Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 65 (17.8.1899)
- Date
- 1899-08-17
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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1973 theuere und unvergeßliche Angehörigen den Schlaf der Gerechtigkeit schlummern. Es ist eine alte Tradition aus den Zeiten der Erzväter her, die uns lehrt, daß uns die Begräbnißstätten unserer Vorfahren heilig und ehrfurchterweckend seien und nirgends sind wir im Geiste den ne» '221122 rn&npn map nähergerückt, als wenn wir an den Lagerstätten 'der Verewigten stehen und unsere Gebete um ihretwillen zu dem himmlischen Thron emporsenden. Manchem ist es um ein Theil leichter, wenn er wieder einmal aus der Ferne kommend, daselbst geweilt und Thränen sein gepreßtes Herz erleichtert haben. In neuerer Zeit drohen aber mitunter den alten jüdischen Friedhöfen in manchen Städten eine gewisse Gefahr, soweit diese durch neue Bau- und Erweiterungspläne des einen oder andern Stadtviertels betroffen werden. Wir' sind es unfern Vorfahren schuldig, keine Mitttel und Wege unversucht zu kaffen, daß die schon durch ihr Alter allein geheiligten Beerdigungsplätze erhalten bleiben und wenn die Lage eines solchen nicht geradezu eine ganz ungünstige ist, wie dies der Fall war bei dem alten jüd. Friedhof in Karlsruhe, so wird wohl die Erhaltung eines solchen bei der Verwaltungsbehörde — energisches Wollen und Handeln vorausgesetzt — zu erreichen sein und möge das der isy »331» in solchen Fällen helfend wirken und beistehen. So ist beispielsweise das alte, ansehnliche p.n'2 der Stadt Fulda, worauf rmmpn jiipeo DH’wn opns begraben liegen, jetzt vollständig von verkehrsreichen Straßen mit stattlichen Wohnhäusern umzogen und fast mitten in die Stadt zu liegen gekommen, während dasselbe noch vor 20 Jahren neben fruchtreichen und blühenden Fluren lag. In Anbetracht der Gefahren und Angriffe auf dasselbe hat man damals schon eine hohe Mauer ziehen laffen, wodurch gleichzeitig daffelbe vor muthwilligen Beschädigungen, profanen Zwecken und sonstigen Entwürdigungen geschützt wurde. Unter dem jetzigen "pm in Fulda liegt das vorherig bestandene, dies wurde ursprünglich unter Fürstabt Balth. v. Dernbach (1570—1606) im äußersten Stadtgraben angelegt und lag viel tiefer als die übrige Erdoberfläche. Als dies prra mit Grabstätten belegt war, wurde es mit dem Bauschutt von der dortigen Domkirche, welche 1700—1714 erweitert und ausgebaut wurde, überworfen und aufgefüllt und somit unter Erweiterung und Vergrößerung auf dem Nahinen des alten p'n"2 ein neues errichtet. Viele werden sich noch erinnern, daß der alte r“v dieser p'p öfters bei Erstellung eines Grabes daffelbe wieder zuwerfen ließ, weil die Arbeiter auf Gebeine stießen und bei solchen Vorkommniffen konnte man von ihm öfters historische Bemerkungen über diesen geweihten Ort hören. Neuerdings ist die Errichtung einer neuen Verkehrsstraße entlang der nördlichen Seite dieses Gottesackers von der Stadtbehörde beschlossen worden, man hat den Platz, worauf die nördlich gelegene Mauer steht, als Eigenthum der Stadt erkannt und wird dieselbe nun niedergelegt. Diese nun offene Seite alsbald wieder zu verschließen, hat sich ein Komitee wackerer Männer aus der Gemeinde gebildet, welches für die sofortige Errichtung einer neuen Mauerseite auf dem Gebiete des Friedhofs und für die nicht unerheblichen Kosten sorgt. Alle auswärts wohnenden Söhne und Töchter der Fuldaer Gemeinde werden dem erwähnten Komittee und alle die sich um diese Angelegenheit verdient machen, dankbar sein. maiy anpir anrcc otok tot. E. S. Frankreich.? Paris Abermals haben die Zeitungen von einem Exzeß zu berichten, den antisemitisches Gesindel begangen hat. In der Rue Domat haben in der Nacht vor Kurzem ein Dutzend Studenden den Versuch gemacht, den Laden eines Trödlers Namens Gadbois zu stürmen. Das Geräusch der Steinwürfe und Schläge gegen die Thür des Ladens zog schließlich den Trödler herbei, der die Thür öffnete, aber im selben Augenblick von den Krakelern angefallen und durch Stockschläge erheblich am Kopf verwundet wurde. Mit dem Feldgeschrei.- „Nieder mit dem schmutzigen Juden", stürmten die Studenten den Laden und zertrümmerten den Inhalt desselben. Der Trödler rief die Polizei zu Hilfe, die einige der Attentäter verhaftete. Der Humor an der Geschichte ist aber, daß der Trödler Gadbois kein Jude ist, sondern selbst ein guter Antisemit und eifriger Leser der antisemitischen Organe Libre Parole und l'Jntransigeant. « England.? London. Das Komitee des Moses Monte siore Testomonial Fund hielt am Montag, 31. Juli 1 eine Versammlung ab, in der Bericht erstattet wurde über die Thätigkeit dieses Fond seit dem Jahre 1682. Damals besaß der Fond im Ganzen ca. 177 oon Mark, seitdem kamen an Zinsen und Rückzahlungen hinzu ea. 152 000 Mark, während au Ausgaben abgingen ca. 275 000, so daß zur Zeit! noch in der Kasse 55 000 Mark verbleiben. In der! Berichtsperiode sind die Hauptleistungen des Fond i die Vorschüsse an die Baugesellschasten in Jerusalem, j 1882 erhielten die beiden Bauvereine Mischkenoth! Jsroel und Obel Mosche je 52 >><>«> Mark, von denen! die ersterc ea. 45 0O0 Mk., die zweite ca. 42 000; Mk. bisher zurückgezahlt hat. 1892 erhielten die j beiden Abtheilungen Beth Nathan und Beth Jehudtth ' der Ballgesellschaft Pemill Mosche ferner Darlehen in der Höhe von je 62 000 Mk., deren Rückzahlung