Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-08-03 · Heft 61 (3.8.1899) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 61 (3.8.1899)
Date
1899-08-03
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449010--48774-2499182
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1288 -u zeichnen, die Offenbarung und der Zusammenhang der mündlichen Lehre mit der schriftlichen wäre zu besprechen. Eine Reihe von Vorträgen hätten das religiöse Pflichtenleben darzustellen und den tiefen, sittlichen und sinnbildlichen Gehalt der n® klarzulegen. Es wird auseinanderzusetzen sein, wie sich das Verhältniß der Gotteslehre zum Gottes-Volke in den verschiedensten Phasen der jüdischen Geschichte gestaltete. Männer, die in solchem Geiste zu wirken im Stande wären, dürfte es auch unter den gesetzestreuen Rabbinern der Gegenwart geben, Männer, die sich durch die genialen Schriften Hirsch's anleiten ließen, das Judenthum zu bewußter Weltanschauung in sich aufzubauen und die von dem unvergeßlichen Begründer dieses Blattes Rabb. Dr. Lehmann gelernt haben, die großen Gedanken jüdischen Geisteslebens in volksthümlicher, allgemein verständlicher Sprache mitzutheilen. Es wäre neben dieser Agitationsihätigkeit durch das freie Wort zweckmäßig, auch durch die Schrift für unsere Ideale zu wirken. Man wird da solange immer wieder auf die Meisterwerke von Hirsch und Lehmann zurückgreifen müsien, bis Gleichwertiges geschaffen ist. Eine Sammlung der im schwer zugänglichen Jeschurun zerstreuten Aufsätze Rabbiner Hirsch's wäre zu diesem Zwecke erwünscht. Es ist eingewandt worden, daß die eigenartige allzu persönlich gefügte Stilweise der Hirsch'schen Schriften sie daran hindern, Volksbücher zu werden. Man könnte daher den Versuch empfehlen, die goldnen Gedanken Rabbi Hirsch's in einfacherer und populärer Form dem Volke darzureichen. Die Darstellung darf natürlich an Frische und Ursprünglichkeit, an glühender Begeisterung und lebendiger Eindringlichkeit nichts einbüßen, sie hat sich in fließender und durchsichtiger Diktion zu bewegen und unter Weglassung delaillirter etymologischer Deutungen einen klaren, scharf umgrenzten Abriß seiner grandiosen Auffassung von Lehre und Geschichte des Judenthums zu geben. Eine solche Schrift wäre die angemessenste Einleitung und Einführung in die Werke des großen Meisters und würde zu ernsterem und verständnißvollem Studium des Choreb und des Pentateuch-Commentars anregen. Ich selbst habe schon vor ca. fünf Jahren in meinen in dem engen Rahmen eines Vortrags sich bewegenden Schriftchen „Das Judenthum und seine Bedeutung", den Versuch hiezu gemacht. Für heute begnüge ich mich mit dieser Anregung. Ich brauche nicht erst zu sagen, daß ich mit Freuden solchen Aufgaben meine schwachen Kräfte widme. Wir sind ein öw m; mit dem Heimgang des theueren wre rmu Rabbiner Dr. Hildesheimer o an, ist das Gefühl unserer Verwaisung und Vereinsamung in unseren Herzen mächtig geworden. Der großen Führer beraubt, muß die kleine Schaar der bwi' aus der Hut sein und in gewissenhafter Treue ihre schwere Pflicht erfüllen. Ein Stück des Arbeitsfeldes ist hier gezeigt. und zu einem Wirken gemahnt, zu dem uns auch der ergreifende Schofarhall des Elulmonats mit seinem herzgewinnendem Programm hhi mn^ „Meinem Gotte gehöre ich an" aufruft. Wie der Talmud von Rabbi Jehuda Hanassi erzählt, daß er einst vor der Eröffnung seines Thoravortrages im großen Lehrhause sich also an die Hörer gewandt: „Seht ob sich die ganze Gemeinde versammelt hat? bnpn bs 1DJ3T* dk itn so wende sich im gleichen Geiste der Sammelruf des Elulmonats an die Getreuen vom Hause Israel, mit der Mahnung, die verlorenen Brüder dem alten Glauben wieder zuzuführen. Gefahrvoll und sorgenschwer ist die Zeit. Herbstesschauer entlauben den alten Israelstamm. Doch feiert nicht gerade unter Herbstesstürmen unser Volk sein religiöses Neujahr? Fühlt es sich nicht zu neuem Leben grade in der Jahreszeit erweckt, wo die Natur zum Winterschlaf sich rüstet, und führt das Neujahrsfest mit seiner verjüngten Glaubenstreue nicht hin zum Tage der Versöhnung um m und leitet ein mit Vergebung gekröntes Leben, nicht zu der srohgemuthen Ueberzeugung, daß auch in bangen Winternächten die lieblichen Hütten <msio) der göttlichen Gnade ihr schirmendes Dach über uns breiten?- ZeitrmgSrrachrichterr und Eorresporrdenzerr Deutschland. Berlin, 31. Juli. Harmlose Deutsche ahnen gar nicht, wie weit der Einfluß der Alliance Jsraelite und die daraus folgende Verjudung Deutschlands reicht. Daß Kunst und Literatur, Handel und Gewerbe, Presse und Theater, Liberalismus und Centrum, Sozialdemokratie und Regierung dem Judenthum dienstbar sind, haben wir unzählige Male in den antisemitischen Blättern lesen können. Jetzt kommt man mit einer neuen Enthüllung, die fast erschreckender ist als alle anderen. Die Mode wird den Deutschen von den Juden diktirt! Die „Deutschsozialen Blätter" des Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg stellen im Anschluß an Drumont fest, daß die verflossene Mode der Glücksschweinchen und die der Tournüren von den Juden den Ariern aufgedrungen worden ist. Aus Eigenem fügt dann ein „alter Burschenschafter" in dem Antisemitenblatte folgende Entdeckung hinzu: „Der eigentliche Zweck dieser Zeilen geht dahin, auf eine Mode bei uns aufmerksam zu machen, die die studentische Welt ergriffen hat und offenbar auf solchem jüdischen Einfluß beruht, eine Mode, die so häßlich, so abscheulich, so widerwärtig

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.