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Der Israelit · 1899-08-17 · Heft 65 (17.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 65 (17.8.1899)
Date
1899-08-17
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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1870 wie viele Deutungen finden sich darin über die vier Arten de- Lulab! Ja, blicke man in den dritten Theil des Moreh Nebuchim hinein — MaimomdeS bringt Ursachen für alle Arten der Mizwoth. Selbst Jehuda Halevi imKusari hält sich nicht davon zurück. Und in den späteren Zeitaltern — was haben der n'bs» und der nncx mbbiv nicht für die Ausbildung dieser Seite der Gesetzesdeutung gethan! Um in die neueste Zeit zu greifen — wäre ein Samson Raphael Hirsch ohne seine geschloffene Art, die Gründe jeder Mizwah zu erforschen, in seinen tiefgehenden Einwirkungen auf das gesetzestreue Judentum denkbar? Im Rambam zu xxn ’2 wird bei fpn mte den auch der More Nebuchim angeführt, der die Worte des palästinensischen Amoräers nur als eine Ansicht erklärt, der die a n d e r e gegenüberstünde ’jbö 'ms 'wwo nxjp, derjenige der also betet, trägt den den Neid in die Schöpfung hinein", als ob Gott das Vogelnest bevorzuge. Die Toffafisten, deren Meinung uns maßgebend ist, scheinen jedoch die Ansicht, daß man die Mizwoth nicht einseitig als Bekundungen göttlicher Barmherzigkeit deuten soll, als die entscheidende anzufehen. Wie ist also der Gegensatz zwischen denen, die nach der Mischna die Deutungen als verhängnißvoll anfehen, und denen, welche, wie unser Midrasch, sie geradezu zur Geltung bringen, auszugleichen? II. v"n ’pb nrn Hm Hx. Beides sind Worte des lebendigen Gottes, der das Leben der Thora will, nicht eine leblose Wirkungslosigkeit des Gesetzes. Der Talmud zeigt uns am Schluffe von phn einen Mann, der sich auf seine Deutekrast viel zu Gute that, den Acher. Er wird gemäß seiner ganzen Geistesrichtung sich bemüht haben, alle Satzungen zu deuten. Es wird ihm auch nicht entgangen sein, daß spn rrbyt, durch welches Gebot der Muttervogel geschützt wird, die gesammte Art vor Vernichtung bewahrt werden soll. Und doch — brachte ihn das zu einer vergeistigenden und zugleich die Satzung befestigenden Anschauung des ganzen Gottesgesetzes? War er im Stande, einen Märtyrer zu begreifen und sich gleich ihm für den Glauben zu opfern? Als er sah, wie die Zunge des Rabbi Chuzpith herausgeriffen unter der Römerhand im Staube lag, da konnte er nicht begreifen, daß dies die Thora sei oder dies ihr Lohn. Er konnte dem großen Lehrer nicht nachfühlen, daß es galt, sich selbst vergessen, wenn man für die Erhaltung der Lehre und ihrer Betätigung Opfer bringen will. Er sah wohl auch nach einer anderen Deutung Jemanden nach Weisung seiner Eltern die Leiter besteigen, dabei pn rvbv ausführen — und der gehorsame Sohn stürzte von der Leiter und war todt. Er verlangte nach sofortiger irdischer Belohnung und begriff nicht das Wort aw wwm, daß es uns nicht auf ein langes diesseitiges Leben, sondern auf das Jenseits hinweist. Das, was Andere zu begeisterungsvoller Nachahmung zum mindesten zum ernsten Nachdenken und zur Selbsterkenntniß gebracht hätte — für Elischa ben Abuja war es nur die Veranlaffung zum Abfalle. Und man hätte ihm die herrlichsten Deutungen anführen mögen — sein Herz wäre kalt geblieben, sobald sein eigenes Ich dabei in Frage gekommen wäre. Predigt dem, der auf solchem Wege sich befindet, noch so viel vom Sinne und den Ursachen des Gesetzes — er wird nur fragen: Wozu mir das? was nützt es mir? Er wird Denjenigen, der sein Leben für den Glauben hingibt, den die größten Schwierigkeiten nicht von der Befolgung der kleinsten Mizwa abhalten, für einen Thoren erklären, der sein eigenes Glück verkennt, und wird sich wer weiß wie sehr erhaben über ihn fühlen, wenn er durch Treubruch am Heiligsten im Leben höhere irdische Stufen erreicht. Rabbi Chuzpith dachte bei seinem Märtyrertode nur an seine Pflicht, nicht einmal der jenseitige Lohn hat ihn dazu bewogen. Wie hoch im Judenthum der Antheil am zukünftigen Leben auch steht — er soll nicht als Hoffnung und Aussicht unsere Thaten bestimmen, sondern diese sollen aus wahrer, uneigennütziger Gottesfurcht geübt wurden. Dem Elischa ben Abuja genügt dagegen das v'v' nmxm nicht, er dachte, wie der Selbstsüchtige überhaupt, an die die sse iLigen Freuden, denen wollte er nachjagen, und verständnißlos schaut er auf die Todesqualen des Märtyrers, die jeden Frommen zu sietem Festhallen an Thora und Mizwa begeistert hätten. Was denken sich solche Leugner? Welt und Thora seien Veranstaltungen, um das zu begründen, was sie ihr Glück, den Ausfluß göttlicher Allgüte nennen. Dazu gehört die Fernhaltung alles dessen, was man Opfer nennt, was dem Menschen schwer und unangenehm sein könnte; man faßt die Allgüte so, daß der Allerhalter doch sein edelstes Geschöpf, den Menschen, nicht vom Morgen bis zum Abend mit lauter Mizwoth belästigen wird. Diese Art von Deutungen war es, welche die Weisen in der Mischna aus dem Gebete, nie aus dem Leben verbannen wollten, E'on rrnpn bv vnno Gottes Middoth, hier im Sinne von Lehren, wie ctm: *nnw nrns), seine Satzungen seine Allbarmherzigkeit, Milde, mit denen könnte man im Nothfalle schon fertig werden, ohne Gott zu beleidigen. Dann beruft man sich auf die Gesetze der allgemeinen Menschenliebe, die man fest bewahrt — d. h. bis zu dem Augenblicke, wo sie ausgeführt werden

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