Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1899)
- Date
- 1899-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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mit Juden und Jüdinnen, die bei ihnen größere Einkäufe machen und ermangeln niemals, den Damen zu sagen: „Küß die Hand, Gnädige, beehren Sie mich bald wieder." Erst wenn sie an den Juden und Jüdinnen Geld verdient haben, kehrt die deutschvölkische Gesinnung wieder. Zahlreiche jüdische Curgäste haben nun die Frage angeregt, ob Juden einen Curort besuchen sollen, in welchem bet einem Theile der Bevölkerung solche Allüren herrschen, allein es wurde dagegen eingewendet, daß es ein Unrecht wäre, wegen der Bornirtheit Einzelner und wegen der läppischen Anrempelungen eines obscuren Provinzblättchens einen herrlichen Curort zu meiden, \n welchem sie sich zum Aerger aller Antisemiten recht wohl befinden und dessen Verwaltung bemüht ist, allen Curgästen ohne Unterschied der Nationaliiat und der Confession den Aufenthalt so angenehm als möglich machen. Franzensbad ist deßhalb auch in stetem Aufschwünge begriffen und so besucht, daß kaum irgendwo ein Zimmer zu haben ist und viele Ankommende wieder abreisen müssen, weil sie keine Unterkunft finden. Daraus kann man den Charakter des citirten wurzelhaften Blättchens beurtheilen, welches aus hämischem Aerger über die einem jüdischen Curgaste erwiesene Ausmerksamkeit dem Curorte durch die erlogene Behauptung zu schaden sucht, daß Franzensbad in Bezug auf Frequenz immer mehr und mehr zurückgeht. Um aber jüdische Besucher von Franzensbad davor zu schützen, daß sie für ihr gutes Geld vielleicht verhöhnt oder beschimpft werden, hat man hier einige Auskunftsstellen creirt, bei welchen man sich darüber unterrichten kann, welchen Hausbesitzern und Geschäftsinhabern, ihrer stramm antisemitischen Gesinnung wegen, jüdische Kunden prinzipiell unangenehm sind, so daß die jüdischen Curgäste sich nicht dem Verdachte der Zudringlichkeit auszusetzen brauchen. Diese Auskunftsstellen, an welche man sich wenden möge, sind: Heinrich Adler, Bankgeschäft, Ignatz Adler, Hotelier, Bernard Kraus, Hotelier, M. Kohorn, Optike-, S. Steiner, Bankier. Spiegl, Restaurateur. Von anderer Seite wird in Dr. Bloch'ö Wochenschrift über dieselbe Angelegenheit geschrieben: Jedem Curgast, dem das Glück beschieden ist, durch 2b Jahre sein Geld nach Franzensbad bringen zu können, wird von der Curverwaltung eine Art Jubiläum bereitet, dessen Quintessenz ein Ständchen der Curcapelle bildet. In diesem Jahre war unter diesen Glücklichen Herr Martin Lesier aus Berlin, ein hier besonders in musikalischen Kreisen allgemein geschätzter Curgast. Herr Lesser hat aber neben dem Glück, 2b Jahre nach Franzensbad kommen zu können — das Unglück ein Jude zu sein. Letzteres brachte die famosen „Egerer Nachrichten" ganz aus dem Häuschen. Sie! leistete sich unterm v. „Erntings" einen Artikel aus Franzensbad, in welchem Klage geführt wird, daß man so undeutsch in Franzenbad sei, einem Juden ein Ständchen zu bringen, gießt dabei über Herrn Lesser und die übrige Judenheit einige Liter des sattsam bekannten antisemitischen Spiritus und ermahnt die Franzensbader „Deutschen", reuig in sich zu gehen. Der Artikel der „Egerer Nachrichten" hat hier allenthalben Entrüstung hervorgerufen und zur Ehre Franzensbads sei es gesagt, die intelligente Bevölkerung schämt sich, daß sich die antisemitischen Culturbestrebungen auch hier bemerkbar machen. Es k'inn nicht verschwiegen werden, daß sich auch leider hier Leute finden, die diese Bestrebungen unterstützen. So besteht hier schon seit Jabr und Tag eine Ortsgruppe des Antisemitischen Bundes der Deutschen. Derselben gehören sogar Leute an, deren Häuser und namentlich deren Geschäfte hauptsächlich nur von Juden frequentirt werden. Es wäre für das Gedeihen und Aufblühen Franzensbad» sehr gefährlich, würde das Giftgewächs, benannt Antisemitismus, hier Wurzel fassen. Darum Curverwaltung Franzensbads! Wachsamkeit und Energie.? Tarnow. Erfreuliche Nachrichten kommen au» Palästina. Unsere Kolonie Machnajim hat die Erlaubniß zum Häuser bau erhalten und man wird nun schnellstens daran gehen. Hoffentlich lassen uns jetzt unsere Freunde mit den nöthigen Mitteln nicht im Stich, damit der Häuserbau schnell erledigt werden kann. Auch für eine Anzahl BorySlawer Arbeiter gibt es jetzt in Palästina Beschäftigung, so daß wir bald die ersten werden hinüberschicken können. Schweiz. Basel, 24 August. Nach und nach erfährt man Näheres darüber, was der deutsche Kaiser gelegentlich seiner Anwesenheit in Jerusalem dem Zionisten führer Dr. Herzl gesagt. Herr Herzl hat die Mittheilungen Wilhelms II. zuerst mit einem geheimvollen Schleier der Außenwelt zu. entziehen gesucht. Es lag das in Herzls Politik, da er feine Gesinnungsgenossen gerne mit hochfl'egenden Hoffnungen zu berauschen suchte. Den Aeuderungen, die Herzl intimen Freunden gegenüber gerhan hat, sind diese aber für die zionistische Propaganda keineswegs verwerthbar. Darnach sagte der Kaiser, daß er einen Theil der deutschen Juden durchaus nicht entbehren möchte, da sie für viele Dinge geradezu unersetzlich seien, von einem andern Theil dagegen wünsche er, daß er so schnell als möglich nach Palästina auswandere. Wir geben diese Mittheilungen mit aller R serve. Türkei. § Konftanttnppel, 6. August. Der Heuer im Frühlinge zwischen unserem Chacham - Baschi, Rabbi MosesLevi '2, und den hiesigen jüdischen