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Der Israelit · 1899-08-24 · Heft 67 (24.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 67 (24.8.1899)
Date
1899-08-24
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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1422 Wir sollten entgegengehen einem neuen Kreislauf von Monden und Tagen und könnten scheiden sehen das alte Jahr, ohne die Klagen zn erneuern, die wir in ihm haben anheben müssen, ohne uns noch einmal so ganz dem Schmerz hinzugeben, der uns durchbebt? mx na«» hmk. Haben wir doch Männer verloren, deren rwa« deren zur Thai gewordene Ueberzeugungstreue sie zu Helden stempelte, zu „Helden, die in der Mauer Breche zu treten wagten, abwehrend anstürmendes Verhängnis". Muthbeseelt und krastgerüstet wagten sie als Streiter „in die Breche zu treten," Sie durften es wagen; denn onnpyo ros o'xa Schild und Lanze brachten sie mit in ihren Tharen. Für ihr Volk hielten sie hoch das Bewußtsein, das als Gemeingut aller in jedem Geiste wach, in jeder Brust lebendig leben sollte: Israels Geschick bestimmen seine Thaten. Als wie ein Vermächtnis klingen die letzten Worte nach, die der eine unserer großen Toten in seiner letzten Lebensftunde, als sein letztes „Thaurohwort" mit seinen „Priesterlippen" kündete, bw px bxwb. Nicht wie der Planeten Lauf, so sprach R. Eliah Munk V*r, sind Israels Bahnen nach ewig gleichem Naturgesetz bestimmt. Zwei Wege stehen uns offen. rMpi rtro hwi d^jb*? jru 'om nx-i. Sieh, ich lege vor euch hin Segen und Fluch. Wann wird der Segen wirken, wann der Fluch uns drohen? vfflwi Tom nx, Segen ist des Gehorsams Lohn, uwn xb ox .'■Mpm, Fluch des Eigenwillens Strafe. So zog der große Mann kurz vor dem letzten Athemzuge die Summe seines großen Lebens, in Worten so schlicht, in Gedanken so einfach, so leicht zu erfassen für jedes jüdische Herz, so zugänglich jedem jüdischen Empfinden, und doch so bedeutungsschwer für jedes jüdische Leben, von solcher Tragweite für die Gesammtheit. O, wollten doch die Söhne und Töchter unserer Zeit, die so gerne die Sache der Religion der „Bürgschaft" der Gesammtheit entzogen wissen wollen, o wollten sie doch recht lesen den biblischen Vers, um darin die Schwere der Verantwortung zu erkennen, die der Einzelne mit jeder Handlung übernimmt. Die Gesammtheit als Einheit ntfi wird darauf hingewiesen, daß jedem einzelnen ihrer Mitglieder c&xh die Wahl freisteht zwischen Segen und Fluch. Die Gesammtheit bürgt und ist verantwortlich für den Einzelnen. Aber auch des Einzelnen Thun und Lassen bedeutet in jedem Moment einen Schritt näher zum Glück der Gesammtheit oder zurück von ihrem Ziel. Denn zum Einzelnen sind die Worte gesprochen wwn 1S>X nnn und wn xb dx rMp er könne verwirklichen oder verwirken, fördern oder verzögern das Endziel das feinem Volke und mit diesem der gesammten Menschheit winkt. Also sei durchdrungen der Jude in jedem Augenblick von der Bedeutung seines Beginnens. Nur so vermag er zur „Schutzwehr seinem Volk zu werden und zur Deckung am Tag des Zürnens". Wie aber unser Leben für die Gesammtheit leben? Nun wie die Männer, deren Abberufung aus unserer Mitte wir beklagen, Israel Hildesheimer und Elias Munk. Der Eine wirkend auf dem denkbar größten Schauplatz weitester Oeffentlichkeit, der Andere — in seiner „Klaus". Und doch nur war es der Bestimmung Wille, der dem einen die Kanzel der Welt zutheilte, um vor den Ohren des größten Kreises das Thaurohwort zu lehren, vor seinen Augen es zu leben und derselben Vorsehung Plan ist es gewesen, der den andern ausersehen auf heiliger Warte in einer einzigen Stadt zu stehen. Was des einen Grundsatz, bildete auch des andern Auffassung, nicht das Leben und das Wirken dem Amt gemäß zu gestalten, das man zufällig hienieden bekleidet. Die Ausübung der Pflichten im Beruf bei beiden war nur der Ausfluß ihrer Auffassung von Leben und Judenthum. Beiden vor allem galt ihre Person und ihre Ehre nichts, sie war der Sache hörig, für die sie lebten und strebten. Sie waren voll und ganz rwsx ^:x „Leute" ihres obersten ihr Sein und Sorgen beherrschenden Lebensprinzips: rumx. So lehrten sie uns nicht nur den Maßstab kennen, mit dem zu messen sind die Männer, die in Wahrheit rwiöx auf ihr Panier geschrieben, ihr Leben bildete zugleich den lebendigsten Protest gegen den Wahn, als müsse der Mensch ein anderer sein, bethätigt er sein Können in der großen Welt, ein anderer, setzt er den Hebel seiner Kraft dort an, wo im Stillen das sich vorbereitet, was auf lautem Wellenplan seine Stimme einst erhebt, wo aus Kleinem das Große sich entwickelt. Hier zum Juden erziehen und aus dem Juden den Menschen bilden und dort im Menschen den Juden nicht verlieren, auf daß der Mensch sich stets als Menschen wiederfinde. Erziehung zum Menschen hier, Erhaltung des Menschen dort. Gleich groß, gleich wichtig beides; unentbehrlich jedes; eines nichts ohne das andere. Dies wie jenes nur erreichbar, leuchtet ein Vorbild voran, das seine Lehren lebt, dessen Worte nur Spiegel seiner Thaten sind. — So lehrte ihr lebendiges Beispiel, was es heißt zum Heile, zum Frommen seines Volkesleben. Und nun, da wir klagen müssen pxi dws mmy 2X weil sie uns verlassen, da wir Waisen wurden, da nicht mehr treu und liebevoll ihre Vatersorge uns umgibt, da wendet sich ernst unser Denken der Geschichte zu, jener erhabenen Lehrerin, die gütig warnend, ernst drohend zu uns redet. Sie redet so lebenswahr, fo lebensernst — o, dieser Wahrheit Strenge allein ist der Grund, weßhalb die Hörer ihr das Gehör nicht leihen-sie stört zu sehr des äußern Lebens heitern Scherz. — Und wie oft mag sie vergebens schon gesprochen haben; denn der Talmud schon hat

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