Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-08-14 · Heft 64 (14.8.1899) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 64 (14.8.1899)
Date
1899-08-14
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449013--48848-2499259
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1346 Chors zu geben, welche jeder Lehrer auch in der kleinsten Gemeinde anstreben sollte. Wir wollen nicht von der Ordnung, von Hebung der Andacht und der Ruhe sprechen, welche eine solche Einrichtung im Gefolge hat, sondern vor allem darauf Hinweisen, daß ein Chor die Gemeinde auch zur Mitwirkung im Gottesdienste gewöhnt, Gemeinde und Vorbeter einander gleichsam näher bringt und durch gemeinsamen Gesang eine schöne Wechselwirkung erzeugt, während vorher der Vorbeter oft bei seinem ununterbrochenen Vortrag über das Verhalten der Gemeinde infolge überlauten Betens oder zu zahlreicher Betheiligung am min (vom Platze eines jeden Mitgliedes aus) oder noch über weit unschönere Dinge zu klagen hatte. Andererseits gewährt die Einrichtung dem Vorbeter aber auch eine gewisse Erleichterung, indem er nicht mehr allein der Träger des Gottesdienstes ist. Handelt eS sich hier also um die Schaffung eines belebenden Elements im Gottesdienst, so steht andererseits die Einrichtung selbst, sobald dieselbe keine unzulässige Ausdehnung in der Wahl der Gesangsstücke erreicht, mit den Gesetzesvorschristen nicht im mindesten Widerspruch. Und in der That haben die Großgemeinden der gesetzestreuen Richtung zur Verschönerung des Gottesdienstes ganz ausgezeichnete Chöre aufzuweisen. Sagt ja der verstorbene verdienstvolle Meister Japhet so treffend von der Bedeutung des Chors: „Gemeinsamer Gesang und eine gehobene Stimmung erzeugen sich unwillkürlich in Wechselwirkung, und es ist ist nicht zu verwundern, daß gerade die jüd. Nation eine thatsächliche Empfänglichkeit für den ersteren besitzt. In Moschehs und Mirjams Lobgesang am Meere stimmte begeistert das ganze Volk mit ein, zur Zeit des Tempels bildeten die Leviten- Chöre, welche die Psalmen Davids und andere heilige Sänge vortrugen, einen wesentlichen Bestandtheil des Gottesdienstes (I. B. Chr. 25) und wenn auch an den Strömen Babylons die Thräne des Schmerzes einst die Zionsharfe an die Weidenbäume gehängt hatte, die Hoffnung auf eine schöne Zukunft hat dieselbe schon längst wieder herabgenommen und ihr in den Synagogen eine bleibende Stätte hergerichtet, wie auch die Weisen des Talmud dem Gemeindegesang im Gotteshause Lob und Anerkennung spendeten." (Ber. 6a, Schire Jeschurun.) Auch mit der Geschichte des Ritus mache sich der Vorbeter vertraut. Bei dem Wesen des Chasanu«, welcher sich zum größten Theil aus die richtige Behandlung des Rezitativs erstreckt, ist die« von großer Wichtigkeit. Und mit Recht sagt der Altmeister Lewandowski: „Um Rezitative für unser Gebet zu erfinden und vorzutragen, muß man ein tüchtiger Musiker, ein guter Hebräer, begeisterter Jude sein und genaue, womög ich historische Kenntnisse des Ritus sich in reichem Ma re erworben haben." — Um sich endlich seinen Fond von überlieferten Melodien und im rmm zu mehren, bediene sich der Kantor des Studiums bekannter guter Gesangswerke auf diesem Gebiete. Allseitig erfolgreicher wird sich jedoch der Unterricht bei tüchtigen Kollegen in den Nächstliegenden Großgemeinden erweisen. Hier handelt es sich dann nicht nur um Gewinnung und Mehrung von Kenntnissen im riwn, was durch Privatstudium geschehen kann, sondern um den Erwerb einer Schule in wnn. Deßhalb benütze der sich fortbildende Kantor eifrig und häufig jede Gelegenheit zum Besuche, zum Hören und Erfassen seines Meisters in Ausübung seiner Funktion selbst und lasse sich zu diesm Zwecke Zwecke an geeigneten Tagen mehrfach Urlaub gewähren. Die erstaunliche Macht des lebendigen Beispiels haben wir schon früher betont uud wirklich wird das Vorbild drs am nvw befindlichen tüchtigen Kantors mehr und vielseitiger wirken und belehren, als 100 Privatstunden mit der trockenen lobten Vermittlung der Melodien es vermögen. Stehen dem Lehrer seitens seiner Gemeinde oder des Gemeindebundes die Mittel nicht zu Gebote, so opfere er selbst dafür sein Möglichstes, denn diese Ausgabe repräsentirt ein hohes Kapital, dessen reichliche Zinsen seine Carriere begünstigen und seine Berufsfreude erheben. Andererseits werden einsichtsvolle Vorstände dem Lehrer solche Gelegenheiten zum Urlaub und zur Fortbildung, welche in hervorragender Weise doch der Gemeinde zu gute kommen, sicherlich nicht verweigern. Es find mehrfach die Jahreskonferenzen der Lehrervereine als Gelegenheit zur Uebung und Fortbildung im Vorbeterdienste vorgeschlagen worden, doch dürfte von dieser Idee nur wenig Erfolg zu erwarten sein, indem eine individuelle Berückstchtigung der Stimme und Veranlagung nicht durchgesührt werden kann, und der ganze etwaige Nutzen nur in der Aneignung einiger Melodien bestehen würde, was anderweitig leichter und besser geschehen kann. Bei Betrachtung der Vorbildung und Aufgabe des Vorbeters nimmt das Vorlesen der Thora einen entschieden hohen Rang ein, und je leichter und natürlicher dieses Gebiet gewöhnlich von den Hörern gehalten wird, so schwer und unendlich wichtig ist es für den gebildeten denkenden Vorbeter, welchen es ernst ist um die Pflege dieses gesetzlich als integrirender Haupttheil unseres Gottesdienstes überlieferten Gebietes. In jedem andern Zweige des Kantordienstes kann man eine Verfehlung leichter hinnehmen, und es ist ein Jammer zu hören, wie es in manchen Gemeinden um diese wichtige Sache bestellt ist, und wie leichtfertig oft sonst erfahrene Kollegen dieses wichtige Gebiet pflegen. Ich will nicht auf die Geschichte der Accentuap tionrsystemr, der nwu eingehen. Es existiren darüber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.