Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 62 (7.8.1899)
- Date
- 1899-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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1808 annähernd so viele Mittel aufbringen können, wie ejüdischerseits geschieht, ist ja anerkannt, daß deutsch« Kolonisten im Stande sind, auch mit verhältnißmäßig kleinen Mitteln doch Erhebliches zu leisten. Soll aber etwas geschehen, so muß es bald geschehen. Unsere jüdischen Konkurrenten halten nicht lange Reden, sie handeln." Man weiß wirklich nicht, ob man diesen mit behaglichster Breite vorgetragenen llnsinn belachen oder über die beschämende Thalsache, daß die angesehensten deutschen Tagesblätter ihn kritiklos abdrucken, sich ärgern soll. Schon der Schluß, daß die angeregtere Bauthätigkeit in Jaffa als Vorboten einer demnächstigen zionistischen Maffeneinwanderung gelten könne, verräth eine wahrhast beängstigende Vorahnungsfülle, der gegenüber logische Erwägungen allerdings völlig zurückzutreten haben. Daß dann diese ausschweifende Phantasie mit spielender Leichtigkeit aus den zwei Millionen Lftrl, welche die „Jewish Colonial Trust" — die doch wohl mit „dieser jüdischen Gesellschaft" gemeint ist — erst zusammenbringen will, sechs Millionen macht, welche diese Gesellschaft in kurzer Zeit zusammengebracht hat, erscheint also nicht mehr verwunderlich; zumal der Schreiber hierbei auf gute Vorbilder zurückblicken kann, denn durch derartige Verwechselungen ihres Wollens mit dem Vollbringen haben die Zionisten auch schon klarere Köpfe als den des Schreibers jener Zeilen verwirrt, Neberhaupt scheint die Zahl sechs Millionen in dem politischen Einmaleins des betreffenden Herrn eine große Rolle zu spielen. Ueber sechs Millionen Pfund verfügt jene „jüdische Gesellschaft"; sechs Millionen Francs stehen aus dem Baron Hirsch-Fond zur Verfügung: vielleicht überrascht der kundige Thebaner die Welt demnächst auch noch mit der Feststellung, daß sechs Millionen Zionisten bereits Schiffskarlen nach Jaffa gelöst haben! Wohlthuend wirkt nur die verschämte Zurückhaltung, die er gegenüber der lockenden Versuchung bekhätigt die genaue Ziffer der Millionenzahl, welche Baron Rothschild jährlich spendet, ebenfalls anzuführen. Diese Uebertreibungen sind so faustdick, daß man, wie gesagt, eigentlich mit einem Lächeln daran vorübergehen und ihre Richtigstellung der gesunden Vernunft überlassen könnte. Allein, sowenig auch das beigebrachte „Thalsachenmaterial" eine Berichtigung erforderlich macht, um so mehr zwingt der Ton, der aus der ganzen Auslastung herausklingt, zu einer scharfen Zurückweisung. Das Bestreben, die deutsche Kolonisation in Palästina durch den Aufruf der evangelischen Christen zu einer kräftigen Beihilfe für dieses Werk zu fördern, verdient sicherlich alle Sympathie und wird zu allerletzt von denjenigen jüdischen Kreisen, welche für die jüdischen Kolonien wirken und spenden, mit scheelen Augen betrachtet werden. Unsympathisch bis zu einem Grade, für den es schlechterdings einen parlamentarischen Ausdruck nicht mehr giebt, wird dieses Bestreben aber in dem Augenblicke, wo es, wie in obigem Schreiben, an gewisse, dunkle Instinkte der Volksseele sich wendet und durch den Hepp-Heppruf gegen die „jüdischen Konkurrenten" den antisemitischen Thatendrang für ihre Zwecke als Vorspann benützt. In diesem Zusammenhangs betrachtet, gewinnen dann die oben charakterisirten Uebertreibungen eine fatale Bedeutung, in der sie als stilvolle Bekrönung eines wohlerwogenen Planes ihren bevorzugten Platz einnehmen. Mögen die Herren, welche hinter jenem Schreiben stehen, ihre Riemen schneiden woher immer; das Fell der armen, jüdischen Kolonisten ist für diese menschenfreundliche Thätigkeii entschieden zu gut." Altona, 1. Aug. (Rabb. Elias Munkx-.) Als vor wenigen Wochen die Trauer künde vom Ableben Dr. Hildesheimers frsct hierherdrang, da reiste der 82jährige Klausrabbiner Munk trotz eines leichten Unwohlseins nach Berlin, um feinem lieben Schwager und treuen Freunde die letzte Ehre zu erweisen und im Trauerhause einen tiefgefühlten “Tcm zu halten. Seine immense Willenskraft und sein unerschütterliches Gottvertrauen ließen ihn die Strapazen der Reise und die an dieselbe sich knüpfenden Aufregungen ohne sichtbare nachtheilige Folgen ertragen, und nur ans dringenden ärztlichen Rath entschloß er sich, zur Stärkung und Kräftigung seiner Athmungsorgane das liebliche Lahnthal aufzusuchen u. an den warmsprudelnden, heilkräftigen Quellen zu Ems Erleichterung zu finden. Leider hat er nach kaum achttägigem Aufenthalte dortselbst seine notw rmpo ausgehaucht. pJiB "»Sk war in Jnnowrazlaw geboren, besuchte die NI'L" von Vt apn n Hierselbst, ging dann nach Berlin, wo er mit gleichgesinnten, für ranpn un-nn begeisterten Genoffen seinen Studien oblag, bis er einem Rufe seines allverehrten Lehret» folgte und seine Lehrthätigkeit hier begann. Aber nicht nur ans Altona beschränkte er seinen Wirkungskreis, sondern auch in Hamburg war er als Lehrer thätig, bis er vor 26 Jahren zum Rabbiner an der hiesigen Klaus ernannt wurde, der er fortan seine ganze Kraft widmet'. Sein immenses Wissen, seine pädagogische Begabung, seine klare Darstellungsgabe, sein Feuereifer für mim machten ihn zum vielgesuchten Lehrer, der für jedermann und zu allen Tagesstunden Zeit zum „Lernen" batte. So hat er sich auch eine Anzahl von ern *jra herangezogen, die bis an sein Lebensende einen regelmäßigen -mp bei ihm hatten. Sein umfangreiches, profanes Wiffcu, sein praktischer Sinn, seine Weltkenntniß und sein umgängliches Wesen machten sein Haus zum Mittelpunkt der Rathsuchenden und Hilfsbedürftigen, die bei ihm stets ein offenes Ohr, ein besänftigendes Wort, einen guten Rath und eine hilfreiche Hand fanden. In seinem Thun und Streben wurde er durch