Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1899)
- Date
- 1899-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
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Wir haben allein 22 evangelische Geistliche, welche mit uns die Reise machen. Letztere besonders wenden der jüdischen Reisegesellschaft, die sie irrthümlicher Weise für eine zionistische hielten, ihre besondere Aufmerksamkeit zu. Zwei der national-sozialen Partei ungehörige Pastoren sind es in erster Linie, die sich mit mir über diese Frage wiederholt unterhalten. Der eine von beiden, der sich des Rufes eines erfolgreichen Judentäufers erfreut, ist zugleich ein Kämpfer gegen den Antisemitismus. Ein Freund der Juden und ganz besonders des Judeuthums ist er in keiner Weise. Er vermag die Lehren des Zionismus, die ihm durchaus nicht behagen, nicht zu widerlegen. Er meint aber: „Ich möchte einmal das Gesicht meines jüdischen Freundes L. in F. sehen, wenn er das mit anhören sollte“. Ich habe die Absicht, ihm dazu Gelegenheit zu geben. Es würde mich dann auch besonders freuen, meine Auffassung vom Judenthnme nebst der seinigen von den F.’er Juden beurtheilt zu sehen. Lieben sie mehr die Bequemlichkeit, so werden sie auf der Seite meines Pastors stehen; lieben sie mehr das J u d e n t h u m, so glaube ich den Sieg davontragen zu dürfen. Meine Auffassung vom Juden« thume ist nämlich national und sozial und jüdisch! Der andere Pastor steht mehr im Vordergründe des öffentlichen Lebens. Er ist daher zu viel grösserer Zurückhaltung gezwungen, als andere seiner Collegen, die unverhohlen ihren Sympathien für die zionistischen Bestrebungen Worte verleihen. Mit grossem Interesse lässt er sich von der Geschichte und den Zielen der nationaljüdischen Bewegung erzählen. Auf meine Auseinandersetzung, dass die Juden noch heute eine nationale Einheit seien, meint er, dass er sich eine solche Aeussernng nicht gestatten dürfe, ohne bei seinen besten jüdischen Freunden in Geruch und Ruf eines Antisemiten zu kommen. Seine eigene Stellungnahme zum Zionismus deutet er nur in den Worten an: „Es scheint, Sie sind eine Partei der Zukunft, Sie sind die künftige, die nächste Generation“. Ich erwiederte ihm meiner Ueberzeugung gemäss: Wir sind wirklich keine Partei, sondern das Volk in der jüngeren Generation!“ (Fortsetzung folgt.) Bericht über die Thätigkeit des Kolonisations-Comite s in Odessa vom 1. Jjar5658 bis zum 1. Jjar 5656 (16. April 1893—13. April 1896). (VIII. Fortsetzung.*) Die zweite Klasse auf den Abhängen der Hügel ist eisensanrer Lehmboden mit Sand gemischt, und wird hierzulande rothe Erde genannt. Dieser Boden ist besonders zum Anbau besserer Weinreben und anderer Pflanzungen geeignet, und prangt schon gegenwärtig grossentheils im Schmucke von Weingärten und reihenweise gepflanzten Mandelbäumen. Die dritte Klasse, ebenfalls sand- und thonhaltiger Lehmboden, von einer 10 — 80 Centimeter starken Sandschicht bedeckt, ist sehr dürftig und in ihrer gegenwärtigen Beschaffenheit weder zum Feldbau, noch zu Baumpflanzungen geeignet; nur stellenweise kommen Mandeln und Oliven darin fort. Bei rationeller Bewirthschaftung könnte auch dieser Boden ertragsfähig gemacht werden. Herr Eisenberg versuchte durch Düngung und Einstreuen von Kalk den Sand bis zu einer gewissen Tiefe in fruchtbares Erdreich zu verwandeln, und einen Weinberg dort *j 8. Nr. 700. anzulegen. Der Versuch gelang vortrefflich. Die Ausgaben für Tiefpflügen und dergleichen, welche Herr Eisenberg dabei verwendete, betrugen nicht mehr, als eine Weinbergsanlage auf besserem Boden gekostet haben würde. Rechoboth widmet seine Thätigkeit vorwiegend dem Weinbau und der B&umzucht. Seine Weinberge sind mit wenigen Ausnahmen gut angebaut. Die Versuche älterer Kolonien, besonders aber die musterhafte Ordnung, welche seit Gründung der Kolonie dort geherrscht hat, führten dieselbe zu einer erspriesslichen Thätigkeit. Der Vorsteher der Gesellschaft nmiÖ» “nhnn führt den Vorsitz der Verwaltung in Rechoboth. Einige der dortigen Kolonisten behauen ihr Land eigenhändig, die anderen dnrch fremde Hände. Die Weinberge der Gesellschaft nmjö» “n^rDI sind im Allgemeinen besser als die Weinberge der Privatleute, und zeichnen sich dnrch Grösse, Schönheit, besseren Anbau and