Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1899)
- Date
- 1899-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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19S9 zweig zum Herrn Oberrabbiner und richtete an ihn eine Ansprache und ersuchte ihn, die Weihe des Tempels vorzunehmen, welchen Act der Herr Oberrabbiner mit dem Anzünden des ewigen Lichtes, begleitet von einer trefflichen Rede begann. „Als Ahron", sprach er, „die Opfer der dwm sah, mit welchem sie das erste H iligthum einweihten, erschrack er vor dem Gedanken, daß er an dem göttlichen Werke keinen Antheil habe, worauf Gott ihn mit den Worten beruhigte: Dein Beruf sei groß und heilig, denn du wirst hier die Lichter anzünden." Beim Anblicke dieser Synagoge müffe er fast mit Bedauern gestehen, daß er, der Rabbiner, an diesem gottgefälligen Bau keinen Antheil habe, keinen haben konnte; es erhebe ihn jedoch das Bewußtsein, daß er durch Gottes Gnade, im Aufträge der Gemeinde hier die Lichter anzünden, im erster Reihe in diesen Räumen Gottes Wort lehren und verkünden werde, besten Symbol das -von u sei, rc. Nachher wurde das fünfzehnte Kapitel gesungen, worauf Herr Dr. Löwy die Kanzel bestieg und die Einweihungs-Antrittsrede hielt. Sein Text waren die Worte des X V. Psalms: per v nr v n I22i)2 ne« 12m pnif owi lenp 1N2 wozu der Midrasch bemerkt, daß diese drei Eigenschaften auf die drei Erzväter, Abraham, Jizchak und Jakob sich beziehen. Ueberaus geistreich entwickelte der junge Redner aus dem Texte heraus parallel mit den Worten des Midrasch die Bestimmung des Gotteshauses, den Beruf des Rabbiners. Ein tief religiöser und patriotischer Geist durchwehte die kunstvollaufgebaute einheitlich durchgeführte Rede,welche das Publikum mit sich riß. Sein ganzes Auftreten, seine classische Sprache, sein kräftiges, wohlklingendes Organ, sein gewinnendes Aeußere und seine imposante Erscheinung erhöhten noch die Wirkung des Vortrages, dessen Gedankenfülle wir nicht einmal im Auszuge wiedergeben können. Er schloß seine Rede mit einem in dichterischen Schwünge gehaltenen Gebete. Nach dem meisterhaften Vortrage hielt der Sürbogärder Rabbiner, der Vater des Leutschauer Oberrabbiners, eine formvollendete Predigt in deutscher Sprache, die von den Zuhörern mit sichtlichem Beifalle ausgenommen wurde. Den Abschluß der religiösen Feier bildete das Absingen der Hymne, die von dem MiSkolczer Tempelchor ebenso vortrefflich und exacr vorgetragen wurde, wie alle übrigen Gesangsnummern; es währte jedoch noch eine geraume Zeit bis die Erschienenen dem Herrn Oberrabbiner mit Worten der höchsten Anerkennung gratulierten; der erste der Gratulanten war Obergespan Graf Zeno von Csäky, hierauf wurde das nmv gebetet. Nach,nittags fand im Prunkfaale der städtischen Rewute ein Festbankett statt, an welchem die Vertreter und Spitzen der Behörden und Corporationen ebenfalls Teilnahmen, und wobei es an Trinksprüchen nicht fehlte. Den Reigen der Toaste eröffnete der Gemeindepräses, Herr Dr.B. Rosenzweig, der sein Glas in erster Reihe auf Se.Majestät erhob. Hierauf intonirte die Militär-Musikkapelle die österreichische und der Tempelchor die ungarische Hymne. Rach Verhallen dieser Lieder erhob sich zum zweitenmale Herr Dr. Rosenzweig und feierte meinem begeisterten Trinkspruche den Herrn Obergefpan Graf Csaky. In seiner Erwiederung hob der Obergespan den großen Einfluß der jüd. Religion auf die Cultur der Völker hervor und betonte, daß die ungarische Nation zu ihrem eigenen Heile die volle Gleichstellung der Juden mit den übrigen Confessionen aussprach und bethätigt. Anerkennung zollt er der Leutschauer isr. Cultusgemeinde, mit Freuden will er sie weiter unterstützen; auf das Wohl, auf das Gedeihen der Gemeinde erhebt er fein Glas. Es toastirten noch: Herr Dr. M. Lederer auf den Bürgermeister, Herr Gabriel Marsch, Präses der Jgloer isr. Gemeinde auf das Wohl des Leutschauer isr. Gemeindepräses und auf das des Herrn Oberrabbiners, Herr Pfarrer Andreas Dianiska auf die Leutschauer isr. Gemeinde und auf dessen Herrn Oberrabbiner, Herr Prof. Dr. Ignatz Lederer auf den Herrn Oberrabbiner, Herr Oberrabb. Dr. Gustav Löwy auf die Eintracht zwischen den verschiedenen Confessionen; stürmischer Applaus folgte dieser geistreichen Rede. Im Lause der Feier liefen viele Begrüßungs-Telegramme, theils an den Herrn Gemeindepräses, theils an den Herrn Oberrabbiner ein von Gemeinden, Corporationen und Privaten aus allen Theilen Ungarns, wie auch aus Oesterreich, Mähren, Deutschland und Elsaß-Lothringen. Insbesondere ist das im Namen der christlichen Gläubigen von Herrn Dr. jur. Vagh aus Sarbogard zu erwähnen; es hatte nachstehenden Wortlaut: „Gelegentlich der Installation Ihres patriotisch gesinnten, genialen Seelsorgers empfangen Sie die herzlichsten Glückwünsche der Sarbogader christlichen Verehrer. Dr. V egh." Der ganze Bau des Tempels ist im romanischbyzantinischem Style ausgeführt, und mit diesem im vollkommenen Einklänge steht auch die innere Einrichtung und Ausstattung. Selbstredend entspricht den Normen des Schulchan-Aruch, sowohl der Bau, als die innere Einrichtung deffelben. Am 2pj? D rotr hielt unser hochverehrter Herr Oberrabbiner seine erste nenn in deutscher Sprache mir 'i2i *60, die auch die christliche Intelligenz herbeilockte, wobei er abermals unerschrocken und mit schonungsloser Offenheit für da« unverfälschte, traditionelle Judenthum eintrat. Seine von Herzen kommende und zu Herzen dringende Rede verhallte nicht vergebens.