Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 66 (21.8.1899)
- Date
- 1899-08-21
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1406 richten. Der Vorstand ist jederzeit bereit, die Anmeldung neuer Mitglieder entgegen zu nehmen. Herrenalv. In vergangener Woche fand hier ein Wohlthätigkeitskonzert stau, das eine sehr ansehnliche Summe für die Armen unseres Städtchens abwarf. Ein großer Theil des Geldes ward auf Veranlassung Ihrer Durchlaucht der Frau Prinzessin Agnes zu Salm-Salm für die jüdischen Armen der Stadt Karlsruhe bestimmt. Durchlaucht hatten sogar den mitwirkenden Künstler S. Klibansky, Konzertsänger aus Frankfurt a. M. (Bruder des um die Entstehungsgeschichte des synagogalen Gesanges sich verdient gemachten Cantors P. Klibansky) aniinirt, ein eigenes Konzert unter ihrem Protektorate zu veranstalten. Letzteres fand diesen Donnerstag im Kurhause statt und erfreute sich eines überaus zahlreichen Besuches seitens des Kurpublikums. Ein amerikanischer Millionär hatte außerdem noch eine große Anzahl Btllets für die hiesige Schuljugend erworben, so daß der Kursaal thatsächlich dis auf den letzten Platz gefüllt war. Ueber den Verlauf des Conzertes schreibt die „Etil. Ztg." wie folgt: „Herr Klibansky, eine sehr sympathische, jugendliche Erscheinung, entledigte sich seiner Aufgabe mit viel Geschick und Bravour. Durch zarte Schattirung und eine goldene Plastik der Deklamation, der jeder ungesunde Zug aufbauschender Pathetik gebrach, und der auf die Intentionen der Komponisten mit fast verblüffender Sicherheit und Feinfühligkeit einging, brachte der intelligente Sänger die Lieder in herrlicher Weise zum Vortrag. Reicher Beifall ward ihm zutheil. Die Prinzessin überreichte dem Künstler einen herrlichen Lorbeerkranz, der mit einem in sympathischen Worten gehaltenen Begleitschreiben geziert war. 0. > Vermischtes. < Berlin (Die jüdischen Lehrerinnen.) In der unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirfchner stattgehadten Sitzung der städtischen Schuldeputation wurde über das Resultat der Verhandlungen mit dem Provinzialschulkollegium wegen der Frage der jüdischen Lehrerinnen Bericht erstattet. Ein Beschluß wurde noch nicht gefaßt. Berlin. Ein seltenes Fest feiert der 71-jährige Militär- Invalide Moses Hirsch, vom 24. Infanterie-Regiment, 5. Komp. Derselbe wurde am 29. Juni 1849 bei Kupperrheim in Baden in einem Gefecht am rechten Oberschenkel verwundet, so daß derselbe heute noch eine eiternde Schußwunde hat. Derselbe beging mithin sein 50-jähriges Jubiläum als Mllitär-Invalide mit offener Schußwunde. Er wohnt in Berlin. Höhestrabe 50 ir, und befindet sich leider in dürftigen Verhältnissen. Elberfeld. Als Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde ist an Stelle des nach Gothenburg berufenen Herrn Dr. Koch, Herr Tr. Grabowsky aus Könitz (Preußen) gewählt worden. fgfeufKeifttt. lebet eure Dxeinde." Eine apologetische Erzählung ■#••••#• •#•• Von Arnold Mnnn 39) Nachdruck verboten. Pfarrer Tettenborn in Göllheim hatte längst nicht mehr an die aufregenden Vorgänge die wir erzählt, gedacht. Feist und Wegner hielt er für verschollen. Namentlich von dem letzteren glaubte er, daß er auf.der Bahn des Verbrechens immer weiter abwärts geglitten sei. Der Bescheid, den ihm sein Amtsbruder Melzert über die Entlastung Wegners hatte zugehen lasten, bestärkte in nur in seiner Ansicht. Man kann sich demnach denken, wie überraschend es auf den Pfarrer wirken mußte, als er nach Verlauf von etwa zwei Jahren aus New-2)ork einen Brief erhielt, der an der Spitze in gedruckter Aufschrift den Namen und die Fabrikate der Firma „Josef Feist" verkündete und der unterzeichnet war: Robert Wegner. Es war ein dicker Brief, ein ganzes Packet Bogen; die Schrift bezeugte es, daß das Ganze nicht auf ein Mal geschrieben war. Man bekam den Eindruck, daß es eine kleine sAbhandlung sei. Der Brief lautete: Geehrter Herr Pfarrer! „Sie werden nicht wenig erstaunt sein, von mir einen Brief zu bekommen, noch dazu aus Amerika. Zuerst werden Sie vielleicht Schlechtes von mir denken und werden sagen: Jetzt hat der Wegner sein Vagabundenleben gar schon bis in die neue Welt getrieben! Vielleicht auch wird die Erkenntnis, daß ich in Amerika bin, noch ganz andere Gedanken in ihnen Hervorrufen. Wie dem aber auch sein mag: ich bin in Amerika und ich bin ein neuer Mensch geworden, glücklich wie früher, ja noch viel glücklicher und noch viel viel zufriedener! Wie das gekommen ist? Nun, ich will es Ihnen erzählen, Herr Pfarrer, denn es drängt mich und treibt mich, vor irgend einem Menschen mein Herz auszuschütten. Warum Sie es gerade sind, den ich mir dazu ausersehe? Nun, auch das hat seinen Grund.' Denn neben dem Bedürfnis, meine wechselvollen Schicksale in Worten wiederzugeben, lebt in mir noch das andere Verlangen, einen verhängnisvollen Jrrthum einzugestehen, in dem Sie gerade mich befangen wußten, die Schmach und die Sünde, die ich auf mich geladen, aufrichtig zu bekennen, und endlich — Ihnen von Seligmann Feist zu schreiben. Mehr