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Der Israelit · 1899-08-03 · Heft 61 (3.8.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 61 (3.8.1899)
Date
1899-08-03
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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1SV0 LettimgSirachrrchte« tmb Correspondenze« Deutschland. Köln, 31. Juli. (Verein zur Verbreitung undFörderung derHandwerke unter den Juden.) Die Einweihungsfeier des neuen Lehrlingsheims vollzog sich in recht würdiger Weise. Zu derselben batten sich Mitglieder des Vorstandes der hiesigen Synagogengemeinde, der Vorstand des Vereins zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden aus Düsseldorf und Köln, die Herren Rabbiner, Stadtickulralh Dr. Brandenberg, der Direktor der gewerblichen Fachschule Dr. Romberg, viele Freunde und Gönner des Vereins sowie die Gehülfen und Lehrlinge eingefunden. Mit dem von dem Gefangchor unter der vortrefflichen Leitung des Kantor Blumenthal wirkungsvoll vorgetraqenen Choral „Der Herr ist mein Hirt" wurde die Feier einaeleitel, worauf Herr Rabbiner Dr. Frank die Weiherede hielt. Der Vorsitzende der Kölner Abtheilung des Vereins, Herr Dr. Auerbach, hielt die Festrede, in der er sagte: Das Haus verdanke seine Entstehung nicht der momentanen Herzensreaung der Philanthropen, auch nicht dem plötzlichen Entsetzen über das aus der Straße und im Hause herrschende Massenelend und der dadurch bedingten Gewiffensschärfung der Begüterten; es sei das vorläufige Ziel eines feit einem Jahrzehnt planvoll durchgeführten Streben-, es stelle gleichsam eine feste Station auf einem für die Kultur unternommenen Eroberungszuge dar, von der aus weite Gebiete erschlossen und mehr Menschen unseren Bestrebungen gewonnen werden sollen. Und wenn immer mehr jüdische Knaben sich dem Heim zuwenden, so erblicke man darin einen Beweis für die sozialen und moralischen Fortschritte der armen Glaubensgenossen und vor allem einen Beweis für deren erstarkendes Selbstvertrauen im wirthschaftlichen Kampfe. Man wolle nicht gegenwärtige Roth lindern, sondern zukünftiger Vorbeugen. Wenn der Verein es für eine verdienstvolle Aufgabe erachte, die jüdische Jugend mehr als es bisher der Fall war, dem Handwerk und dem technischen Beruf zu gewinnen, so geschehe dies nur im eigensten Interesse der Jugend; im Interesse ihrer sozialen und ethischen Zukunft suche man die Knaben, die gemäß ihrer Veranlagung, Vorbildung und ökonomischen Verhältnisse im Handwerk und in der Technik die besten Aussichten haben, diesen Berufsarten zu gewinnen. Sie sollen an den richtigen Platz gestellt werden, um entweder als kleine einfache Handwerker, als Kunsthandwerker oder Techniker, eine geachtete Lebensstellung zu erwerben. Der Redner verbreitete sich dann über die Art und Weife der Erziehung der Zöglinge und die Lage des Handwerks. Herr Rabbiner Dr. David-Düsseldorf überbrachte in Vertretung des Vorsitzenden, Herrn Stadtverordneten Dr. Herzfeld, die Glückwünsche des Düsseldorfer Vereins und verbreitete sich sodann mit Hinweis darauf, daß der Verein die Schöpfung eines Priesters der Religion (Dr. Wedell s. A.) war, über den inneren Zusammenhang zwischen Religion und Humanität. Der Redner schloß mit der Aufforderung, daß das Heim eine Stätte der Arbeit und Gottesfurcht werde, und daß die Jünglinge zu Männern erzogen würden, die treu ihrem Gotte, ihrem Könige und Vaterlande und treu gegen sich selbst seien, und die dem ganzen Stande und dem Verein Ehre machten. Herr Direktor Romberg überbrachte seine Glückwünsche zu der Fertigstellung des Lehrlingsheims, erbot sich als Mitarbeiter und hob hervor, daß das heute ins Leben tretende Werk zu den besten humanitären Bestrebungen unserer Zeit zähle. Um 2 Uhr fand dortselbst die General-Versammlung des Vereins unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Auerbach statt. Aus dem Geschäfts- Bericht ist zu erwähnen, daß auch im abgelaufenen Jahre außer den Mitglieder-Beiträgen namhafte Beträge dem Vereine zugewendet wurden; erfreulicherweise ist auch in manchen Orten ein Zuwachs an Mitgliedern zu verzeichnen, der den erfolgreichen Bemühungen der Vertreter, besonders in Dortmund, Duisburg, Esten, Gelsenkirchen und Hagen zu danken ist. Da die Rechnung in Ordnung befunden, so wurde dem Vorstande Decharge ertheilt. Es wurde beschloffen, ein Komitee zu wählen für die Revision der Statuten zur Erlangung der Rechtsfähigkeit nach den Vorschriften des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches. Später fand in den Räumen der Rheinland-Loge ein Festessen statt. Belgien. Brüssel. (Antisemitismus in Belgien.) In Belgien hat die klerikale Partei einen Sturm des Volkszornes heraufbeschworen. Sehr charakteristisch für diese Partei ist die folgende Aeußerung des belgischen Führers der Progressisten Dr. Lorand: „Eine eigentlich antisemitische Partei gibt es in Belgien nicht, doch vertreten viele Ertrem-Klericale der Majorität den Antisemitismus. Die Regierung hat selbst mehreren Juden die Naturalisation verweigert, wasZin Belgien vorher nie der Fall war. Ich habe in} der Kammer gegen diese Ungerechtigkeit protestirt, und man hat meine Stimme hören müssen."

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