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Der Israelit · 1899-08-17 · Heft 65 (17.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 65 (17.8.1899)
Date
1899-08-17
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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3£1* Jahrgang. Dritte Beilage M M 65 des »Israelit". Leitende Artikel. Dritter Zionisten - (Longretz. (Stenogr. Original-Bericht für den „Israelit".) 1t. u. J. Basel, 14. August. Montag-Sitzung. Mehr als 250 Delegierte sind erschienen, auch viele Zuschauer, darunter eine Anzahl von Damen aus allen Theilen der Erde. Vom Eongrcßhaus, das wegen seiner wunderschönen, luftigen Räume allgemein imponirt, flattern die hier bereits bekannten blau-weißen Fahnen mit dem Mögen David herab. Im Eorridor und in den Wandelballen des Casinos, in dem der Congreß stattfindet, kann inan alle Sprachen Europas vernehmen und alle Typen der Iudenheit erkennen. Außerhalb dieser Räume ist aber wenig von der Aufregung zn merken, die in früheren Jahren auch die Basler Bevölkerung ergriffen haben soll. Die „Basler Nachrichten" und die „National-Zeitung" widmen dem Eongreffe warme Worte. Während des heutigen TageS fanden bereitviele Vorkonferenzen und Besprechungen der Landsmannschaften statt, die wenig Interessantes boten. Einige Erregung verursachte dagegen der Bortrag des New - Yorker Zionisten Trietsch. der einen Plan für die Eolonisation von Ehpern durch Juden auScinanderfetste. Er fand bei den russischen Delegirten einen energischen Widerspruch, während die deutschen Zionisten seiner Bestrebung sympathisch sind. In einer persönlichen Besprechung, die ich mit Herrn Trietsch hatte, schien mir der Autor des EypernplaneS recht triftige (Gründe für seine Forderung zu besitzen. Es verlautet, daß sich der Congreß mit dieser Frage befassen wird, und dann lvird man wohl die Angelegenheit genauer kennen lernen, ivenn man das Für und Wider verglicht. Interessant war auch die Versammlung der zionistischen Irauen, wo Frau Prof. Gottheil kNew-Pork) über ihre eig ne Thäligkeit in den Vereinigten Staaten in französischer Sprache reserirte. Unter den 130 zionistischen Ortsgruppen Amerika-, so führte die Dame aus, befänden sich mindestens 00, die sich ans Mitgliedern des weiblichen Geschlechts rekrutirten. Sie habe ihren Erfolg hauptsächlich der Jugend zu verdanken, die für die zionistische Sache begeistert sei. Die anwesenden Basler Damen, die sich für die Angelegenheit lebhaft interessirten, erklärten sich durch Unterschrift zur Gründung eines Basler zionistischen Frauen-Vereins bereit. Zu diesem Zwecke wurde für Donnerstag, Nach mittags 3 Uhr, eine Versammlung anberanmt. Abends waren Delegierte, Journalisten und Gäste im Sommereasino versammelt, wo de»' Basler Verein „Jung- Zion" ein Gartenfest veranstaltete, das recht schön verlief. Herr sind. Mezger begrüßte die Anwesenden mit warm empfundenen Worten und thcilte später mit, daß auf Wunsch „hervorragender" Festcheiltt'hmer fernerhin nicht covam jmblico geredet werden möge. Ein nachahmenswerthes Beispiel. Als Herr Dr. Herzl, der sehr spät erschien, den Garten betrat, begrüßte ihn ein enthusiastischer Jubel unter den Klängen der Gartenmusik. Ursprünglich war die allgenreine Kongreßftimmung nicht gerade anregend, da viele Persönlichkeiten fehlen, die die Aufmerksamkeit auf sich lenkten. Dagegen wurde man recht guten Muthes, als sich die Kunde verbreitete, der Zionismus werde in der kürzesten Zeit einen unerwarteten Erfolg zu verzeichnen haben. Ich interviewte ein Mitglied des Actionscomitee's, das mir betheuerte, es würden sich in kurzem Dinge abspielen, die uns in Erstaunen setzen werden, Näheres dürfe er darüber nicht mittheilen. Solange diese Dinge noch Geheimnisse sind, werden wir natürlich skeptisch sein und abwarten. Dienstag-Sitzung. Morgens um 10 Uhr jand die feierliche Eröffnung des Kongresses statt. Die Delegierten sind im Festkleide erschienen und trugen an der linken Seite ihres Rockkragens eine weißblaue Schleife mit einem goldfarbigen Stern. Die Gallerien waren bis auf den letzten Platz besetzt, überall sah man den Gesichtern eine große Spannung an. Als Dr. Herzl erschien, entlud sich ein begeisternder Applaus, der alles mit fortrtß. der Beifall wiederholte sich, als Dr. W o r b a u, Dr. Gaffer eintraten und einige russische Rabbiner in ihrer charakteristischen Tracht. Herzl's Rede, die wir im Wortlaut folgen lassen, hinterlicß einen tiefen Eindruck, sie war warm vorgetragen und fesselte besonders durch einige neue Momente, die er hinsichtlich des Fortschritts der Bewegung anfuhrte. Als der Redner ausführte» in wie huldvoller Weise sich S. M. der deutsche Kaiser für die zionistische Sache interessiere, ent fesselte er einen Iubelsturm, wie man ihn wohl sticht oft vernehmen wird. Man erhob sich von den Plätzen und brachte Hochrufe aus, ein allgemeines Beifallklatschen, bas von den Delegierten und den Gallerien auSging, durchtobte den Saal. Nordau's Rede, die stellenweise aggressiv wurde, >var im Anfang trocken und begeisterte die Zuhörer nicht besonders. Aber in der Mitte seines Vortrags wirkten seine Worte wegen ihres sprühenden Geiste« wie ein zündender Funke. Er hatte bald alle Hörer bezaubert, und waro für seine Ausführung durch einen schier endlosen Bei,all belotznt. Herr Herzl sagte Folgendes: Geehrte Congretzmitglieder! In der feierlichen Stunde, da sich die Abgeordneten des jüdischen Volkes, aus weitesten Fernen kommend, hier vereinigen, sei unser erstes Wort ein Dank an die schöne, freie Stadt, die uns wieder gastlich aufnimmt. Diese Dankbarkeit wird nicht nur von den hier Versammelten empfunden, sondern auch von ihren Auftraggebern in sehr entlegenen Theilen der Welt. Basel, der Basler Congreß, das Basler Programin, diese Worte klingen unserm Volke heute schon vertraut und beoeuten ihm einen Trost, eine Hoffnung. Zum dritten Male sind wir hier, um die Beschwerden und Wünsche einer Nation zu erörtern, die wieder zum Leben erwachen will. Es mochte anfangs scheinen — vielleicht scheint es manchem auch jetzt noch so als ob nicht viel damit gethan wäre, daß wir hierherkommen und Reden halten, Reden voll von Seufzern. Aber diese Zweifler übersehen, daß auch in anderen Nertretungskörpern nur geredet wird. Und wer wird leugnen, daß Reden von solcher Stelle den stärksten Einffuß auf Gegenwart und Zukunft des Vol kes ausüben ' AnS dieser Erkenntmß haben wir unS be müht, uns eine Stelle zu schaffen, von der unsere Worte gehört werden: Diese jüdische Tribüne! (Beifall-. Da unser Volk nicht in das Leben der Vorzeit zurück kehren, sondern zum Leben der Eegenwart erwachen soll, mußte es vor Allem solch ein modernes Organ erhalten, um de« Willen zum Dasein äußern zu können. Darum

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