Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 63 (10.8.1899)
- Date
- 1899-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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1825 von seiner christlichen Synagoge cinfangen lasten. Vielleicht ist diese gleichlautende Notiz in allen Zeitungen doch in etwas den Missionsbestrebungen nützlich. Am Sonntag 6. August fand nämlich in den meisten evangelischen Küchen Deutschlands eine Kollekte für die Judenmission statt und mancher hat vielleicht durch die „schöne Bewegung der Revisionisten" anspornen lasten, mehr zu geben, als er sonst gethan hätte. Dann hätten die Notizen ja doch ihren Zweck erreicht, nur schade um das schöne Geld! Norderney, 7. Sluj. Die Reiseplauoerer aus Nordernei in Ne. 61 Ihres geschätzten Blattes rühmt das Hoffmann'fche Hotel hier und sägt ohne Namensnennung beiläufig hinzu: „auch eine andere Koscherrcstauration bestrebt sich nach dieser Richtung und findet dankbaren Zuspruch." Das veranlaßte mich, mit gerechtem Maße zu mesten, und ihren Bericht dahin zu ergänzen, daß das „andere" Koscherrestaurant dem Herrn Iwan Hirsch gehört, und daß dieses in der Friedrichstraße gelegene Restaurant durch die Vorzüglichkeit der Küche, durch die Sauberkeit der Gedecke, durch das eulante Entgegenkommen des rührigen Besitzers sich die Gunst eines großen vornehmen und religiösen Kreises bereits erworben hat. Auch das Hirsch'sche Restaurant steht unter der Aufsicht des orthodoxen Landrabbiners aus Emden, und wir dürfen daher dasselbe aus das Allerwärmste dem besseren religiösen Publikum empfehlen. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Pribram. Wie alljährlich, fand auch in diesem Jahre gestern als am Rüsttage des b'bx -- tiorpo'" die übliche Büßpredigt in der Dobrischer Synagoge statt, bei welcher auch viele Pribramer Synagogenmitglieder anwesend waren. Herr Rabbiner Dr. Liilk, der mit wahrem Jugendeifer für die religiösen Jnteresten des Judenthums eintritt, hielt auch diesmal eine warm empfundene Rede und nahm Veranlassung, dem Berliner Seminar-Direktor Dr. Hildesheinler einen ehrenden Nachruf zu halten. Sichtlich gerührt erhob der geehrte Redner die Todtenklage, indem er auf die traurigen religiösen Zustände in Böhmen hinwies, wo Niemand per w ist, um dem religiösen Judisserentismus zu steuern. Die Rede verfehlte nicht auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck zu machen, und wie wir vernehmen wird dieselbe — wie sie nach stenographischen Auszeichnungen ausgenommen wurde — dem Drucke übergeben. I. Pollak.? Prag. Die Herren Antisemiten schaffen sich ihre elg(«e Rechtspflege. Da ihnen offenbar das Gericht zu Kuttenberg zu unparteiisch ist und tue beschuldigt.n Juden nicht gleich wegen Ritualmordes verurtbeilen will, wenn sie nicht schuldig sind, so haben die Antisemiten in Polna eine eigene Kommission gebildet, der auch ein Wiener Redakteur des berüchtigten „Deutschen BolkSblatteS" VerganiS, angehört. Diese Kommission hat selbstständig Zeugen vernommen, Protokolle angefertigt re. Ihr Meisterstück aber hat sie geleistet, als sie den 17jährigen Bruder des angeklagten Hülsner, mit Namen Jtzig Hülsner an sich gelockt und betrunken gemacht hat, um ihn als Zeugen gegen seinen Bruder zu gebrauchen. Diesmal muß der Tric, der an den Zeugen Moritz Scharf im Prozeß Tisza Eßlar erinnert, mißglückt sein, denn die Antisemiten machen bekannt, daß sie das Zeugniß Jtzig Hülsner» nicht verwerthen wollen. Neberhaupt scheinen diese antisemitischen Zeugenaussagen recht bedenklicher Natur zu sein, denn das „Deutsche Volksblatt" schreibt: „Halten die Leute ihre Aussagen, die sie vor drei Zeugen ablegten, auch vor Gericht aufrecht, dann ist uns nicht bange, daß das Kreisgericht in Kuttenberg diese Unterstützung, die wir seinen Bemühungen angedeihen lassen, mit Dank anerkennen wird." Die Herrschaften wisien offenbar schon, daß die Leute ihre angeblichen Aussagen vor Gericht nicht bestätigen werden. Am interessantesten ist aber dieser Versuch eine eigene antisemitische Rechtspflege zu schaffen, deßhalb, weil der Richterstand in Oesterreich selbst antisemitisch ist und Juden nur äußerst selten Richter werden. Dennoch zweifeln die Antisemiten keck die Unparteilichkeit der österreichischen Richter an! England. London. Die christliche MissionSgesellschast „London Cily Mission" verbreitet einen Aufruf, um die Mittel zu erhalten, jüdische Kinder während der Ferien auf das Land zu schicken. Gewiß ist es ein schöner Zweck, den armen Kindern, Die jahraus jahrein in der staubigen, heißen oder nebligen Athmosphäre Londons die Zeit zubringen muffen, die Möglichkeit zu bieten, etwas Erholung zu finden. Aber die Kmder in diesen Feriencolonien erhalten christlichen Religionsunterricht, muffen christliche Predigten anhören, christliche Lieder lernen und singen, Tractätchen lesen rc. Vielleicht fällt der Mission so eine Seele in die weitgeöffneten Arme, aber verwerflich bleibt es doch, mit solchen Mitteln religiöse Propaganda zu machen. — Eine seltsame Frage mußte kürzlich den Behörden unterbreitet werden. Nach strengem Recht sind jüdische Trauungen auf Grund englischen Gesetzes nur zulässig im eigenen Hause oder in der Synagoge, aber nicht in Miethsräumen. Daher verweigerte ein Beamter kürzlich die Eintragung einer Trauung, die in einem gemietheten Saale ftattgefunden hatte. Auf die erhobene Beschwerde hat der Registrar-General dann aber doch die gesetzlich erforderliche Eintragung angeordnet, jedoch dabei erklärt, daß nach dem Buch-