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Der Israelit · 1899-07-31 · Heft 60 (31.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 60 (31.7.1899)
Date
1899-07-31
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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1269 statt und endete mit der Verurtheilung von zehn Angeklagten zu einem Monat Kerker. Die Verhandlung warf ein grelles Licht auf die durch gewissenlose Hetzer großgezogenc Verrohung und Verdummung des in der Nähe von Wien lebenden Landvolkes. Während der Verhandlung nahmen die Gerichtssunktionäre des festeren Gelegenheit, der Empörung und des Abscheus Erwähnung zu thun, die ein zu solchem Irrwahn geleitetes Volk bei jedem gesitteten Menschen erwecken muß. So meinte Präsident Hofrath Holzinger: „Traurig genug, daß Ihr so dumm seid. Statt den Kindern den haarsträitbcnden Unsinn auszurcdcn, glaubt Ihr selbst daran " Auch Staatsanwalt Dr. v. Kleeborn kennzeichnete mit treffenden Worten die That und ihre Anstifter. „So bedauerlich", sagt er, „die Rohheit dieser Leute ist, so beschämen) ist der Irrwahn, von dem sie zu ihrer Rohheit veranlaßt wnrdcit. Dieser Irrwahn liefert den traurigen Beweis, daß Aufklärung und Humanität nicht in die untersten Schichten des Volkes gedrungen sind. Wenn mau die Angeklagten hört, könnte mail glauben, man sei Hilnderte von Meilen voll Wien entfernt, oder mau lebe in einer Zeit, die um vierhilndert Jahre zurnckliegc- Es sei tief beschämend, daß ein harmloser Wanderer einige Kilometer vor den Thoren Wiens von Leuten brutal mißhandelt wurde, die im Wahne ivarcn, daß er ein Jude sei, der Kinder schlachten wolle." In Bezug auf die Bemessung der Strafen, meint der Staatsanwalt, man dürfe die Angeklagten iCjrcit Irrwahn nicht zu schwer entgelten lasset!. Dentl das Urtheil wäre hart, welches diese Verleiteten strenge bestrafen würde, während die Verteiler, zwar von der Entriistung aller Niedlichen getroffen, sich dem strafenden Arm der Gerechtigkeit zu entziehen wissen. Wien. Bekanntlich hat die selige Baronin Hirsch noch bei Lebzeiten eine Stiftung von drei Millionen Francs für Galizien begründet und dieselbe dann testamentarisch mit einem Legat von zwei Millionen Francs beschenkt, damit von deren Zinsen die Hälfte zur Errichtung von Arbeits- und Wirthschaitsfchulen für jüdische Maschen verwendet werde. Diese Stiftung ist bereits behördlich genehmigt und wird zu Beginn des nächsten Schuljahres ins Leben treten, lieber die Organisation dieser Schulen, die man vorläufig nur in Tarnow, Kolonien und Stanislau, wo aui Kosten der Baronin entsprechende Gebäude bereits errichtet wurden, eröffnet werden, ist in der Sitzung des Curatoriums der Baronin Hirsch'schen Schulstiftung ein Regulativ beschlossen worden, dessen wichtigste Bestimmungen lauten: 2. Aufgabe dieser Anstalten wird sein: 1. Junge, kräftige Mädchen zu tüchtigen Dienstboten heranzubilden, welche in einem Curse das Kochen, Waschen, Plätten, Nähen und alle sonstigen häuslichen Verrichtungen zu erlernen haben. 2. Die geeigneteren und geschickteren derselben durch Beibringung der erforderlichen Fertigkeiten in Kleider-, Weißnähen und Maschinenstickerei erwerbsfähig zu machen. § 3. Dieser Zweck wird verfolgt; a) indem die zu heranbildenden Dienstboten bezw. Köchinnen u. s. w. in bürgerlichen Häusern in den Vormittagsstunden behufs praktischer Erlernung des Kochens und aller einschlägigen Verrichtungen beschäftigt und in den Nachmillagsstunden in der Stiftungsanstatt durch geeignete Näherinnen im Weißnähen, Flicken, Stopfen, Sticken re., in den Abendschulen durch Volksschullehrerinnen resp. Lchrer im Lesen, Schreiben, Rechnen unterrichtet, ferner periodisch im Waschen, Rollen, Plätten durch tüchtige Wäscherinnen unterwiesen werden; b) indem die geeigneteren Mädchen im Kleider-, Weißnähen und Maschinenfticken unterrichtet werden, so daß sie nach Erlernung dieser Fertigkeiten dieselben im Hause als Schneiderinnen, Näherinnen oder Maschinenftickerinnen ausüben können." Es folgt noch eine Reihe weiterer Paragraphen, in denen die Bildung vvn Frauen-Komitees, die Frage der Schulaufsicht, der Aufnahme u. s. w. geregelt wird. Möge diese neue Institution, deren Hauptzweck die Befähigung der Mädchen aus den ärmsten Schichten zu selbstständigem Erwerbe ist, recht segensreich wirken. HoUeschau, 24. Juli. (Der erste jüdische Militär-Vetera neu- Verein in Oesterreich.) Aus Grund der von der k. k. mährischen Statthatterei genehmigten Statuten hat sich dieser Tage hier der erste jüdische Militär-Veteranen-Verein in Oesterreich constituirt. Der Verein bezweckt unter Anderem die Wahrung der militärischen Berufstreue, die Bethätigung des Patriotismus und die Unterstützung kranker und hilfsbedürftiger Mitglieder In allen Kreisen unserer Gemeindemitglieder herrscht reges Jnteresie für diesen Verein und selbst von außerhalb melden sich täglich active und unterstützende Mitglieder, so daß ein Aufblühen desselben zu gewärtigen ist. Viele Corporationen und Persönlichkeiten haben theils durch Subventionen, theils durch Mitgtiedsbeiträge ihre Theilnahme für den Verein bekundet. Prag. Die „Gemeindezeitung" schreibt : Auswärtige jüdische Blätter bringen die Nachricht, daß sich die Vorsteher der fünf Synagogen und zwar der Neusynagoge, der Zigeunersynagoge, der Pinkassynagoge, der Hochsynagoge und der Großen Hofsynagoge dahin geeinigt haben, einen eventuellen Neubau der Cultusrepräsentanz als solcher zu überlassen und das gesammte Vermögen der einzelnen Synagogen der Repräsentanz zum Baue neuer Beihäuser zu übergeben. Entgegen dieser Nachricht sind wir in der Lage, bestimmt zu erklären, daß die Generalver-

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