Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 62 (7.8.1899)
- Date
- 1899-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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If07 streb ende G em einden, wie: München, Berlin, Frankfurt a. M., Braunschweig, sowie durch wackere, hochverdiente Vorbeter, wie: Weintraub, Deutsch, Naumburg, Sulzer und Lewandowski, welche einerseits für Schaffung und Entwicklung eines vollendeten synag. Chorgesanges bemüht waren, und andererseits den Grund zur Einführung der herrlichen altüberlieferten Synagogenmelodien, des sog. „Chasonus" in modernem künstlerischem Gewände legten und einen würdigen Vorbeterstand schufen, welcher mit Ernst und Eifer seine Aufgabe erfassend, sowie sich darin vervollkommnend, der Gemeinde zur Zierde gereichte, und dem Gottesdienste jenes erhebende, weihevolle, heilige Gepräge gab, wie es unsere Weisen schon in ältesten Zeiten von einem echten um* rvbt forderten. So hat sich aus den ältesten Zeiten das Chasonus entwickelt und die Träger desselben, die Vorbeter sind es, welchen die Hut, die Handhabung und Ueberlieferung jener ehrwürdigen Melodien übergeben ist, welche uns erzählen von der Zeiten Glück und Trauer, welchen den Geist der Vergangenheit heraufbeschwören und über die Gegenwart erheben, welche der Dolmetsch für die Festesfreude und den Jubel der Gemeinde sind, aber auch die Empfindungen des Leids und der Trauer wiederspiegeln an den Tagen ernsten Gedankens. Kein Wunder also, wenn wir uns verpflichtet fühlen, dieses Streben der Gemeinden und begeisterter Männer auf Schaffung eines tüchtigen, gewissenhaften und kenntnisreichen. Vorbeterstandes fortzusetzen, bes. in unserer Zeit, wo diesem Streben so viele Hindernisse entgegenstehen. Deshalb wollen wir eingehend die Frage untersuchen, w e lch e s die Vorbedingungen sind zurHeranbildung guter Kantoren, zur Ausbildung derselben in der Praxis, sowie der Erfordernisse zur Mitwirkung der öffentlichen Faktoren im Judenthum. Vor allem sind die jüdischen Lehrerbildungsanstalten berufen, auf Vorschulen für das Kantorfach thätig zu sein, da fast in allen Gemeinden Lehrer¬ und Vorbeteramt in einer Person vereinigt sind. Die Erinnerung an unsere Seminarzeit, sowie die Kenntnis der Verhältnisse an den verschiedenen Anstalten Deutschlands zeigen uns jedoch, daß deren diesbez. Einrichtungen leider nicht den hohen Anforderungen für das einstige Ziel der Zöglinge im Kantorfache entsprechen. Zwar hat es in letzter Zeit nicht an Versuchen gefehlt, eine Aenderung oder Erweiterung der Leistungen dieser Anstalten auch auf diesem Gebiete herbeizuführen und namentlich vom D.-J.-Gemeindebund wurde die Anregung auf I Vervollkommnung der kantoralen Ausbildung gegeben. I Wir werden noch später darauf zurückkommen, bemerken aber jetzt schon, daß die bestehenden Verhältnisse zurHeranbildung tüchtiger Vorbeter absolut ungenügend sind, und zur Ehre des Standes, sowie im Interesse der Gemeinden und des Gottesdienstes eine Besserung und entschieden größere Fürsorge seitens der öffentlichen Faktoren gefordert werden muß. (Fortsetzung folgt.) Zeituns-nachrichten und Eorrespondenzerr Deutschland. Berlin, im August. Durch die Tagesblätter machte eine aus Jaffa vom 17. Juni datirte Zuschrift an die „Münchener Allgemeine Ztg." die Runde, welche aus den Kreisen der deutsch-evangelischen Kolonisten in Palästina stammt und in grotesken Uebertreibungen der angeblich für die jüdischen Colonien aufgewendeten und bereitstehenden Mittel förmlich schwelgt. Die Zuschrift lautet: „In Folge der gegen die von Aegypten kommenden Schiffe der Pestgefahr wegen errichteten Quarantäne leidet der Verkehr hier ganz bedeutend. Erfreulich ist dagegen die seit Kurzem bemerkbare größere Bauthätigkeit am hiesigen Platze. Man schließt daraus, daß an dem immer bestimmter auftretenden Gerücht, nach welchem die Zionisten demnächst in Konstantinopel die Erlaubniß zur Einwanderung und zum Landkauf in Palästina erhalten würden, etwas Wahres sei. Diese jüdische Gesellschaft wird mit ihrem in so kurzer Zeit auf 6 Millionen Pfund angewachsenen Vermögen in der Tbat im Stande sein, manche Thüre zu öffnen, die anderen verschlossen sein und bleiben würde. Gelingt es ihnen, die nachgesuchte Erlaubniß zu erlangen, so wird eine erhebliche Steigerung de- Werthes von Grund und Boden in Stadt >und Land eintreten. Von den bis jetzt gekauften Grundstücken wurden allerdings einzelne von einer anderen jüdischen Gesellschaft — der Alliance Israelite — erworben, und zwar, wie verlautet, mit einem Theil der 6 Millionen Franc-, welche das große Legat bes Baron- Hirsch jährlich an Zinsen abwirft. Das Legat beträgt 200 Millionen Francs. Angesichts dieser gewaltigen Mittet in jüdischer Hand, zu denen noch andere Summen hinzutreten, so insbesondere die vielen Millionen, die Baron von Rothschild jährlich spendet, ftagt man sich in den Kreisen der deutschen Kolonisten mitunter, welche praktische Wirkung die Wünsche und Gesuche haben werden, die von hier auins Vaterland gelangten und bei denen es sich im Wesentlichen um die Erlangung einesicher zu stellenden Anlehenhandelt, das die Möglichkeit gewähren soll zum Ankäufe weiterer Ländereien für deutsche Kolonien in Palästina, um neuen Ankömmlingen zur Ansiedelung zu verhelfen und Raum zu schaffen für den Nachwuchs der jetzigen Kolonisten. Von neuen Ansiedlern aus Deutschland haben sich bereits einige zu dem von Mitgliedern der evangelischen Pfarrgemeinde in Jaffa angestrebten Kolonisations-Unternehmen gemeldet. Der Kaiserreise verdanken wir es, daß sich da und dort in Deutschland Vereinigungen bilden, welche einer wetterendeutschen Kolonisation im heiligen Lande Vorschub leisten wollen, und wenn auch diese Bereinigungen nicht