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Der Israelit · 1899-07-31 · Heft 60 (31.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 60 (31.7.1899)
Date
1899-07-31
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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1268 Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen. Deutschland. Hamburg. Dem Bericht des Altenhauses der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg für die Jahre 1896—1898 entnehmen wir: Das vergangene Jahr war für die Weiterentwickelung unseres Instituts von eingreifender Bedeutung, da am 3. November mit dem bereits längst geplanten Erweiterungsbau begonnen wurde. Für die Ausführuug des Baues, sowie die neu anzuschaffende innere Einrichtung des neuen Gebäudes, sind ca. Mk. 100.000 erforderlich, zu deren Deckung nicht nur der bisher angesammelte Baufonds völlig absorbirt wird, sondern auch der Capitalfonds in erheblicher Weise in Anspruch genommen werden muß. Hierdurch erleidet unsere Anstalt eine beträchtliche Reduction der bisherigen alljährlichen Zinseingänge, so daß uns leider zum weitaus größten Theil die für den Betrieb unserer vergrößerten Anstalt ausreichenden Mittel fehlen, welche für die Verpflegung der in die neu gewonnenen Zimmer aufgenommenen Jnsaffen erforderlich sind. Um nun nicht dem ausgesetzt zu sein, nach beendetem Neubau leeren Zimmern gegenüber zu stehen, in dem angesichts der verfügbaren Räume doppelt schmerzlichen Gefühl, den sich zweifellos zahlreich meldenden Personen die Aufnahme lediglich aus Mangel an Mitteln für ihren Unterhalt verweigern zu müffen, richten wir Namens aller derjenigen, deren ganzes Bestreben darauf gerichtet ist, der Segnungen unserer Anstalt theilhaftig zu werden, an den so oft erpropten Wohlthätigkeitssinn, unserer Mitbürger die dringende Bitte, uns die Freude bereiten zu helfen, das vergrößerte Altenhaus seiner Bestimmung übergeben und sämmtliche Zimmer mit Pfleglingen besetzen zu können. Die Zahl der innerhalb der letzten drei Jahre in der Anstalt befindlichen Pfleglinge betrug im Durchschnitt 21. Die Gesammtkosten betrugen im Jahre 1896 Mark 15,844.35, 1897 Mk. 15,208.86, 1898 Mk. 15,525.66. Hamburg, 25. Juli. Die Bestattung des langjährigen Vorstandsmitgliedes des Synagogen- Verbandes, des Herrn M.M. Heilbut, Seniorchefs der bekannten Fonds- und Wechselmaklerfirma A. u. M. Heilbut, fand gestern Nachmittag 2 Uhr vom Sterbehause, Grindelhof 7, unter großer Beiheiligung statt. Zugegen waren u. A. die Herren Gemeindevorsteher M. W. Hinrichsen, Jos. Schönfeldt u. s. w., sowie der Vorstand des Synagogenverbandes und zahlreiche Deputationen von WohlthätigkeitSvereinen, deren Vorstand der Verstorbene angehörle. In Vertretung des Oberrabbiners, der sich auf Urlaub I befindet, widmete Herr Rabbinatsverweser Dr. S. P. Nathan dem Dahingeschiedenen im Sterbehause einen warmempfundenen Nachruf. Anknüpfend an die Worte der Schrift: „Der Ewige vergelte Dir Deine Wohlthaten und es sei Dein Lohn vollkommen von dem Allmächtigen" (Ruth 2, 12) schilderte der Redner das langjährige, segensreiche Wirken des Verstorbenen im Gemeindeleben, der, einer alten Hamburger Familie entstammend, längere Zeit dem Vorstande des Deutsch-Israelitischen Waiseninstituts angehörte und 31 Jahre hindurch das Ehrenamt eines Vorstehers der „Beerdigungs-Brüderschaft der Deutsch- Israelitischen Gemeinde" bekleidete. Sodann setzte sich der Leichencondlitt, der aus vielen Equipagen und Fußgängern bestand, nach dem israelitischen Friedhof am Zweiten Durchschnitt in Bewegung. Hier angekommen, widmete Herr Slistsrabbiner H. Weiß im Namen der Beerdigungs-Brüderschaft dem Verstorbenen einige Worte des 'Nachrufs. Nachdem dann noch Herr Dr. H. V. Levy als persönlicher Freund des Dahingeschiedenen seiner großen Wohlthätigkeit gedacht halte, wurden die irdischen Ueberreste unter Absingung der rituellen Gebete in die Gruft gesenkt. Der Verstorbene, der sich als Wechselmakler an der Börse einer großen Beliebtheit erfreute, erreichte ein Alter von 73 Jahren. Hamburg, 25. Juli. 39 mittellose israelitische Rückwanderer sind anr Samstag Abend mit dem Hamburger Dampfer „Viola" von London nach hier gebracht worden. Das israelitische HülsSeomitö nahm sich der bedauernSwcrthen Leute an, indem es dieselben einstweilen in einem Logirhause unterbrachte. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Wien, l,. Juli. (Das Blut Märchen in Wien.) Vor einem Monat wurde aus der Reichsstraße nächst Wiener-Reudorf, tvenige Kilometer von Wien entfernt, der auf der Wanderschaft befindliche französische Arbeiter Valentin Rousseau voll einer Schaar Ziegelarüeiter überfallen, wehrlos gemacht und in unmenschlicher Weise mißhandelt. Die Veranlassung dieses Gewaltstreichs bildete, wie das „N. Wiener Tagbl." hervorhebt, die in letzter Zeit systematisch betriebene Verbreitung des Blutmärchens, in deren Folge die Kinder der Ziegelarbeiter beim Anblicke des fremden dunkelbärtigen Mannes schrieen: „Das ist der Jude, der uns schlachten, der unser Blut nehmen will!" Die Kinder riefen es, und die Erwachsenen eilten auf den Fremden zu, schlugen ihn mit Stöcken, ohrfeigten ihn, rissen ihn zu Boden, traten ihn mit den Füßen, zerbrachen die Pfeifen an dem Kopfe des gegen die Uebermacht Wehrlosen und ließen ihn schwer verletzt liegen. Dieser Tage fand nun die Verhandlung gegen die Arbeiter, welche den Franzosen Rousseau so brutal mißhandelt haben

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