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Der Israelit · 1899-08-17 · Heft 65 (17.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 65 (17.8.1899)
Date
1899-08-17
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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189ö zu bekehren. In der Idee trennt unS nichts. Die beste Viovm der Ausführung müssen wir gemeinsam suchen. (Bravo ) Wieder andere Zionisten, und zwar die an materiellen Mitteln mächtigsten, wären mit uns vollkommen einvcr standen, wenn wir nicht das Verfahren der öffentlichen Diskussion wählten. Werden wir aber ein Ergebniß erzielen, so werden sie mit uns fein. Früher b-auchen wir sie nicht, dann werden wir sie haben. Es besteht darüber heute kein Zweifel mehr. Welcher Art soll nun dieses Ergebniß sein? Sagen wir es mit einem Wort : Ein Charter! Unsere Bemühungen sind darauf gerichtet, einen Charter*) von der türkischen Regierung zu erlangen, einen Charter unter der Souveränität Sr. Majestät reö SultanS- Erst wenn wir im Besitze dieses C valterS sind, tvelcher die nöthigen öffentlich recht lichen Siche-heiten enthalten muß, könnten wir eine große praktische Kolonisation beginnen. Für die Gewährung dieses Charters werden wir der türkischen Regierung große Vortheile vermitteln Das konnte und kann aber nicht vom Kongresse aus geschehen, der die hiezu erforderliche juristische Persönlichkeit nicht hat. Es mußte für diese Abmachungen ein eigener Kontrahent geschaffen werden. DaS 'st die jüdische Kolonialba k. Wenn noch irgend jemand die Frage aus werfen konnte, ob die zionistische Bewegung ein ernst zu nehmender Faktor sei, — die hunderttausend Subskribenten der jüdischen Kolonialbank haben darauf geantwortet. AuS Sibirien, von den Grenzen Chinas, und aus dem südlichsten Argentinien, vorr Canoda und aus denr Transvaal ist die Antwort gekommen, die Kolonialbank existiert heute. Wir alle, die wir unserer Idee mit immer frischer Begeisterung dienen, haben nicht die Gewohnheit, uns der gebrachten Opfer zu rühmen. Indem wir aber dem Kongresse diesen beendigten Theil des Werkes vorlegen, dürfen wir uns einmal das Herz erleichtern und sagen, daß es das bisher schwerste Opfer war, zu dem wir unS entschlossen. Leute, die nie etivaS mit Geschäften zu thun gehabt, agitirten für die Gründung erner Bank und setzten sich den kränkendsten Verdächtigungen aus Es mußte sein, wir haben es gethan Hellte übergeben wir raS Werk dem Kongresse, dem wir die vollstänttge Aussicht über die redliche und den zionistischen Zwecke«: dienende Verwaltung der Bank gesichert haben. Der Kongreß wird durch seine jährlich neugewählten Vertreter über das Institut vertilgen. Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werden, daß das Aktienkapital nicht zur Lander Werbung ver«endet werden soll. Tie Bank ist nur ein Zwischenglied. Auf Grund des erlangten Charters wild erst die eigentliche Lanogesellschast gegründet werden, und zwar selbstverständlich mit einem entsprechend größeren Kapital. Die Beschaffung gerade dieses größeren Erfordernisses kann aber schon heute als gesichert angenommen werden, und mir werden Ihnen darüber zu gelegener Zeit Miuheil ungen machen, die jetzt nickt gemacht werden können. All dies h.rk scheinbar den Charakter von Vorbereitungen, von zukünftigen Andeutungen. Es ist aber thatsächlich etwas so praktisches und gegenwärtiges wie eine Saat, die man dem Boden anver raut. Zuerst war es eine Saat von Gedanken» nun ist es eine Saat von Einrichtungen. ES ist heute noch kein Brod, es ist nur das Brod von morgen. fit Allzusatten mit ihrer vom Wohlleben geschwächten Einbildungskraft wollen uns freilich noch nicht verstehen. *) Charter ist ein Frei- oder Schutzbrief, durch welchen einer Gesellschaft (Chartred Company) von der Regierung für bestimmte Zwecke gewisse Rechte und Privilegien verliehen sind. Derartige Gesellschaften eristiren in England, Rordamerkia und im englischen Südafrika. In dem letztgenannten Lande hat Eecil Rhodes eine solche Gesellschaft, die unter britischer Oberhoheit steht, gegründet. Red. d. Isr. Um so besser verstehen un« die Armen und Mühseligen. Sie haben die Phantasie der Noch. Sie wisse» von heute und gestein, wie weh auch morgen der Hunger thun wird. Und in dieser Lage sind viele, viele hnnderttaufende unseres Volkes Das aber snd die verläßlichsten unserer Genossen, die nicht einmal im Stande sind, den jährlichen Heinen Beitrag für die Agitation zu leisten. Sie sind oie besten Zionisten, weil bei chnen die alte Volkstradition noch unvergessen ist. weil sie ein starke» religiöse« Gefühl haben uno weil sie bittere Roth leiden. Schrecklich sind die Berichte aus vielen Gegenden. DaS Judentyum ist eine Massenherberge des Elends mit Filialen in der ganzen West Auch das soll man von dieser Tribüne hören, wie eS die traurige Wahrheit ist. Und diese Zustande schreien nach einer Abhilfe. Aus der tiefen Noth entstehen Krankheiten und sittliche Verwahrlosung, und die verdüsterten Gemüther werden ein Nährboden für alle äußersten Uinsturzgedanken. Da wollen wir bessernd eingreisen. In der gesunden Arbeit auf einer geliebten Erde, glauben wir, ist daS Ziel zu finden. Die Arbeit soll unserem Volke das morgige Brod verschaffen und auch die Ehre von morgen, die Freiheit von morgen. «Beifall). An die Gerechten aller Eoniefsionen und Nationen er geht unser Ruf um Beistand. Wir brauchen keine andere Hilfe von außen, alS eine moralische. Es gibt Juden genug. die innerlich mit unS eines Sinnes siud. Rur tragen manche ein Bedenken, da« zu zeigen, weil sie fürchten, man würde es ihnen übel auslegen. Wer un« nun die moralische Hilfe leisten will, weil er findet, daß wir etwas rechtschaffenes unternehmen, der möge in seinem Wirkungskreise verhüten, daß Mißverständnisse über unsere Bewegung entstehen, und daß man au« diesem Titel wieder falsche Beschuldigungen, wie schon so oft, gegen un« erhebe. Tieie heilsame Bewegung würde sonst eingeschüchrert werden uno kerielye vielleicht in« Stocken Weicher Gerechte will das? Hier ringt ein Volk um seine Existenz. Ehre und Freiheit. Es will aus einer Stickluft hinaus in den Sonnenschein Die jetzigen Zustände der Juden können nach drei Wegen führen. Ter eine wäte das dumpfe Ertragen von C chiinpf und Roth. Der andere die Auflehnung, die Feindschaft gegen eine stiefmütterliche Gesellschaft Unser Weg in der dritte: aufschivingen wollen wir un« zu einer höheren Stufe der Gesittung, Woblfahtt verbreiten, dem Verkehr der Völker ne«>e Straßen bauen und ,ür die soziale Gerechtigkeit einen Turchbruch suchen Und gleichwie unser lieber Dichter au« seinen Schmerzen Lieder schuf, so dereite-« wir aus unseren Leiden eineu Fortschritt der Menschheit, der wir dienen. Nach der Rede Dr. H e r z l' s brachte der Referent der Permanenz-Kommission des Kongresses, Herr?)ork- St einer die Namen der in die einzelnen Kommissionen zu wählenden Mitglieder in Vorschlag. Die definitive Konstituirung wurde auf die Nachmittagssitzung verschoben. Hierauf ertheilte der Vorsitzende Herrn Dr. Max N o r d a u da« Wort. Seine Rede lautet: Geehrte Versammlung! Die Vertreter des Volkes versammeln sich heute zum dritten Male im gastlichen Basel. Die Stimmung, in der wir uns begegnen, muß nun eine andere werden, wie unsere Aufgaben andere geworden sind. Bor zwei Jahren, auch noch im vergangenen Jahre, haben wir Hier etwas wie einen mafien Traum gelebt. UnS schien, wir seien Zeugen eines Wunder«, das sich um uns und an uns begebe. Wir zweifelten fast an seiner Wirklichkeit, die wir doch mit.allen Sinnen festhalten konnten. Uns war märchenhaft zu Muthe, wie Brüdern, die seit tausend Jahren im Grabe gelegen hätten und nun plötzlich

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