Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-08-24 · Heft 67 (24.8.1899) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 67 (24.8.1899)
Date
1899-08-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449016--48934-2499348
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XL. Jahrgang. M «7. Per Israelit. Ei« Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlkum Begründet von Dr. Wt&mmnn in Ittiitu» Do««erstag, de« 24. August 5650 (1899). Mr Eine MAvk abonnirt man bei allen Postanstalten für den Monat KG September KG auf den „Israeli*". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Aeitungsschalter deS Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrieftrLger aufgegeben werden. Ausland entsprechend höher. Dir Erprüttion des „Israelis. Leitender Artikel. Juni ersten ^elichoth-Tag. Wir rüsten uns zur Jahreswende. Und wie bei jeder großen Epoche in der Völker Leben und bei jeder kleinen im Lebenslauf des einzelnen wir rückwärts schweifen lasten den Blick, um die Vergangenheit zu prüfen, ob auf ihr als Fundament sicher ruhen könne der Bau der Zukunft, oder ob sie der Verbesserung bedürfe und nur neu gefestigt zu tragen vermöge die Last der kommenden Tage —: also beginnt die Vorbereitung zunr neuen Jahr mit der Musterung des alten. Denn nicht losgelöst von eine der andern folgt die Zukunft der Vergangenheit. Das Neue entsproßt dem Alten. ES kann frischer, jugendkräfliger stch gestalten, zu Markigerem vermag es zu gedeihen, doch fein Lebensmark trägt es in sich von dem Stamm, dem es entkeimt. Das ist der schlichte Gedanke, den der erste Selichoth-Tag uuserm Herzen nahe bringt. Rührend erst, erschütternd wirkt er durch da« Resultat dieser Prüfung, wenn Leid und Leiden des verflossenen Jahres an unserem Auge vorüberziehen. Und ach, als wäre die erste Selichoth auf unsere Tage geprägt, so beginnt sie — und wir lallen nach ihre Worte mit thränenerstickter Stimme, übermannt von der Gedankenwucht mit der ihr Inhalt unsere Brust erfaßt, und nach Fassung ringend, schmerzumwühlt stoßen lnühfam wir die Klage aus ms« rw»« wn.- Wir haben Männer verloren. O, es ist die bitterste Klage, die Israel kennt. Freilich, es ist wahr, Israel lobhudelt seinen Großen nicht, ja es bekämpft sie bei ihren Lebzeiten, sie scheinen ihm nicht groß genug. Denn es bedarf großer, sehr großer Männer, um sein Ideal durchzutragen durch die Zeiten, Helden an Kraft, um zu trotzen aller Widerwärtigkeiten, festzustehen im Zeitensturm, sicher zu waten im Zeitenstrom. -Nur wenigen ist solche Stärke gegönnt, Jisroel zu sein, als JiSroel zu wirken in allen Zeiten, auf daß nimmer vergessen werde Israels Lehre und sie nie ganz verliere die Achtung in den Augen der Welt, die ihr, der Lehrmeisterin alles Erhabenen und Edlen, gebührt. Und um so größer die Aufgabe, so geringer die Anzahl derer, die sie zu lösen vermögen, so empfindlicher der Verlust derer, die sich ihrer mit Glanz entledigt. Daß Israel seine Großen kennt, sie kennt, obwohl es sie befehdet ihre Fehler, ihre Mängel, ihre menschliche Unvollkommenheit rügt, um selbst M ihrer Vervollkommnung zu arbeiten, auf daß makellos ihr Schild erglänze, wenn im Licht sie sich erheben zu Israels Schutz und Schirm: das beweist Israels Trauer an der Bahre seiner Großen. Wenn darum Israel hintritt und Rückschau hält über die Tage von denen es für immer scheidet und leer steht die hochragenden Postamente, aus denen die Lehrer gesessen, um die es sich gefchaart, „um Lehre zu suchen von ihrem Munde", dann bricht sein Herz. Und bevor es weiter schreitet, weiter auf dem Weg der Ewigkeit-o es kann sich noch nicht trennen. — — wie wonnig in dem Weh zu wühlen-und zu weinen na* ruw« wjk. Meine Männer,-so treu-sie find dahin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.