Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1899)
- Date
- 1899-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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1886 fte sich nicht nach innen als Vertreter der Juden fühlen, sollen sie auch darauf verzichten, nach außen al« solche zu gelten, damit nicht das jüdische Volk für ihre Handlungen zur Rechenschaft gezogen werde. Wenn sie im ReichSrathe, Landtage, Gemeinderathe, Handelskammer und in den anderen Körperschaften — wo für ihre Glaubensgenossen etwas zu thun wäre — nicht als „jüdische Vertretergelten wollen, dann dürfen sie auch nicht bei Wahlen um jüdische Stimmen buhlen, dann dürfen sie auch nicht den Anspruch erheben, in den CultuSrath gewählt zu werden. Der Mund, der sich nie aufthut, um für feine Brüoer einzutreten, hat kein Recht die Worte .bsw »» w (unsere jüdischen Brüder!) auszusprechen, selbst wenn Wahlen bevorstehen. Ihre Politik ist nichts weniger als jüdisch, mögen sie auch die Befriedigung ihres Ehrgeizes nicht bei den Juden suchen. Mit der falschen Politik der jüdischen „Politiker" müßte gebrochen werden, aber auch die jüdischen Volksmassen müßten nun ihre schlechte Politik ausgeben. Auch da spielt sich jeder gerne auf den Politiker heraus, so daß der unbetheiligte Zuschauer glauben möchte, die Juden sind das politisch reisste Volk. Diese Anschauung wird jedoch Lügen gestraft, kaum handelt eS darum, sich thalsächlich politisch zu bethätigen. Man sehe sich nur unsere Vertreter an, die eher alles andere sind, als das, was sie sein sollten, und man wird sich leicht von der politischen Reife der jüdischen Volksmassen einen Begriff machen können. Trotz aller traurigen Erfahrungen wollen sie nicht klüger werden, sie lassen sich von Jedem ins Schlepptau nehmen, der sich ihnen als Führer anbietet, sie fragen nie „was" jemand sagtsondern „wer" es sagt. Und diese Volktzmaffen haben eben solche „Vertreter", wie sie es verdienen. Ihre Vertreter in den gesetzgebenden Körperschaften schweigen, wenn ihre Mandanten und sie selbst in der unfläthigsten Weise beschimpft werden, ihre communellen Vertreter sind nicht viel beffer — ja sogar ihre Cultusrepräsentanten begnügen sich größtentheils mit diesem Titel und repräsentiren die Gemeinden weder nach innen noch nach außen. Deßhalb geht eS mit den Juden in politischer Beziehung immer abwärts, ohne daß eine günstigere Gestaltung der Dinge vorauszusehen ist. Wollen wir diesem Uebel abhelfen, dann müßte vor Allem mit der bisherigen Schablone gebrochen werden: wir Juden müssen uns organisiren und unsere Interessen in gewünschtem Maße vertreten. Unbeschadet unserer staatsbürgerlichen Pflichten müßte unsere Politik — wenn wenn wir schon am politischen Leben theilnehmen — eine jüdische, d. h. dm Bedürfnissen und Interessen des jüdischen Volkes entsprechend sein. Berlin, 10. Aug. Eine wohlverdiente Auszeichnung ist dem bekanntm Kliniker Geheimen Medizinalrath Professor Dr. Hermann Senator durch feine Ernennung zum ordentlichen Honorarprofessor in der medizinischen Fakultät der Berliner Universität zu Theil geworden. Senator gehört der Fakultät seit 1868 an, in welchem Jahre er hier als Privatdvzent für innere Medizin zugelassen wuroe. 18 /r> wurde er außerordentlicher Professor, und 1888 erhielt er den Geheimrathstitel. Früher Chefarzt der inneren Abtheilung des Augusta-Hospitals, ist er seit 1881 oirigirender Arzt der dritten medizinischen Klinik der Charitü und gleichzeitig der medizinischen UniversitätSpoliklinik. Die Zahl der Honorarprofessoren, früher sehr gering, ist in den letzten Jahren gewachsen, sie betrug bisher sechs. Senator ist 1884 in Gnesen geboren und hat, wie keine akademische Laufbahn, auch seine Studien ausschließlich in Berlin gemacht. Er war von Hause aus gänzlich unbemittelt und wirkte als bescheidener praktischer Arzt in Berlin im Rosenlhaler Viertel, ehe er aus Grund seiner in der Mußezeit, die ihm die ärztliche Praxis ließ, ausgesührten wissenschaftlichen Arbeiten die Berechtigung der venia legendi der medizinischen Fakultät erhielt. Seit langen Jahren gehört er schon zu den gesuchtesten und beliebtesten Lehrern für die Jünger des Aesculop in Berlin. Unter seinen Fachgenoffen ist er als einer der führenden Kliniker Deutschlands anerkannt. Auch sein Ruf als konsultirender Arzt geht weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus. Senator ist glaubenstreuer Jude, und als Repräsentant der Jüdischen Gemeinde in Berlin nimmt er seit vielen Jahren stets den lebhaftesten aktiven Antheil an der Regelung ihrer mannigfachen Interessen. Fürth, 10. Juli. In der dichtgedrängten Synagoge des israelitischen Waisenhauses hielt der Direktor desselben, Herr Dr. Deutsch, am vergangenen Sonntag zum Gedächtnisse des Heimgegangenen Rabbiners, Dr. Israel Hildesheimers, eine des großen Tobten würdige, durch Inhalt unv Form gleich treffliche Gedächtnißrede. Anknüpfend an die Klageworte Jeremia's: imnn jwaar *n io« re ",21 nuaipa^ i*opi hob der Redner die Pflicht hervor, sich den Tod hervorragender Männer zu Herzen zu nehmen und Gedenk-Feierlichkeiten zu veranstalten. Wenn dadurch auch nur das Bewußtsein des schweren Verlustes, den wir durch den Tod bedeutender Männer erleiden, zu Tage trete, so sei dies schon ein ein großer moralischer Erfolg. In eineinhalbstündiger Rede schilderte Herr Dr. Deutsch sodann das Leben des Verstorbenen der gleich dem Priester drei Stufen emporgestiegen fei, die der jüdischen, die der allgemeinen Gelehrsamkeit und die der mit seltener Herzensgüte gepaarten Frömmigkeit. Wie bei der Bestattung des Königs HiSkia, so sei auch der Bahre Israel Hildesheimers *>■» eine stattliche Anzahl von