Zeit, wo die Thoragesetze von Israel anerkannt, in Leben und Weltanschauung Ausdruck gewinnen. Das Volk, das zahllose Leiden mit einzigem Heldenmuth für die Thora erlitten hat, kann nur auf den Grundlagen dieser Weltanschauung eine Verwirklichung erwarten. Unsere Väter und Mütter die mit verklärtem Blick starben, haben in dem Zionsgedanken den Thoragedanken verstanden. Das Volk der Religion kann nie einen Schritt in der Geschichte unter grundsätzlichem Ausschluß der Verbindlichkeit der Thora thun. Wir haben uns das Iudenthum in seiner Geschichte als großes Zion, als Denkmal gedacht, dessen Gedanken man durchleben muß um es zu verstehen. Wir klagten immer, das Judenthum habe zu wenige solcher Forscher: „Dauresch en loh.“ So oft man aber auf dem Congreß über diesen Punkt sprach wurde dies als nebensächlich ausgeschaltet. Wir fragen uns ob das Iudenthum sich damit begnügen könne, wenn ihm seine Führer die Religion als etwas so nebensächliches hinstellen und dem Belieben jedes Einzelnen anheim stellen. Wird dies in einem jüdischen Staate ausführbar sein? * * * Den Führern des Ztonismus mag es bitter zu Muthe sein, wenn sie vom gesetzestreuen Iudenthum nicht gefördert werden, wenn wir skeptisch gegenüberstehen. Es ist dies für sie ein psychologisches Räthsel, wie dieses Iudenthum, das vor 30 Jahren in allen Ländern des Continents für den Zionsgedanken gekämpft hat, jetzt ihren Bestrebungen fern steht. Ich meine die Kämpfe, die bei der verschiedenen Liturgie- Aenderung sich abgespielt. Wir haben da bitter gekämpft für die Beibehaltung alles dessen, was aus Zion und Jeruschalaim Bezug hat. Damals stritten gegen uns verirrte Brüder, die in der liberalen Tagesstimmung ihr Heil sahen, dem sie Vergangenheit und Zukunft opferten. Wir kämpften für den heil. Zionsgedanken. Unsere damaligen Gegner schritten den eingeschlagenen Weg der Assimilation weiter; sie entkleideten den jüd. Gottesdienst seines jüd. Charakters, die väterlichen Sitten wurden verhöhnt, alles jüd. Traditionelle verlacht, aus dem Denken der Juden das Iudenthum getilgt — Wir stritten und litten für das Judenthum. Doch das Rad der Zeiten läßt sich nicht aufhalten; die Assimilation erwies sich als verfehlt. Es war eine feige Selbstverleugnung. Das Iudenthum ohne Zion und ohne Thora wollte umkehren und meinen nun ihre Rettung in einer nationalen Idee zu finden. Wir kämpfen gegen die Anschauung „Judenthum ohne Religion". Man sieht wie wir eonsequent geblieben, und Credo ist dasselbe, unsere Parole die gleiche, nur die Gegner wechseln. Die Gegner schauen nur eine Seite des „Zions", wir streben, eine Gesammtübersicht über das Denkmal zu gewinnen. Wir wollen forschend alle Seiten zur Einheit verknüpfen. — Denn wenn Verstoßene man dich nennet Denkmal ist's — Forscher fehlt ihm nur! Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Worms, 28. Aug. (Ein Stück Wormser jüdischer Geschichte.) Als im Jahre 1881 das Vorstandsmitglied, Herr Julius Goldschmidt, die Reste des alten Gemeindearchivs auf dem Speicher der alten Gemeindestube vorfand und solche nach langer mühevoller Arbeit so ordnete, daß sie heute eine Zierde unsres Gemeindearchivs bilden, entdeckte er auch eine große Menge alter Wimpeln, welche aufgerolll und ineinander verschlungen, einen nahezu unlösbaren Knaul bildeten. Mit vieler Mühe gelang es schließlich diesen zu entwirren und ein wiederholtes Seifenbad hatte hierauf den besten Erfolg. Wie neu gingen die Wimpeln aus demselben hervor. Jetzt erst konnte man die schöne Leinwand erkennen, welche uns verräth, daß die Frauen aus alter Zeit gar fein zu spinnen verstanden. Besonders interessant ist die Thatsache, daß die Stickarbeiten an den Wimpeln aus dem 17. Jahrhundert schöner ausgeführt sind, als diejenigen aus späterer Zeit, und uns durch gelungene Zeichnung überraschen, während die letzteren schon einen mehr schablonenhaften Charakter haben. Wollte man hieraus schließen, daß die Frömmigkeit unserer Frauen im 18. Jahrhundert nicht mehr so innig war, so wäre dies sehr gewagt, wohl aber dürfen wir annehmen, daß die bessere Lage der Gemeinde in materieller Hinsicht im 17. Jahrhundert der Entwicklung des Schönheitssinns förderlich war, wogegen der materielle Niedergang während des 18. Jahrhunderts einen Rückschritt zur Folge gehabt hatte. Auch nach einer andern Richtung haben unsere Wimpeln einigen historischen Werth. Wie allgemein gebräuchlich wurden dieselben stets in einem zur Synagoge gehörigen Raume aufbewahrt, sie haben darin, den großen Stadtbrand 1689 unversehrt Überstunden und liefern hierdurch auch einen Beweis dafür, daß unsre Synagoge in dieser für unsre Stadt so unheilvollen Zeit (Zerstörung der Stadt Worms durch die Franzosen) wenig Schaden gelitten hat. — Herr Goldschmiot hat nun sämmtliche Wimpeln mit Namen und Jahreszahl versehen und in eigens hierfür angefertigten Kartons untergebracht. Mit diesen Wimpeln