Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 67 (24.8.1899)
- Date
- 1899-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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1494 Judenthums berührenden Angelegenheiten eine rastlose, erfolgreiche Thätigkeit zum Heile Israels entfaltete, wie auch als Forscher und Gelehrter auf dem Gebiete unserer heiligen Thora unvergängliche Werke schuf, indem er endlich auch als Lehrer und Seminar- Direktor durch Heranbildung gesetzestreuer Rabbiner eine gedeihliche Weilerentwickelung des Judenthums auf traditioneller Grundlage ermöglicht, all diese Verdienste machen es für uns zu einem Gebot der Dankbarkeit und zur Ehrenpflicht, das Andenken an diesen großen Mann, der eine Leuchte des Judenthums gewesen ist, auch in unserem Vereine für alle Zeiten zu erhalten und späteren Geschlechtern als erhabenes Muster und Vorbild zu überliefern. Zu diesem Be- Hufe beschließen wir, daß der Todestag Dr. Hildesheimer'S b» — der 4. Tamus — alljährlich in unserer Synagoge durch Anzünden des Jahrzeiislichtes, Schiurlernen und Kavifchsagen in pietätvoller Weise gehalten werden soll. Ferner soll, einer alten Uebung gemäß, sein Name, unter Hervorhebung seiner gesegneten Thätigkeit zum Wohle des Judenthums, in das Memorbuch unseres Vereins eingetragen und an den hiefür bestimmten Tagen beim Gottesdienst öffentlich erwähnt werden. Dieser Beschluß soll in das Protokollbuch unseres Vereines ausgenommen und auch der Familie des Verewigten in geeigneter Weise mitgetheilt werden." Solingen, 16. August. Anläßlich des Kaiserbesuches im Belgischen wurden auch mehrere unserer Glaubensgenoffen von Sr. Majestät ausgezeichnet. Herr Oberregierungsrath Dr. Meyer aus Elberfeld, früher in Köln, empfing als Vertreter der Eisenbahndirektion den Kaiser aus dem hiesigen Bahnhofe. An Kommerzien-Rath C o p p e l wandte sich der Kaiser in Müngsten mit der Frage: Sie fabriziren also Waffen? Kommerzien-Rath Coppel bestätigte damit dem Hinzusügen, daß sein Haus den Vorzug gehabt habe, größere Lieferungen in Datagan», Kavallerie-, Artillerie- und Offiztersäbeln für den Staat auszuführen. Der Kaiser bemerkte darauf: „Wir waren ja auch stets mit den Lieferungen zufrieden. Aber Sie sind hoffentlich auch, trotzdem Sie Waffen fabriziren, damit einverstanden, daß wir jetzt in einer Zeit des Friedens leben." Kommerzienrath Coppel erwiderte, daß wir Alle hochbeglückt seien durch den Frieden und sehr wohl wüßten, daß wir denselben dem Kaiser zu danken hätten. Essen, 14. August. Herr Js. Sim. Hirschland, Stadtverordneter und 1. Vorsteher der hiesigen Synagogen-Gemeinde hat au» Anlaß seiner am Samstag gefeierten silbernen Hochzeit der Hirschlandstiftung der hiesigen Taubstummenanstalt 2l)ü0 Mk. überwiesen, und außerdem den Wohlthätigkeitsanstalten der hiesigen Synagogengemeinde, cher Lehrers Wittwenkaffe, dem Verein für jüdische Geschichte und Literatur und einigen auswärtigen Anstalteu namhafte Spenden zukommen laffen. Aus Anlaß dieses Festes wurden dem Hirschlandschen Ehepaar verschiedene Ovationen dargebracht. Schon in früher Morgenstunde überraschte die Essener Kapelle durch ein Ständchen, später erschienen viele Freunde und Bekannte, um ihre Glückwünsche darzubringen, u. n. der Gesammtvorstand und die Repräsentanten der Synagogen-Gemeinde, an deren Spitze Herr Hirschland schon seit vielen Jahren in hingebenster Weise die Verwaltung leitet. Namens dieser Korporation überreichte Herr Herm. Herz eine kunstvolle Adresse deren Wortlaut die Verdienste des Gefeierten hervorhob. Herr Rabb. Dr. Samuel feierte in längerer Rede das Silberpaar, während Herr Hauptlehrer Graf namens der Lehrer die besten Wünsche überbrachte. Zahlreiche Blumenspenden, kostbare Geschenke und viele Depeschen bewiesen, welche großen Sympathien des Paar sich in den weitesten Kreisen erfreut. Oesterr.-Ungar. Monarchie. UranzenAvad. Das „deutschvölkische Blatt» chen „Egerer Nachrichten" brachte in seiner Nummer vom „Erntings" die folgende wunderschöne Notiz aus Franzensbad: „(Von unserer Iudenheit. Wie sehr unser Cur ort seine Judengäste ehrt und was dao Bedenklichste dabei ist, aber trotzdem anderen Curorten gegenüber in Bezug auf Frequenz von Badegästen immer mehr und mehr zu rückgeht — möge hier kurz angeführt werden. Donnerstag den 4 d. M. fand hier vor dem Hause „Fwan" ein solennes, von der Emoapelle Oehl sch läge! über Auftrag der Curoommission intonirtes Ständchen zu Ehren des Martin Lesser. eines Berliner Bankjuden statt. Derselbe erschien gleich nach dem ersten Tonstücke oben am Balkon in Begleitung einiger anderer Kl ummnasen. welche während des Eonoertes wechselweise mit eppes an knoblauch buh freien Bouquets in angenehme Berührung gebracht wurden, um siäi der e'mstwetlen unten angesammelten deutschen VvUsmenge in vollster jüdischer Herrlichkeit, ..Gott wie fain, wie schain. wie nobel" zu zeigen. Fürwahr, einem Regenten oder Feldmarschall. der im heißen Kampfe um sein geliebtes Vaterland ge achten und muthig als Held die Feinde bezwang konnte keine größere Ehrung hier zutheil werden, als sie diesem . . . Juden dargebracht worden ist. Viele deutsche Musiker unter der hiesigen Curkapelle wer den mit Abscheu und innerlichem Widerwillen diesem Aufträge Folge geleistet haben. Deutsche Stadt Franzensbad. wohin bist T» mit Deinem Deutschthum gekommen? Die Antwort gib Dir selbst." Der „deulschvölklsche" Verfasser dieser geschmackvollen Stilblüthen ärgert sich darüber, daß die Curverwaltung Herrn Lesser aus Berlin, welcher nunmehr seit 25 Jahren ständiger Curgast in Franzensbad ist, anläßlich dieses seines „Jubiläums" als Curgast von Franzensbad ein Ständchen bringen ließ, und er hat damit jenem Theile der einheimischen Bevölkerung, welcher antisemitisch gesinnt ist, jedoch nur bis zur Tasche, aus der teutonischen Seele gesprochen. Die hiesigen Antisemiten sind überaus liebenswürdig