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Der Israelit · 1899-07-31 · Heft 60 (31.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 60 (31.7.1899)
Date
1899-07-31
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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WWWWWffWWWWMWWffMWWWWMMW^? 1275 Zeitttttgsttachrrchte« ttttfc Corresponderrzen Deutschland. Reydt, 24. Juli. In der Sitzung der Stadtverordneten beschäftigte man sich mit der im April dieses Jahres beschlossenen Einschränkung im hiesigen Schlachthause. Nach dem damaligen Beschluß durften die hiesigen israelitischen Metzger wöchemlich je ein Stück Großvieh und ein Stück Kleinvieh schächten. Die Metzger haben sich beim Minister dagegen beschwert; dieser erklärte sich jedoch in der Frage unzuständig und verwies sie auf den Weg des Verwaltungsstreitsverfahrens. Alsdann haben sie eine neue Beschwerde an die Stadt gerichlet, in welcher sie ausführten. daß sie durch diesen Beschluß thatsächlrch auf Kosten ihrer auswärtigen Konkurrenz geschädigt würden, da in M. Gladbach, Krefeld rc. derartige Einschränkungsverbote nicht bestehen. Die Schlachthofkommission schlägt nun vor, ausnahmswerse jüd. Metzgern, die größeren Bedarf an geschächretem Fleisch haben, zu gestatten, das Fleisch von Thieren einzubringen, die in einer Entfernung von mindestens 5 Kilometer von der R^ydter Stadtgrenze geschächtet worden sind. Dieser Vorschlag wird nach langer Debatte mit dreizehn gegen sieben Stimmen genehmigt. Ktzkitz, 25. Juli. Nach langem Streben unseres w. Synagogen-Vorstandes gelang es ihm, unsere Synagogengemeinde von der Gemeinde in Wittsiock zu trennen und die Gemeinden Pritzwalk, Wusterhausen a. d. D. und Meyenburg zu unserer Gemeinde zu schlagen, wodurch letzterer die üblichen Corporationsrechle von der königlichen Negierung zu Potsdam ertheilt werden. Aus Anlaß des erwähnten Falles sah sich unser Vorstand veranlaßt, an den Bau eines Gotteshauses heranzugehen und gelang es ihm auch e n dazu sehr passendes Grundstück käuflich für M. 12 000 zu erwerben und beabsichtigt er in den nächsten Tagen mit dem Neubau zu beginnen. Schweiz. St. Moritz-Bad. 27. Juli. Am 25. d. M. hatte der rühmlichst bekannte Docent am Berliner Rabbiner-Seminar, Herr Doctor A. Berliner die Ehre einer fast einstündigen Audienz, bei dem hier zur Kur weilenden Großherzog von Baden. Wir erfahren hierüber folgende interessante Einzelheiten, aus autentischer Quelle. Der hohe Herr hatte die Geschichte der Juden in Rom von Doctor Berliner mit herzlichem Dank angenommen und den Autor um die Details seiner Forschungen und Reisen mit sichtlichem Interesse befragt. Insbesondere interessirte es den Großherzog, ob die Richtung der Forschungen die Gleiche sei wie die Georg Ebers, - und mit nicht geringerem Interesse folgte er den Schilderungen aus dem jüdischen Leben in Italien, vor allem in Livorno und Rom. Von besonderer j Bedeutung war aber die Audienz durch die Aeußerungen des Fürsten über die schwebenden Zeitfragen. Es liegt in der Natur der Sache, daß diese Aeußerungen nicht wörtlich publizirt werden können. Aber so viel darf wohl, ohne die Discretion zu verletzen, gesagt werden, daß der Großherzog, dessen Humanität und Toleranz bekannt sind, mit hoher Anerkennung von den Juden in Deutschland sprach insbesondere von denen in Baden, die seiner besonderen Fürsorge sich erfreuen; daß er die Bedrückungen und Leiden unserer Glaubensbrüder in den Ländern des Ostens lebhaft beklagte und daß er das Treiben der Partei, die den Judenhaß aus ihre Fahne geschrieben, mit voller Schärfe verurtheilte. „Sie wird nicht mehr schaden; denn sie hört auf und verschwindet!" So lautete der Spruch des hohen Herrn über jene Bewegung. Dann erkundigte sich der Großherzog noch nach den Berliner Gemeinde-Verhältnissen, erzählte von seinem Besuche in der Synagoge in Amsterdam, ließ sich von Doctor Berliner die besonderen Verhältnisse der jüdischen Separatgemeinden in Berlin und Karlsruhe, der jüdischen Hochschulen und Seminare eingehend schildern. Mit großem Interesse waren namentlich die Aeußerungen des Fürsten über den Zionismus, da man ihn ja bekanntlich als einen besondern Gönner dieser Bewegung auszugeben versucht hat. Aber es ging aus diesen Aeußerungen mit voller Klarheit die Thalsache hervor, daß der Großherzog die Frage einzig und allein im Sinne der Colonisation Palästina's, als eine Zufluchtsstätte für die unglücklichen Juden des Ostens aufzufassen geneigt war. Rach mehr als 3/4 ftündiger Unterhaltung verabschiedete sich der Großherzog von Herrn Dr. Berliner in der gütigsten und leutseligsten Weise. So ist auch diese Audienz ein neues Zeugniß für den humanen und edlen Sinn des badischen Fürsten, den die Vorsehung noch lange erhalten möge, zum Heile seines und des gesummten deutschen Vaterlandes. S. T. Kurgast in St. Moritz. England.? London. Die jüdischen Zeitungen bringen einen Aufruf für die jüdische Gemeinde in Sevilla. Es haben sich dort eine Anzahl von Juden aus Tanger und anderen marokanischen Städten niedergelassen. Es sind ca. 30 Familien mit 220 Seelen, welche sich vom Handwerk und Kleinhandel mühsam ernähren. Sie haben weder eine Synagoge noch eine Schule noch selbst einen Begräbnisplatz. Die Kinder wachsen auf ohne das geringste zu lernen. Schon ganz jung werden sie dazu benutzt, auf den

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