Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 61 (3.8.1899)
- Date
- 1899-08-03
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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' - : l28 - - Okulirung aas. Die Ursachen davon liegen tbeils in dem wenig rationellen Anbau Einzelner, welche ohne Uebung und Erfahrung auf ihre zuweilen geringe Einsicht angewiesen sind, theils darin, dass viele Kolonisten, welche auch auf Lohnarbeit angewiesen sind, ihrem Besitze weniger Sorgfalt widmen können. Doch sind auch rühmliche Ausnahmen vorhanden. Die Kolonie bat Mangel an Vieh, und in Folge dessen auch an Dünger. Ausser den Weinbergen sind noch verschiedene Bäume, als Mandel-, Manlbeer-, Oliven-, Pfirsich- und Zwergpfirsichb&nme angepflanzt, besonders auf den Grenzlinien der Besitzungen und reihenweise auf beiden Seiten der Strasse, wo für Weinberge kein genügender Raum vorhanden ist. Die Banmreihen zwischen den Weingärten machen einen entzückenden Eindruck auf den Beschauer. Es ist im Hinblicke auf den Werth dieser Baumzucht als besonderer Nebenerwerb, sehr zu bedauern, dass nicht alle Kolonisten ihr Augenmerk darauf gerichtet haben. Beim Ankauf der Kolonie befand sich auf der Nordostseite derselben ein alter Park von Pfirsichbäumen. Da jedoch dieselben sämmtlich mit Zweigen von Mandelbäumen gepfropft waren, was wegen des Q^^j-Verbotes unstatthaft ist, wurden auf Anordnung des Rabbiners sämmtliche Bäume des Parkes umgehauen. Der Anbau der Felder Ist in Rechoboth noch primitiv. Die meisten der Kolonisten suchen ihr Heil lediglich im Weinbau, weil sich der Verein nmJÖ» damit beschäftigt, welcher ausschliesslich für diesen Zweig der Landwirtschaft gegründet ist. Auch die geringe Ausdehnung des Bodenbesitzes der einzelnen Kolonisten ist nicht geeignet, sie zum Feldbau zu ermuntern. Rühmliche Ausnahmen sind jedoch auch hier vorhanden Viele Kolonisten bebauen ihre Felder, ohne sich grosse Pläne für Vermehrung ihrer Einkünfte zu machen. Dieselben scheuen keine Arbeit und werden dabei von ihren Hausgenossen unterstützt, selbst von ihren 12—18jährigen Töchtern, welche den Erwachsenen hilfreich zur Seite stehen, und jede bezahlte Arbeitskraft Überflüssig machen. Für den Bedarf ihrer Häuser beschäftigen sich die Kolonisten von Rechoboth auch mit Gemüsebau. Ein Kolonist, Namens Garodsiski, treibt auch Handelsgärtnerei. Zur Zeit werden nur Kartoffel, Zwiebel, Rettige, Knoblauch und Hülsenfrüchte angebaut; hoffentlich wird sich der Gemüsebau erweitern, sobald für ausreichende Bewässerung gesorgt wird. Viehzucht ist, wie oben erwähnt, noch im Anfangsstadium. Einige Kolonisten halten Milchkühe, aber der Mangel an Weide hindert die Erweiterung der sonst so lohnenden Viehzucht. Hingegen wird viel Geflügel gehalten. Allein auch hierbei werden die Erfahrungen der Neuzeit wenig beachtet. Es fehlt an Plätzen, auf welchen das Geflügel kostenloses Futter findet; auch die Aufzucht besserer Hühnerarten wird nicht angestrebt. Ein Kolonist, Namens Rewanski, verwendet auf Geflügelzucht grosse Sorgfalt. Verhältnisse der Einwohner. Zur Zeit wohnen in Rechoboth 50 Familien und zwei alleinstehende Personen. Unter den 26 Familien, welche je ein Areal von 28 bis 240 Dnnam besitzen, befinden sich auch vier Handwerker: ein Schlosser, ein Schmied und zwei Steinmetzen; ferner drei Beamte des Vereins HTOÖir Von Mitgliedern dieses Vereins wohnen vier in Rechoboth, von welchen drei von der Verwaltung als Taglöhner beschäftigt werden. Ausserdem wohnen in Rechoboth 14 Familien, deren Häupter verschiedene Handwerke betreiben: als Heilgehilfe, Schächter, Schuhmacher, Schneider, Fleischer; auch ein Lehrer ist im Orte. Die Wohnungen befinden sich in 2 5 Häusern, von welchen 20 aus Stein, die übrigen aus Holz erbaut sind. Die Gebäude sind auf zwei Strassen and eine Verbindungsstrasse vertheilt, welche in einer Breite von 30 m angelegt und auf beiden Seiten mit Maulbeer-, Akazien- und anderen Bäumen bepflanzt sind. Manche Häuser haben kleine Vorgärten, mit Eukalyptus und Ziersträuchern bepflanzt. Ausser den Wohnhäusern sind 11 Speicher und 5 Ställe vorhanden. Die Einwohner sind theils einfache Landleute, theils wissenschaftlich gebildete Männer. Streitigkeiten sind selten, und werden fast immer leicht beigelegt, da alle Kolonisten als ruhige und ordnungsliebende Menschen zu bezeichnen sind. Ausser zwei Kranken und Greisen arbeiten in Rechoboth alle Einwohner, Jang und alt, Männer und Frauen. Letztere stehen ihren Männern und Vätern selbst beim Weinbau hilfreich zur Seite. Von den vorhandenen 686,500 Weinstöcken liefern 319,000 schon reife Frucht. Davon besitzt der Verein nfTUÖ» 250,000 (114,000 fruchttragende). Die Anpflanzung der drei jüngstvergangenen Jahre betrug 150,000 Stück. Mandelbäume sind 42,170 vorhanden. (^Fortsetzung folgt.) Druck der Joh. Wirt h’achen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft, Mainz.