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Der Israelit · 1899-08-28 · Heft 68 (28.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 68 (28.8.1899)
Date
1899-08-28
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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1446 licher Wink, daß sie es isi für deren Verwirklichung wir das Land erhalten. Bedeutsamer Weise ist bei jeder Mizwoh die Erhaltung derselben auf nationalem Boden, von der Befolgung des Gesetzes abhängig gemacht. Wäre diese Wahrheit dem jüd. Gedanken auch nur zu irgend einer Zeit fern gelegen, so wäre es ein unverständliches, ja widersinniges Spiel der Geschichte, wie ein Volk eine Blutzeugenschaft, sonder Beispiel und Gleichen erduldet hat — für diese Thora. Israels Geschichte, die Offenbarung der göttlichen Menschheitserziehung ist der unwiderlegliche Beweis für die Wahrheit, daß dieses Volk seine Daseinsberechtigung durch die Thora hat —, dieses Volk muß leiden, wenn es die Thora verletzt, es lebt und stirbt mit oder ohne diese. Es bekam das Land, um die Thoragesetze zu erfüllen, mit der ausdrücklichen Mahnung, daß von der Erfüllung der Besitz abhänge. Auch wurde ihm gesagt, daß, wenn es für die Thora sich nicht reif erweise, dann eine große Zeit der Selbstläuterung, des Jnnewerdens der Thorawahrheit erfolge. In dieser Zeit hat Israel die Aufgabe, in der Verbannung über seine Leidensgeschichte zu sinnen, dem göttlichen Plan der Menschheilserziehung als lehrendem Apostel zu dienen. Und wenn die Menschenerziehung soweit gediehen, daß alle an Israels Leben die waltende Gottesnähe in der Geschichte erblicken, wenn Israel den inneren Tempel des Gotteseinheitsgedankens im Leben durch mustergiltiae Befolgung der Thora demonftrirt, dann wird das Volk wieder Hütten bauen. Denn wir sind vom Leiter der Geschichte für die „Colonisation" bestimmt. Der alte Seher Noah hat unserem Ahnen diese Kunst vorhergesagt. Während Cham mit Macht, Japhet mit dem Zauber der sinnberauschenden Schönheit aus gestaltet ist, ist unsere Bestimmung mit dem Bewußtsein der Gottesnähe unsere Hütten zu bauen, vir» »fcwe psw. Zelte bildend soll unsere Thätigkeit sein. Wenn der Lebensinhalt der Völker aus der Zu- und Abnahme des äußeren Wohlstandes besteht, so ist für die Beurtheilung unserer nationalen Kräfte einzig die Macht des Gemüthes ausschlaggebend. Unser Beruf ist es in der brandenden Strömung des Völkermeeres die Insel zu bilden, an der die menschlichen Schwächen und Gebrechen zerschellen. Von den Zinnen der seit 1800 Jahren redlich vertheidigten Zionsburg herab den wechselnden Mächten der Geschichte zurufen, „die Geschichte ist nicht das willkürliche Werk einzelner, nicht der Schauplatz von Stoß und Gegenstoß, sondern das Emporstreben zur Innigkeit der Gottesgedanken. Sehet unser Leben an und ihr müffet es zugeben, daß nicht die Kraft der Arme, sondern die Macht des Geistes die Geschichte beherrscht." Soll Israel so rufen können, dann muß sein Leben im Geiste der Thora sich vollziehen, jede Handlung, die kleinste wie die größte ihrem Geiste ent- 1 sprechend, fördernd und ein Ausfluß deffelben. Die I Thora gebietet uns in aü1 unserem Thun an Gott zu denken, das ganze Leben der Anerkennung seines Namens zu widmen. Zeit und Raum über die der Mensch verfügt, sollen der Heiligkeit seines Namens geweiht sein; in Handel und Wandel, in Reden und Gedanken, im Fühlen und Wollen sei sein Name verherrlicht. Vom Hauch des Kindes bis hinan zur Erforschung der höchsten Probleme soll seine Allgegemvart verkündet werden, der jüd. Mensch sich als Diener Gottes fühlen. Ein jüd. Staat soll aus jüd. Menschen bestehen. Und ein solch ideales Zion, erhaben über Zeit und Raum, ist jede jüd. Hütte, wo jüd. Menschen beisammen leben. Das private und öffentliche Leben des Juden muß jüdisch sein. Dann ist das Zion des Galus verwirklicht und die Garantie für das einstige Zion gegeben. Das logische Prius — die Thora — muß dem zeitlichen immer vorangehen und ist dessen Voraussetzung. — Seitdem wir unseres Bodens verlustig gingen, hat das Judenthum so gedacht. Hätte es an seines Daseins Berechtigung gezweifelt, wäre ihm die Thora diese Eigenthümlichkeit dieses Volkes gleichgültig gewesen, es hätte wahrlich die Consequenzen gezogen. Logischer als Nordau. Denn ein Volk entrinnt dem vernünftigen Schluß nicht. Ein Denker, der willkürliche Prämissen konstruirt, kann zu sonderbaren Schlüssen kommen, ein Volk nicht. Denn der Schluß im Gehirn des Denkers entbehrt der Realität, die im Leben des Volkes unabänderlich gegeben ist. Oder hat dies Volk 18 Jahrhunderte gewartet, um mit einer konventionellen Phrase des Herrn Nordau: „jeder kann seiner Ueberzcugung leben," erlöst zu werden. Es wird selbst dem Mann „der konfessionellen Lüge" nicht einleuchten wollen, daß die lange Leidensgeschichte dieses armen Volkes dadurch erträglich war, daß man auf ihn wartete. Nein! Dieses Volk ist das Volk der Thora und kann nur mit und durch diese leben. Der 111. Basler Congreß hat uns über die Unzulänglichkeit des heutigen Zionismus nicht hinweggetäuscht. Da wir den Zionismus in oben dargelegter Weise als einzig wahr und jüdisch erkennen, können wir nur diesen Maßstab der Beurtheilung an den heutigen „Zionismus" legen. Der Congreß hat die sogenannte religiöse Frage grundsätzlich ausgeschlossen, Der heutige Zionismus steht nicht auf dem ausschließlichen Standpunkt unseres Zionsgedankens, wie ihn unsere Propheten verkündet, ein langes Martyrium bestätigt hat. Mag er nun einen Judenstaat bilden wollen, wie vor zwei Jahren, eine öffentlichrechtliche Heimstätte erstreben, wie im Vorjahre, oder wie dieses Jahr einen „Charter" zu kaufen beabsichtigen, es ist nicht unser Zionismus. Ueberlegen wir noch einmal unseren Begriff von Zionismus, so läßt sich der Gedanke kurz dahin aussprechen : Für uns ist die Zeit der Verwirklichung des

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