Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-08-03 · Heft 61 (3.8.1899) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 61 (3.8.1899)
Date
1899-08-03
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449010--48782-2499190
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

- 1291 England. Lsndon. Der Board of Deputier veröffentlicht seinen Jahresbericht, in dem von besonderem Interests ein Passus ist, in welchem der Board von seinen Verhandlungen mit der englischen Regierung spricht. Es heißt an dieser Stelle: „Der Board verzeichnet mit besonderer Befriedigung dar fortgesetzte Entgegenkommen der verschiedenen Behörden und des Staatsministeriums seinen Wünschen gegenüber, und die schnelle und symphatische Erledigung, welche seine Angaben jederzeit gefunden haben." London. In dem hiesigen deutschen Krankenhause, wo der dritte Theil aller Patienten Juden sind, bestand bisher noch keine koschere Küche. Doch werden jetzt die nöthigen Anstalten dazu getroffen und man wendet sich mit einem Aufrufe an die Oeffentlichkeit um die Gelder hierfür aufzubringen. Die 20,000 Mk. deren man bedarf, werden unschwer aufgebracht werden und damit abermals ein Akt religiöser Toleranz geschaffen werden. — Am 17. Juli eröffnete Charles Rothschild die neue Synagoge in Fieldgate Street, Whttechapel, mit großer Feierlichkeit. Der Oberrabbiner hielt die Festrede. — In der Schachwelt macht die Herausforderung viel Aufsehen, die Hanovsky, der Pariser Matador des königlichen Spiels, dem Weltmeister Laster übersandt hat. Beide Kämpfer sind Glaubensgenoffen, wie auch Steinitz, der frühere Weltmeister des Schachs, Jude ist. Griechenland. Athen, 17. Juli. Zu der Notiz über einen Platz zur Synagoge diene Folgendes zur Aufklärung. Im Laufe unseres Jahrhunderts war eine Jüdin Herzogin von Piacenza, Gemahlin des damaligen Konsuls Napoleon Bonaparte. Die Herzogin war in der griechischen Hauptstadt wegen ihrer blendenden Schönheit berühmt. Sie hatte eine große Anzahl Häuser bauen lasten, wodurch sie in einen Prozeß mit ihrem Baumeister verwickelt wurde. Als sie zu einem Eide aufgefordert wurde, erklärte sie vor Gericht, sie sei Jüdin, weßhalb ihr gestattet werden möge den Eid nach jüdischem Ritus zu leisten. Der „Pentelikon" (Berg in Attika), aus welchem der Marmor für die Akropolis genommen wurde, war ihr Lieblingsaufenthalt. Dort errichtete sie dem einzigen und unsichtbaren Gotte auch einen Altar. (? Red.) Einst entbot sie die Juden von Athen und versprach denselben, ihn.n ein Synagoge bauen zu lasten und ein Grundstück zu einem Begräbnißplatze zu schenken. Als Sir Moses Montefiore und Herr Cremieux auf ihrer Rückreise von Syrien die Stadt Athen passirten, ersuchte die Herzogin den französischen Advokaten, als ihren Lan smann und GlaubenSgenoffen, ihr Testament aufzusetzen. Sie starb 1854 und wurde auf dem „Pentelikon" begraben. Von ihr rührt die Schenkung des Platzes her. Amerika. Rew-Uork. (Die Unabhängigkeitserklärung im Jargon.) Eine merkwürdige Thatsache hat sich bei der letzten Unabhängigkeitsfeier des 4. Juli zum erstenmale abgespielt: Die Verlesung der „Unabhängigkeitserklärung", die einen Theil der religiösen Feier bildet, erfolgte in den Synagogen und Versammlungen des Rew-Aorker Ghettos im Jargon, damit der Text von allen verstanden werden könnte. Hierbei soll ferner bemerkt werden, daß „die Constitution der Vereinigten Staaten" schon seit mehreren Jahren in den Jargon übertragen, zur Kenntniß der jüdischen Bevölkerung gebracht wird, natürlich nur der älteren, welche der englischen Sprache nicht mächtig ist. Für die jungen Leute und die die Schule besuchenden Kinder der Eingewanoerten ist die Uebertragung nicht nothwendig. Afrika. Algier. Hier ist seit langem eingeführt, daß bei Gelegenheit des Nationalfestes am 14. Juli die oberste Schulbehörde die besten Schüler jeder Anstalt durch Geschenk eines Sparkastenbuches auszeichnet. Die Antisemiten, die jetzt auch in der Schulbehörde das größte Wort führen, wollen aber den jüdischen Schülern diese Auszeichnung nicht zu Theil werden lasten und kommen dabei mandjmat seltsam tu die Enge, wie folgender Fall lehrt. In einer Müochenschule hatte die Vorsteherin 5 Kinder für diese Auszeichnung genannt, aber bei der Feststellung des Nationale ergab es sich, daß von dtesen fünf nicht weniger als drei Jüdinnen waren. Daraufhin wandte sich die antisemitische Behörde an die Schulvorsteherin mit dem Gesuch, ihr andere fünf Kinder zu nennen. Die Vorsteherin antwortete darauf, zwar seien die genannten fünf Schülermnen die des Geschenkes würdigsten Kinder, da die Behörde indeß noch andere Namen zu erhalten wünsche, so nenne sie diejenigen fünf Schülerinnen, in die ihren Leistungen den ersten fünf am nächsten kommen. Die Schulbehörde, sehr erfreut, prüfte die neuen fünf Namen, aber 0 weh! alle diese fünf sind Jüdinnen. Tableau! M e s 0 p 0 t a m i e n. Bagdad Im August trifft hier eine von der deutschen Bank in Berlin ausgeschickte technische Commission ein, um Terrainstudien in Betreff des Baues der projectirten Euphratbahn, welche diese Bank capitalisiren will, zu machen. Es liegen nämlich diesbezüglich zwei Projekte vor, das eine wünscht, daß diese Bahn längs des ThaleS des Tigris lbpnn ,2'^) gebaut werde, während das andere wieder das Thal des Euphrats cn» geeigneter für einen Schienenweg hält. Wird nun das erstere Projekt angenommen, dann^wird die zBahn über Mostul cryj) gebaut

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.