Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1899)
- Date
- 1899-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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1888 Zettrmg-nachrtchte« und Eorrespondsnze« Deutschland.? Berlin, 29. Juli. Am Donnerstag fand hier eine Konferenz einiger angesehener Persönlichkeiten statt, zu dem Zweck über ein Projekt russtsche Juden in Cypern zu colonisiren, zu berathen. Unter den Anwesenden waren Prof. Marburg, Dr. Nathan, Dr. Heinrich Meyer Cohn, Prof. Landau rc. Einberufen war die Konferenz von einem Herrn Triefch, einem amerikanischen Israeliten, der besondere Propaganda für diese Idee macht. Er legte der Versammlung nach einem Vorträge über die Verhältnisse CypernS im allgemeinen seine speziellen Ideen über die Kolonisation der russischen Juden auf dieser Insel vor. Er fand aber wenig Anklang mit seinen Vorschlägen, obwohl man allgemein der Meinung war, daß der Gedanke an sich nicht von der Hand zu weisen sei. Da das informatorische Material, das Herr Triefch vorlegen konnte, der Versammlung absolut ungenügend erschien, so beschloß man sich an die Jewish Colonisation Association um Auskunft zu wenden mit Rücksicht darauf, daß dieselbe bereits eine Kolonie auf Cypern hat. Würden die Auskünfte befriedigend lauten, so soll alsdann erwogen werden, in welcher Weise diese Kolonisation unterstützt werden soll. Die Trieschschen Projekte selbst wurden rundweg abgelehnt.? Berlin. Zu der deutschen Berufrstatistik ist jetzt ein Band mit Erläuterungen erschienen, es ist die» 111 der Statistik des Deutschen Reiches, neue Folge. Derselbe enthält eine große Anzahl von Ziffern über die Konfession und auch bezüglich der Juden mancherlei neue» Material. Besonders intereffant find die Tabellen, die sich mit der sozialen Schichtung befaffen. Die amtliche Statistik unterscheidet drei Hauptgruppen, Selbstständige, Angestellte und Arbeiter. Es kann den Kenner der Verhältniffe nicht überraschen, daß die Juden viel mehr Selbstständige haben, als die anderen Confessionen. Von 100 ErwerbSthätigen sind im allgemeinen 29 Selbstständige, 11 Angestellte, 31 Arbeiter. Dennoch wird es die meisten Juden überraschen zu erfahren, daß in Deutschland 56,857 Arbeiter unseres Glaubens, ungerechnet noch 6371 Dienstboten gibt. Davon sind nämlich 40,347 männl. Arbeiter, weibl. 16,120, während die Dienstboten fast alle weiblich find. Auch die Vertheilung auf die großen Berufe ist interessant: in der Landwirthschaft gibt es 1679 jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen, in der Industrie 16,829, im Handel 38,349, davon sind in der Landwirthschaft 893 männlich, 786 weiblich, in der Industrie 11719 männlich, 5030 weiblich, im Handel 27,745 männlich, 10604 weiblich. Diese Ziffern entkräften auch deutlich das Gerede von der allgemein e Wohlhabenheit der deutschen Juden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Leirtfcharr, 6. Aug. Am 25. v. M. war die Stadt Leutschau der Schauplatz einer ebenso erhebenden, als prunkvollen Doppelfeier; an diesem Tage fand nämlich die Einweihung der neuerbauten Synagoge und die Installation unseres neuerwählten Oberrabbiners, Herrn Dr. Gustav Löwy, in solenner Weise statt. Am Freudentage morgens wurde in erster Reihe der feierliche Uebergang aus dem bisherigen Bethause in das neue Gotteshaus durch einen Abschiedsgottesdienst festlich begangen, wobei der Tempelvorsteher Herr Adolf Rosenzweig „als Zeuge der alten Zeit" mit einer entsprechenden inhaltreichen Rede von der provisorischen Betstätte Abschied nahm. Gleichzeitig erfolgte auch die Ueberführung der Thorarollen in die neue Synagoge. Um 8 Uhr früh begab sich eine Deputation unter Führung des Ehrenpräses, Herrn Samuel Winter, nach Jglü, um den Herrn Oberrabbiner Dr. Gustav Löwy zu empfangen. Auf seine schöne Begrüßungs-Ansprache erwiederte der Herr Oberrabbiner mit Worten des Dankes. Um halb elf Uhr fuhr der Zug in die Station Leutschau ein, wo alle Mitglieder der Gemeinde und viele nichtjüdischen Bürger der Stadt den Herrn Oberrabbiner mit stürmischen „Eljen- Rufen" warm begrüßten. Hier richtete der Präses, Herr Dr. B. R o s e n zw e i g einen warmempfundenen „Willkommen-Gruß" an den Herrn Oberrabbiner, der seinem Danke sowohl dem Herrn Präses, wie auch den ihm zu Ehren Erschienenen in liebenswürdigen Worten Ausdruck verlieh. Circa hundert Equipagen begleiteten ihn zur Synagoge, wo ein schöner Triumph- Bogen errichtet war. Dcr Herr Oberrabbiner wurde hier von den Tempelvorstehern empfangen und in den Tempel geleitet. Das geräumige Gotteshaus war bis auf's letzte Plätzchen dicht besetzt, so daß ein großer Theil der später Erschienenen nur in der Vorhalle und im Vorhofe Platz finden konnte. Es waren erschienen: Die Comitatsbehörde mit dem Herrn Obergespan Graf Zeno v. Csüky an der Spitze, die Stadtbehörde, die Vorsteher der Geistlichkeit, sämmtlicher hiesigen Schulen, der Zipser Gemeinden Jglü, Kesmark, Kirchdrauf, Lublau, Poprad, Künsdorf und Altendorf rc. rc. Aus der Vorhalle wurden die Thorarollen in die Synagoge überführt und mit ihnen dreimal Umzüge gemacht, während dessen der Miskolczer isr. Tempelchor Psalmen und die üblichen Gebete sang. Nachdem die Thorarollen in die Bundeslade gestellt worden, trat der Herr Präses Dr. B. Rosen-