Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 60 (31.7.1899)
- Date
- 1899-07-31
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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1270 sammlung der Mitglieder der Pinkassynagoge beschlossen hat, in keine Fusion mit den anderen Synagogen einzugehen, somit auch nicht das Synagoamvermögen der Repräsentanz zum Baue neuer Bethäuser zu übergeben. -£*• Vermischtes. < Eöln «hrenfeld Im Lause der jüngsten Woche hat sich in der hiesigen Gemeinde eine Vereinigung junger Leute unter dem Namen □mro rron gebildet. Dieselbe beabsichtigt: Hebung der Geselligkeit, Pflege der Freundschaft und Verbreitung allgemeinen Wissens und speziell jüdisch-religiöser Kenntnisse. Von den Beitragsgeldern beabsichtigt der Verein nach Möglichkeit und Nothwendigkeit Zur Verschönerung des derzeitigen Bethauses beizutragen. Möge die junge Vereinigung in der jungen Gemeinde sich eines guten Gedeihens erfreuen, an Mitgliedern wachsen und Imstande sein, die angestrebten Ziele nach Wunsch zu erreichen! Wiesbader», 18. Juli, Zwei hiesige Damen christ licher Religion, die Schwestern Louise und Adelheid Hauth, haben in ihrem heute eröfsneten Testament neben erheblichen anderen Legaten auch den israelitischen Unterstützuugsvereiu mit 5000 M. bedacht. Jerusalem Nach dem 28. Halbjahr. Rechenschasts bericht hatte das „Altersasyl 2L^I2" eine Einnahme von 25 693 FrS. und eine Ausgabe von 28 084 Frs. Feuilleton. iebet eure deinde. // -».-er-.»- «lue apologetische «rzähluug. -Y--»- »- Von Arnold Hann 33) Nachdruck verboten. Wegner selbst hatte den Pfarrer kaum noch angehört; er war so außer sich, daß er gar nicht den Weggang des Geistlichen zu merken schien. Erst nach einer ganzen Weile, während deren er immer in der Stube auf und abgeschritten war, blieb er stehen und starrte zu der Thüre, durch die Tettenborn gegangen. Da kam cs über Wegner wie ein ungeheurer Trotz, er ballte die Faust und, indem er sie einige Male durch die Luft sausen ließ, zischte er mit zusammengebissenen Zähnen: „Nun gerade-!" Und dabei blieb es. Von Tag zu Tag wurde Wegner tiefer und tiefer von seinen wahnsinnigen Rachegedanken überwältigt. Sie wurden ihm zur fixen Idee, die ihn verfolgte, wo er ging und stand, die in ihm kochte und gährte und ihn körperlich wie seelisch immer weiter verkommen ließ. Bis ins Maßlose steigerte sich bei ihm dieser Zustand dadurch, daß er auch in jener zweiten Kunst, welche Biesfeld und Görbig ihn gelehrt hatten, im Trinken nämlich, allmählig merkliche Fortschritte aufwies. Schon zur Zeit, als die Wahlen stattfaudeu, halte Wegner über feine Kneipereien, die sich für ihn jedesmal au seine politischen Berathungen knüpften, sein Geschäft völlig vernachlässigt. Er wurde schließlich Gewohnheitstrinker, Tag und Nacht lag er in Gollheimer Wirthshäusern, manchmal gab es für ihn im Laufe der Woche nur wenige Stunden, in denen er niichtern war, der Zustand des Vetrunkmseins wurde für ihn allmählig die Regel. Auch äußerlich ließ er sich gehen, seine Kleidung vernachlässigte er, die Pflege seines Körpers, die ihm von seiner Solvatenzeit her in Fleisch und Blut übergegangcn war, gab er völlig auf, fein Antlitz nahm eine unnatürliche Rothe au, der früher so wohlgepflegte Schnurrbart hing ihm in wirren Strähnen um'die Lippen, aus Wangen und Kinn aber wucherten ihm die Bartstoppeln in wilder, abstoßender Regellosigkeit — alles in allem das Bild eines völlig verkommenen Menschen! Bei all dem jedoch konnte man ihn nicht etwa für unzurechmlngsfähig halten. Er war sich seines Zustandes sehr wohl bewußt, und es war nicht zum Wenigsten der Zorn über sich selbst und die Unzufriedenheit mit sich selbst, die den Groll gegen Feist in ihm nährten und großzogen. Es war bei ihm zur Manie geworden, sich in allem und jedem mit dem Juden zu vergleichen. Es mochte das ein natürlicher Rest der jahrelangen Freundschaft sein, die ihn mit Feist verbunden hatte, ein unausrottbares Gefühl der Sehnsucht, welches sogar in Zeiten des Hasses und der Feindschaft mit schwachen, unsichtbaren Fäden zu dem Jugmdgmossm hinüberführte un) schließlich in Eifersucht ausartete, wenn er selber bei solchen Vergleichen dm Kürzeren zog. Was heißt das? so grollte er in sich hinein, wenn es mir schlecht geht, soll's ihm auch schlecht geh'n. Er darf nicht reich werden, wenn ich verarme, darf kein Glück haben, wenn mich das Pech verfolgt! So hatte er sich selber zu jener wüthenden Hetze gegen Feist immer weiter ausgestachelt, deren betrübendes Resultat die Trennung Feist's tion seiner Familie, seine Auswanderung nach Amerika war. Aus diese Weise erklärte sich nun auch die Wuth Wegner's über diese Abreise. Sie erschien ihm wie eine Flucht. Er bildete sich ein, daß Feist die verdammte Pflicht und Schuldigkeit hatte, ruhig abzuwarten, bis er seine Rache völlig gekühlt haben würde. Je deutlicher er daher in dm folgenden Monaten die Empfindung hatte, daß es mit ihm geschäftlich, körperlich und moralisch mit Riesenschritten bergab gehe, um so tiefer senkte sich ihm auch der Stachel der Eifersucht inWie Brust, Es war für ihn nicht Zweifel-