Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1899)
- Date
- 1899-07-27
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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1258 vielleicht von Manchen die Thätigkeit Dr. Hildesheimer» besonders während seines Aufenthaltes in Ungarn, da er seine Jünger in die Geheimnisse der profanen Wissenschaften, Latein, Griechisch und Mathematik einweihte, als eines großen Gelehrten nicht würdig betrachtet, aber wenn man unten stand, auf dem Boden der thalsächlichen Verhältnisse, mußte man anerkennen, daß sein ganzes Wirken im Dienste höherer Interessen stand. Wie wir im Streite zwischen Beth Schammai und Beth Hillel inbezug auf mr\ ui« und wkh mim uns auf die Seite der letzteren stellen, so ist auch das Wirken unseres Rabbi als ein nach vielen Seiten strahlendes Licht zu betrachten. Besonders lange verweilte dann der Redner bei dem Verhältnisse Dr. Hildesheimer's bin zu feinen Schülern, bei seiner Fürsorge oder besser Aufopferung für ihr geistiges und leibliches Wohl, um dann, anknüpfend an die Worte Schiller's: „Gewöhnliche Naturen zahlen durch das, was sie thun, Edle, durch das, was sie sin^", auszufüyren, daß, wenn man auch das Wirken des Verblichenen für die Oeffentlichkeit, für brris" bbv, ganz bei Seite ließe, schon seine Persönlichkeit, das was er war, hinreichen würde, um ihn als einen Markstein in unserem Jahrhundert erscheinen zu lassen. Sein Hauptadel war nur zu erkennen im persönlichen Umgang; nur der konnte ihn so recht schätzen lernen, dem es vergönnt, in unmittelbarem Verkehr mit seiner hohen Persönlichkeit zu stehen. Dr. Wolff wob hier einige markante Züge aus dem Leben des Hingeschiedenen ein, die Zeugniß ablegten von seiner HerzenSgüte und Liebenswürdigkeit gegen Hoch und Rredrig, sowie viele nwri man sowohl »rru* als nruwov aus dem nun verstummten Munde. Er schloß dann mit einem warmen Aptll an die jüngere Generation, zu bewirken, daß lirop n» p'k stp xb) kein le.res Wort bleibe, daß die Arbeit und das Lebenswerk Dr. Israel Hildesheimer's bD dauernden Werth behalte und reiche Früchte trage, da der Ausspruch B'fr D”np onm» :b'err o’pnx nur durch Schüler bestätigt und bewahrheitet werden könne. Der an den Anfang gestellte Midrasch schließe mit der hoffnungsreichen Zusicherung, daß, wie Israel doppelt gestraft wurde, so auch zweifacher Trost ihm erstehen werde: Dieser zweifache Trost könne uns nur fließen aus dem unerschülteilichen Gottvertraucn, das uns nie verlassen wird und aus der Liebe zu ntrnpn wnw die wir al» treue Schüler Dr. Hildesheimer's zu pflegen und zu verbreiten haben. Hierauf erhob sich Rabbiner Salomon Bamberger '"a-Sennheim zu einem kurzen Nachruf, indem er in geistreicher Entwickelung die Worte der letzten Mischna aus Sota < jrnw «nn noxm iokd* «an mii mon anum nusam auf das segensreiche Wirken Dr. Hildesheimer's zur Vertheid'gung von ncmpn umwi notn mjwok anwendete. Auch Dr. Cohn '"a-Bafel hob in einer kleinen Ansprache die Verdienste des Verblichenen um Verbreitung der Thora hervor, indem er besonders den gewaltigen unauslöschlichen Einfluß betonte, den er durch die Macht seiner Persönlichkeit auf die Gemüther aller seiner Schüler und Jünger ausübte. Hiermit schloß die erhebende Gedenkfeier, die auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck machte, um so mehr, als es ohnedies Allen weich um's Herz war. War dies ja die letzte Versammlung im Hause des Herrn Dr. Wolff n. Denn unser wohllöbliches Consistorium hat in seiner unergründlichen Weisheit beschlossen, im nächsten Monat das Rabbiner-Seminar in Colmar eingehen zu lassen, wohl infolge der B.fürchtung, nernpn umw »röchle durch ein längeres Wirken allzutief Wurzel fassen in dem Herzen des jungen Elsaß. Herr Dr. Wolff verläßt im August die Stätte seines langjährigen, segensreichen Wirkens, um die Rabbinerstelle in Schirrhofen zu übernehmen. Herr Dr. Cohn '--Basel sprach sodann im Namen der übrigen Theilnehmer Herrn und Frau Dr. Wolff den innigsten Dank für ihre überaus große Gastfreundschaft aus. Herr und Frau Dr. Wolff scheuten weder Mühe noch Kosten bei jeder Zusammenkunft «aa xvv Von jetzt ab sollen die Zusammenkünfte m« in Straß - bürg stattfinden. Siegen, ^0. Juni. Das letzte Blatt Stöckers, das „Volk," das Anfang dieses Jahres wegen Ueberfluß an Abonnentenmangel von Berlin nach Siegen verlegt wurde, scheint auch hier langsam in die Gefilde der Seligen hinüberzuschlummern. Der „Rhein.- Westfälischen Zeitung" wird geschrieben: „Das hiesige Stöckersche Organ scheint mit Schwierigkeiten kämpfen zu müssen. In großstädtischem Gewände führte es sich kurz vor Neujahr hier ein, und Pastoren, Lehrer und Beamte besorgten monatlich die Verbreitung einer nach Tausenden zählenden Gratisauflage. Umsonst nahmen die Bewohner des Landes das Blatt natürlich gerne, und in seinen Abonnementseinladungen zum 1. April glaubte es denn auf eine Riesenauflage rechnen zu können. Aber der Erfolg blieb aus: als es an's Abonniren gehen sollte, zogen die früheren Gratisempfänger sich plötzlich zurück und hatten plötzlich „genug zu lesen". In der Abonnementseinladung vom 3. Quartal schlug das Organ dann auch weichere Töne an, die in ein dringendes Ersuchen an alle Freunde und Gönner ausklangen, ihr Blatt doch in Bekannten und Freundeskreisen zu empfehlen. Das scheint nicht besonders gezogen zu haben, denn wie das „Siegener Volksblatt" dieser Tage feststellte, wird der Chefredakteur des Blattes, v. Oertzen, von der Redaktion zurücktreten, und nur mehr als gelegentlicher Mitarbeiter figuriren. Seit dem 1. Juni sind auch die tesigraphifchen Drahtungen, die bekanntlich bs-