Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1899)
- Date
- 1899-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449012--48838-2499248- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
SIBPIlipPiPIWffMBlWlff 'l"111 ... XL. J«hrg««s. Zweite Bellagr M M 63 &*s „JarnfUt“. Keuilleto«. itiiitnngti eine» alten ElsenstLdte» an Pr. Israel Mertzelmer y‘*t. n. Zur Zeit, als H. in Eisenstadt war, fungierte daselbst als Ober-pn Rabbi Esriel Pollak; derselbe war nicht nur ein großer und gewaltiger pn, sondern auch ein großer mvi p, ein p2i spn in vpwvi Dir, ein Schüler von nvw vrin. Als ihm die Stelle eines pn in Eisenstadt offerirt wurde, wurde ihm gleichzeitig eine Rabbiner- Stelle in einer Nachbargemeinde Ungarns angetragen. Im Zweifel, ob er diese oder jene Stelle annehmen solle, wendete er sich um Rath an seinen Lehrer Rabbi ne« nvv nach Preßburg. Letzterer antwortete: „Geh' nach Eisenstadt. — 1) ist die Stelle eines sin in Eisenstadt mir lieber, als 21 in vielen andern Gemeinden, 2) möchte ich gerne auch einmal einen größeren pn, als einen Schüler sehen, d'jdi habe genug — und genug —" Rabbi Esriel nahm die Stelle als sin an, und wurde der Freund von H. Sämmtliche d’jiiij vom pn lernte Hildesheimer in einigen Wochen, aber sehr schöne deutsche »ouj die H. von Deutschland mitbrachte, die jetzt noch im Munde der Eisenstädter sind, lernte Rabbi Esriel vom Rabbi — erkundigte man sich nach Hildesheimer, hieß es, „er singt fleißig", erkundigte man sich nach dem sin, hieß es, „er lernt fleißig." Natürlich war dies mehr ein Ulk, denn so fleißig wie Hildesheimer lernte kein Mensch in der Welt. Als Reb Israel Pollak von Eisenstadt Weggehen wollte, weil die Gemeinde seinen Gehalt nicht ausbeffern wollte, drohte Hildesheimer ebenfalls wegzugehen und die Gehaltszulage wurde einstimmig bewilligt. Hildesheimer bezog einen wöchentlichen Gehalt von 30 Fl. ö. W. Der Gehalt reichte aber nur auf einen Tag, so daß die Rebbezzin sagte, „ich bin nur Rebbezzin bis Montag Früh. Sechs Tage lebe ich nicht von der nb'np, sondern von meinem eigenen Geld." Obwohl das Haus Hildesheimer auf großem Fuß lebte, war die Lebensweise des Hausherrn selbst sehr anspruchslos und bescheiden. H. hielt sich keinen mr, wie jeder andere 21 in einer größeren Gemeinde, er bediente sich selbst, und Jedermann hatte zu ihm Zutritt. Um 10 Uhr Vormittags lies er in die Küche uud holte sich einige gebratene Kartoffeln „zur Zehn-Uhr-Jause," wie dieses zweite Frühstück dort benannt wird. Gin fremder nrn kam einst nach Eisenstadt, sein erster Weg war zum '21. Wollte man in dessen Wohnung, so mußte man zuerst in die Küche; es war 10 Uhr, H. holte sich eigenhändig seine Kartoffeln. Der Fremde glaubte, dies sei jedenfalls der Diener des Hauses. Er fragte, wo und wann der '21 zu sprechen wäre. H. antwortete, „ich will ihn suchen". Er griff in seine Taschen, rechts, links, und sagte, „ich habe alle Taschen durchsucht, und ihn dort nirgendgefunden, wenn er nicht in den Taschen ist, so muß ich es wohl sein." Die Arbeitskraft von H. war unglaublich. — Er unterrichtete täglich zwei Stunden in der Kinderschule und acht bis zehn Stunden die o'nn2. Trotzdem schrieb er täglich circa 150 bis 200 Briefe, große Artikel für den „Israelit" und lernte allein des Nachts gewöhnlich von 11 bis 2 Uhr rmn. Häufig fuhr er spät in der Nacht weite Wagentouren, das waren sogenannte Schnorrreisen, bei Wind und Wetter zumeist im offenen Wagen. Mehr als einmal kam er durchnäßt auf einem Dorf an, weckte seine Glaubensgenosien und bat um Wäsche, da er bi» auf den Leib durchnäßt war. Arbeit und Fleiß war sein Lebenselement, für Jeden sorgte er, nur nicht für sich. Er war ein D'pbn alles für Gott und feine Mitmenschen. Wer dies beobachtet und gesehen, war überzeugt, daß das kein gewöhnlicher Mensch, sondern ein ein Engel Gottes war, den der liebe Gott auf Erden sandte zum Heil und zum Segen des Judenthumr N2i2b pnst 127. pH.