Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1899)
- Date
- 1899-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449012--48827-2499237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Dublin 1× ep/1044462
OCR text
1806 staben de» Gesetze» jener Beamte eigentlich im Recht sei. Drrdlin Noch vor zwei Jahrzehnten war die Zahl der Juden in Irland eine außerordentlich geringe, aber seitdem die Einwanderung der russischen Juden nach England so zugenommen hat, sind dieselben auch nach Irland hinüber gekommen und haben dort ziemlich starke Gemeinden gebildet. Dublin und Cork sind die Hauptsitze derselben in diesem Lande. Besonder» in Dublin bildet sich ein richtige» Gettho besonders in dem Stadttheil Portobello. Die Eingeborenen, so weit sie der englischen Hochttrche angehören, sehen diese neuen Konkurrenten nicht sehr gern, obwohl sie ihnen offiziell nicht» in den Weg legen. Dagegen haben sie eine Mssionsgefellschaft gebildet, um die Juden zur Taufe zu bewegen. Angeblich sollen im vorigen Jahre 28 Juden zum Christcnthum übergetrcten seien, nachdem man für ihre Bekehrung beinahe 800000 Mk. ausgegeben hatte. Afrika. Algier. (Die Hetzereien des „Anti juif".) Der antisemitische Gemeinderath von Algier und Redacteur des „Antijuis", Chaze, dessen Verhaftung bei dem Feste von El Bien großes Aufsehen erregte, erschien vor einigen Tagen vor dem hiesigen Zuchtpolizeigerichte unter der Anklage, Schmähungen und Drohungen ausgestoßen zu haben. Chaze leugnete die ihm zur Last gelegten Aufreizungen, allein der Staatsanwalt erklärte, es sei höchste Zeit, den Manifestationen ein Ende zu machen. Der Anwalt Chaze's, der es mit einer pomphaften Verherrlichung der algerischen Antisemiten versuchte, hatte kein Glück, denn der Gerichtshof verurtheilte ihn zu einem Monat Gefängniß. — In derselben Verhandlung wurde der Gerant, des „Antijuis", Jeaudet, wegen Verleumdung des CommiffärS Financa in eviitumnoiam zu fünf Tagen Gefängniß uufc 200 Francs Buße verurtheilt. Aeutlleton. hiebet eure Weinde." «t„t apologetische «rzählurrg Von Arnold Utftitn. 36) Nachdruck verboten. Tettenborn senkte unwillkürlich das Auge vor dem klaren, durchdringenden Blick, mit dem ihn der Kollege bei diesen Worten anschaute. Bedächtig j schnellte er sich ein paar Stäubchen von der schwarzen j Weste und fiel dann mit einer gewissen Eile ein: „Schade, daß das Gericht eine kommissarische Vernehmung Feist's abgelehnt hat. Die Sache schien zu unerheblich, da ja das Motiv zur That klar lag und es für die Beurtheilung derselben nicht wesentlich sein konnte, ob das Motiv berechtigt war oder nicht. Die That blieb ein Verbrechen, wie es sich auch verhalten mochte!" „Hatte Wegtler denn sofort eingestanden?" fragte Melzert. „O, nein! Er leugnete hartnäckig, und es bedurfte der Wucht eines schwcrlastenden Indizienbeweises, in welchem neben dem meinigen besonders das Zeugnis des Löwenwirths Brinkmayer eine Rolle spielte, um ihn zum endlichen Geständnis zu bewegen. Brinkmayer wollte Feist's Haus an demselber Tage kaufen, an dessen Morgen es in Flammen aufging. Mit vieler Mühe konnten feine Bewohner, Frau und Kinder Feist's das nackte Leben retten. Es brannte ja an zwei Stellen zugleich, in Wegncrs Holzlager und in Feist's Magazin. O, es war ein fürchterliches Feuer; ein Glück, daß es nicht noch weiter griff — l" „Haben Sie übrigens seitdem von diesen Feist's etwas gehört?" „Es foll iljucu in Amerika wieder recht gut gehen. Näheres weiß ich nicht. Nur vor kurzem erzählte man mir, die Tochter habe sich mit einem aus Göllheim stainnlenden jungen Arzte verheirathet. Denken Sie, der junge Mann soll nach Amerika gefahren sein, um sich seine Frau von dort zu holen. Jetzt wohnen sie in H., er ist ein gesuchter Augenarzt! Ich glaube, wenn Wegner das erfährt, knirscht er heute noch vor Wuth. Oder bereut er vielleicht jetzt?" „Im Gegcntheil", erwiedcrte Melzert, „er ist mit den Jahren noch viel halsstarriger geworden, hat auch nicht immer pariert, weshalb er seine volle drei Jahre absitzen muß. Ich möchte aber den Verblendeten nicht gerne entlassen, ohne daß er zur Einsicht gekommen ist und seine That bereut. Darum eben habe ich mir erlaubt, jetzt, vier Wochen vor seiner Entlassung, Sie, werther Herr Amtsbruder, zu mir zu bitten, daß Sie Ihre Benlühungen mit den meinigen vereinen, um Wegner nicht mit km alten Grolle im Herzen von dieser traurigen Stätte scheiden zu lassen, sondern ihn zur Menschenliebe und zur Gottesliebe zurückzuführen und dafür zu sorgen, daß sich niemals wieder die Pforten des Zuchthauses hinter ihm schließen —!" „Sie wollen mich also zu ihm führen?" fragte Tettenborn mit einer gewissen Aufregung. „Ich hoffe, es wird Ihnen nicht unangenehm sein, lieber Kollege. Hier im Zuchthaus weht allerdings eine besondere Luft, die demjenigen, der nicht an sie gewöhnt ist, fast den Athem benimmt. Es