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Der Israelit · 1899-08-17 · Heft 65 (17.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 65 (17.8.1899)
Date
1899-08-17
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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1894 ist diese Tribüne ein kostbares Gut, dawir uns erworben haben. Hüten wir es wohl! Durch den Ernst und die Ruhe unserer Berathungen können wrr das Ansehen dieser Tribüne immer höher heben. Durch Unbesonnenheiten und Gezänke würden wir es rasch zerstören. Die Tribüne wird so hoch fein wie die Reden, die man auf ihr hält. Unseren Worten verleiht keine äußere Macht Nachdruck: wenn sie also irgend eine Bedeutung haben sollen, kann es nur von der Innern Macht der Ideen kommen und von der Reinheit der Gesinnungen, welche hier verkündet werden. Das muß sich jeder von uns beständig vor Augen halten, wenn er hier für das jüdische Volk und zum jüdischen Volke sprechen will. Auch ein anderes. Wir sind hier nicht, um uns mit den inneren Vorgängen der einzelnen Länder, deren Bürger wir sind, zu beschäftigen. Jeder solcher Versuch wäre ein schwerer Fehler und würde nur dazu dienen, falsche Vorstellungen von unserem Kongresse hervorzurrffen. Wir sind hier lediglich, um über die Lage unseres Volkes zu be'athen und eine ebenso gesetzliche wie menschenfreundliche Lösung j unter der Kontrolle der öffentlichen Meinung vorzubereiten. I Daß wir nichts anderes vorbaben. daS wurde durch oll unter bisherige- Thun und Loffen erhärtet So ziehen wi'' selbst unserem Wirken nnaiffechtbore Grenzen ° Wir wollen uns um das Wahl des jüdischen Volkes bemühen, (Bek'all )! Das ist unter Reckt. Es ist auck untere Vsiickt. (Beffoll ) Doß diete Art. allaemeinen Schwierigkeiten durch einen intei-nastanalen. freimi'itbtgen Erdankenonstautch der Betbelliaten bekzukommen. dem sittlichen Bewußtsein der jetzigen Kvktvrmenschbeit bereits entspricht. das konnte man wahrnehmen, als der Frieden-varfchlva S M de^ Koffers von Rußland die Welt erste,Ee. kSiürmffcher Beifall) Sie erinnern sich daß wir hier versammelt wnren. als dieser aroßaedackte Vorschlag bekannt wurde, und daß der Zionisten- Kongreß die erft« .Qorberf dürft mar. die ihrer Beaeisterun , Ausdruck geben konnte ist ein Jahr v-ristlchen Die Friedensidee hat ihren Weg in die Wirklichkeit hinaus de gönnen. und das tsi schon sthr viel auch wenn sie noch nickt am Ziel isi. Uns ober maa das Beispiel als eine Lehre der Geduld dienen. Wenn die Großen dieser Erde sich mit langsamen Fortschritten ihrer höchsten Ideen be ouüoen. wie zutrieden müffen wir arme Leute tein. wenn wir stststellen können, daß es doch ein wenig vorwärts gebt. kBeffall) Wir müßten untere Arbeit alto unverdrossen fortset'ku. auch wenn es in dem abaelaustnen Jahre keine äußerlich merkbaren Fortschritte gegeben Hätte Auch w»nn nickts vnraekvmmen wäre, was ein Erstorken unserer Bewegung, eine« Zutnochs ihres Ansehens und ihrer Mittel bedeutete, müßten wir unverdrossen tortarbeiten. (Beffoll.) Aber dieses Jabr ist kein schlechte^ kür unsere Bem-aung gewesen. Es war ein gutes Jabr. Wst baben einiges erreicht, mir sind um ein Stück weiter gekoittv'en- Ein bedeutendes Ereioniß. das von unteren Gegnern wie i gewöhnlich theils verschwiegen und iheils entstellt in die f^effevtlickkeit gebracht wurde, war der Emvtano der zionistischen dlbordnuna durch S. M den Deutschen Koffer in ^erutale^" tpr^ßer Jubel und langanbaltendes Händeklatschen). Sckon die Thatfacke allein daß der aeninle Kaffer seine Aufmerksamkeit unserem Vo*ksgedonken zugewendet b«t,! wäre gen 'gend. uns einige Znversichi zu geben. Gerjna-! fstgige Bewegungen werden g"s solcher Höbe nickt bemerkt, i Abe^ es ist mehr als eine bloße Kenntnißnabmc erfolgt. Es i wurde nickt irgend eine jüdische Deputation, es morden > nickt die Mitglieder irgend eines praktiscken KolanitattagS- I Vereins empfangen, sondern die Abordnung des zionistischen I Aktionskomitees. Die Gründe und Ziele unserer Bewegung I waren vorder genau bekannt, und S M der deutsche Kaffer j hat uns daraufhin an «ins« für das Gesammtjudenthum | denkwürdigen Tage fein wohlwollende» Interesse | zugesichert. Dafür sind ihm alle wahren Juden zur I Dankbarkeit verpttichtet. (Frenetischer Beifall. Die Dele- I girten erheben sich begeistert von ihren Plätzen.) I Geehrte Kongreßmitglieder! Sie werden verstehen, daß es ein Gebot der Schicklichkeit ist. die glückliche und bedeut some Tbatsachc des unter solchen Umständen erfolgten Jeru salemer Empfange-nicht agitatorisch auszunützen. Wir wollen uns daher enthalten, hier irgend eine DiSkuffion daran zu knüpfen. Eines müssen wir in unserer steudi en Dankbarkeit aber dennoch hervorheben: Die vollkommene Legalität und Lovalität unserer so hoch ge hrten Bewegung ist nach diesem Ereigniß wohl für immer außer Frage. (Beifall.) Natürlich legen wir das größte Gewicht darauf, diese Loyalität vor allem der türkischen Regierung gegenüber zu betonen und zu beweisen. Bon uns wird kein Schritt unternommen, der auch nur entfernt das gerechte Miß trauen des souveränen Besitzers von Palästina erwecken konnte Wir wollen und können dem osmanischen Reiche die größten Vortheile bringe», folglich können wir ganz offen auftreten. Wer sich irgendwo einschlercht. hat gewöhnlich nickt die Absicht etwas zu bringen. (Sehr richtig.) Dies war das Raisonnement, das wohlverständliche, welches zu den jetzt in Palästina bestehenden Einwanderungsschivierigkeiten führte. Wir haben sie nicht hervorgerufen; sie sind bekanntlich älteren Datums, als die hier vertretene Bewegung. Aber wenn man uns auch nicht beschuldigen darf, das Einwanderungsverbot verursacht zu haben, so wollen wir doch deutlich «mgeben, n ie wir uns dazu stellen. Wie? Man wollte eine Bevölkerung in einem Lande ansässig machen, ohne vorher den ganzen Plan offen er klärt zu haben V Kommt einer bei Nacht und Nebel heimlich heran, so darf er sich nicht wundern, wenn man ihm Halt! Wer da? entgeaenruft. Und um so schlimmer für ihn, wenn er darauf keine gute klare Antwort geben kann. UebrigenS ist das auch gar nicht die Situation, in der irgend eine Antwort unverdächtig klingt. Wir machen es! darum anders. Wir erklären unsere Absichten am hellen Tage, den wir Gott fei Dank nicht zu scheuen haben und wir wollen die Billigung erwirken, bevor wir etwas unter nehmen, was sonst das verantwortungsschwerste aller Experimente wäre. Denn es handelt sich nicht nur darum, die Leute binzukriegen, sondern sie auch dort zu behalten. > und zwar in guter Sicherheit. (Beifall.) Leider giebt es viele unserer Brüder, denen es nicht mehr schlechter aehen kann, und die darum alles acceptieren. Aber um den .Kranken nur von einer Seite auf die andere zu legen, brauchte nickt so viel Scharfsinn, Mühe und Geld anfgewendet zu werden. Versuchen wir lieber, ihn zu heilen. Das ist ein so großer Zweck, er ist so vesnirnftig und einleuchtend, daß niemand mehr nach geheimen Beweggründen forschen wird. Warum sollten wir das also nicht gerade beranssaaen? Es wird ja dadurch alles mit einem Schlage verständlich, was wir Vorhaben. Es gibt kein Mißtrauen mebr. Wir betreten den Boden der Verhandlungen, die früher oder später zu einem Ergebnisse führen werden, wenn wir nur einig Vorgehen und unsere Kräfte zusammen halten. (Beifall.) Darum baben wir Var allem den electrischen Strom unserer Einheit erzeugt und wollen ibn innuer noch ver stärken. Und es soll niemand einen Tbeil dieses Stromes abzweigen und ableiien. Es wäre ein Frevel an der GefammtHekt. A,s diesem Kongresse sind bekanntlich noch nicht alle Zionisten vertreten. Unsere Bewegung ist noch viel größer, als sie Hier in die Erscheinung tritt. Eine ansehnliche Gruppe hochverdienter Zionisten der älteren Richtung hängt nock an der vor uns befolgten Methode. Wir geben die Hoffnung nicht auf, sie brüderlich zu unseren Anschauungen

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