Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 64 (14.8.1899)
- Date
- 1899-08-14
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449013--48849-2499260- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1847 sehr geistvolle Arbeiten, z. B. von Ackermann „das hermaneutische Element der biblischen Accentuation", sowie von demselben Verfasser: „Der synagogale Gesang." Fest steht, daß die meisten jüoischen Schriftsteller einen vortalmudischen Ursprung der Accente annehmen. Neber deren Bedeutung sagt Japhet in seinem Werke rmo, „daß dieses tunflvotie System nur das Werk einer vierjährigen, mit unbeschreiblichem Fleiße ausgeführten Thätigkeit gelehrter Männer sein könne, welche, ihrer hohen Ausgabe voll bewußt, deren Lösung mit ebenso großem Scharfsinn als mit der ernstesten Hingebung und Gewistenhaftigkeit ausführten." Die das jüdische Accentuationssystem, haben mehrfache Zwecke. Zuerst einen grammatischen und syntaktischen, somit also die Tonstärken der Silben, aber auch die Tonstärken der Worte, ganzer Sätze oder Satztheile zu einander anzugeben, dann einen exegetischen und endlich den, eine angemessene Abwechslung in den Melodien zu ermöglichen. Es ist ein wahrer Schatz in diesem nwu enthalten, und die beiden epochemachenden Werke von Japhet npnmw, sowie von Dr. Nathan—Hamburg, letzteres in diesen Blättern vor einigen Jahren veröffentlicht, welche diesen Gegenstand in lehrreicher, wissenschaftlicher Weise behandeln, können jedem Kollegen zum eingehenden Studium warm empfohlen werden.*) Selbstverständlich hat schon im Seminar eine Belehrung der Zöglinge über dieses Gebiet und zwar in erwähnter dreifacher Hinsicht ftattzufinden. Zuerst im Grammatikunterrichte. Hier muß ein geschichtlicher Ueberblick über Entstehung der nrn: gegeben werden, dann eine Darstellung des Wesens und der Eintheilung derselben, über ihre Bedeutung im Texte der heiligen Schrift, sowie über Ausnahmen im System, über verschiedene Abweichungen und die gebräuchlichen drei Modulationssyfteme, besonders aber über die Leselehre. Dies kann an der Hand der erwähnten zwei Werke geschehen, wobei nur zu bedauern ist, daß dem Japhetschen Werke die Leselehre nicht mehr beigegeben werden konnte. Desgleichen ist beim i ^-Unterrichte auf die richtige Betonung zu achten. Ferner wurde der exegetische Charakter der wmj bei Erklärung von yx\ oft verwertet. Wie häufig liefert die ru’jj den Schlüssel zur Erläuterung Raschis auf eine dunkle Stelle im Texte und wer denkt hierbei nicht an manche scharfsinnige Bemerkung des Massoreten Heidenheim! Diese beiden Zwecke treten nun in den Dienst der Hauptbedeutung der jwm in synagogaler Be¬ *) Tie Werke früherer bedeutender Autoren wie Luzzato, Heivenhßim, Baer rc. eignen.sich ebenfalls zu diesbezüglichem Studium. Red. d.pJSr.., ziehung, nämlich beim Borlesen der Thora. Selbst» redend muß dieser Zusammenhang schon bei den Uebungen, welche die Seminaristen allwöchentlich abwechselnd im Thoravorlesen pflegen, berücksichtigt werden. Und es ist Sache des überwachenden Lehrers auf diesem Gebiete, jedesmal bei versammelter Klaffe in besonderer Stunde die vorbereiteten nw» zu prüfen und überall erklärend, anleitend und mustergebend die genaue Beachtung aller dieser Forderungen anzustreben, und einen mustergiltigen Vortrag zu vermitteln. So wird das „Lajenen" erlernt als das, was es wirklich ist, als wahre Kunst. Dann wird nicht mehr „geleiert" anstatt „gelajent", dann ist das Lajenen kein bloßer Singsang, als welcher dasselbe oft aufgefaßt wird, und worin die Dilettanten manchmal die Berufsvorbeter übertreffen, sondern es werden die Pausen wohlbeachtet, der Unterschied zwischen »nron» und pioo *po wohl betont, Wo und jnSo sind deutlich erkennbar, das nnvv wird seiner hohen Bedeutung für Sinn und Inhalt entsprechend accentuirt, die gesetzlichen Vorschriften über Zusammenlesen und Trennen der Worte kundig berücksichtigt, kurz aus dem Vortrag spricht ein derart klares Verständniß des Textes, eine hohe Begeisterung für das göttliche Wort, ein grammatisch und syntaktisch genaues Eintheilen und Absetzen im Zusammenhang, daß der Inhalt gleichfalls belebt wird, daß das verkündete Wort hinemdringt in die Herzen der Hörer, sie mit Andacht erfüllt, in ihnen wieder das Berständniß des Thorawortes weckt, sie selbst zu sinn- und lautgemäßer Wiedergabe der Thora erzieht und das „Lajenen" zu einer Zeit des Genusses für die Gemeinde und den bvz gestalte. Kommt dazu noch die gewissenhafte wöchentliche Vorbereitung auf die rrno und zwar in laut- und sprachrichtigem Lesen und Berücksichtigung aller was bes. am Anfang nicht peinlich und fleißig genug betrieben werden kann, konzenrriert der Vorbeter sein Denken und Fühlen beim Vortrag auf die Sache selbst, geht er also im Vortrag des Gotteswortes völlig auf und versenkt sich der Vorbeter immer tiefer in das Studium der einschlägigen Werke, dann werden ihm jene peinlichen Korrekturen, welche oft zu unliebsamen Konsequenzen führen, selten Vorkommen, seine gewissenhafte Vorbereitung wird im Gegentheil für die Zukunft treffliche Früchte zeitigen und der strebsame Vorbeter wird mit Recht den Ausspruch unserer Weisen im Traktat nbvrr anerkennen. -iöik mron rbv rm xbz n»; ncy: tnprr bi .cria »b cp \-iru ’jx de Wer die Thora liest ohne Melodie und wer „lernt" ohne Gesang, auf den ist der Schriftvers anwendbar: Ich gab ihnen Gesetze, die nicht gut waren. Sein Vorlesen wird jedoch dem schönen