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Der Israelit · 1899-07-27 · Heft 59 (27.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 59 (27.7.1899)
Date
1899-07-27
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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1250 im Stande, bei chronischen Magenkatarrhen, zumal denjenigen Formen, die auf nervöser Basis beruhen, die Verdauungstüchtigkeit des Magens zu heben und den Appetit zu erhöhen. Jedoch muss dann, wenn die Säureentwickelung des Magens an und für sich eine zu reichliche ist, die Verabreichung von Wein unterbleiben, da er stets grössere Mengen von Säuren aufweist. Ebenso ist in allen acuten Fällen von dem Genüsse des Weissweines abzusehen, da der Alkohol dazu beiträgt, die bereits bestehende Reizung der Schleimhäute zu vermehren. Dagegen macht man von der beruhigenden Wirkung der Gerbsäure in den Rothweinen selbst in acuten Fällen Gebrauch, um Diarrhöen zu lindern. Es ist selbstverständlich, dass man sich nur reiner, unverfälschter Weine bediene, da die Verfälschungen, welche zumeist in Zusätzen von Alkohol, Schwefel, Kalk, Zucker, Weinsäure, Gewürz oder Farbstoff bestehen, den Werth des Weines herabsetzen und danach angethan sind, empfindlichen Verdauungsorganen Schaden zuzufügen. Giebt es doch wohl kein zweites Genussmittel, das Verfälschungen so sehr unterworfen ist, wie gerade der Wein! Es kann darum beim Ankauf dieses Genussmittels nicht genug Vorsicht anempfohlen werden und es erscheint deshalb die Befolgung der religiösen Weisung, Wein nur aus streng ritueller, zuverlässiger Quelle zu entnehmen, nur im Interesse des Konsumenten zu liegen. Dasselbe Gebot erstreckt sich auch auf den Cognac, der ein Produkt des Weines darstellt. Dieses religiöse Gebot umfasst nämlich alle aus Trauben gewonnenen Weinsorten, während es auf die anderen „Obstweine“ und den erst in jüngster Zeit eingefiihrten Maltonwein nicht Bezug hat. Diese Getränke können darum in Fällen, in denen es an einem guten, rituell zuverlässigen Wein mangelt, in ihr Recht treten. Die Obstweine, durch den Gährungsprozess dargestellt aus den verschiedenen Obstsorten, aus Aepfeln, Birnen, Johannisbeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren, sind ein wohlschmeckendes Getränk und haben vor den Traubenweinen den Vorzug, dass sie einen geringeren Alkoholgehalt besitzen. Ihre Wirkung ist wie bei den Weissweinen leicht abführend; nur dem Heidelbeerwein kommt dank seines Gerbsäuregehaltes die entgegengesetzte Wirkung zu. Die Mal ton weine, ein aus Malzwürzen und Rohrzucker auf dem Wege der alkoholischen Gährung gewonnenes Getränk, haben ihrer Abstammung und Darstellung nach die grösste Aehnlichkeit mit Bier, während sie an Alkoholgehalt, an Aussehen und Geschmack den echten Weinen gleichen. Sie haben darum, was ihre Wirkung auf die Verdauungsorgane anbelangt, denselben Werth wie diese und bilden einen zweckmässigen Ersatz für die natürlichen Weine. Die Maltonweine theilen, was ihren Genuss an Pesach anbelangt, mit Bier und den anderen alkoholischen Getränken, die vermittels des Gährungsprozesses aus Getreide hergestellt sind, dasselbe Verbot, dass sie nämlich unter allen Umständen an Pesach zum Gebrauche unzulässig sind. Für die Obstweine dagegen gilt wie für alle anderen aus Erderzeugnissen gewonnenen Getränke nur die Einschränkung, dass sie aus rituell zuverlässiger Quelle stammen müssen, sollen sie ohne Bedenken für dieses Fest zum Genüsse geeignet sein. Es ist selbstverständlich, dass auch die grosse Menge aller jener Präparate, die Alkohol enthalten, wie fast alle medicamentösen Tincturen, Elixire und Parfüms, den alkoholischen Getränken gleichen und darum auch ihre religiösen Bestimmungen theilen. Es ist also religionsgesetzlich nicht statthaft, Magenkranken die in solchen Fällen üblichen Tincturen zu verabfolgen, falls diese Alkohol enthalten. Der Arzt wird für sie in gleichwertigen Heilmitteln, deren Zubereitung die Beigabe von Alkohol nicht erfordert, leicht Ersatz finden. Neben dem Wein kommt für Magenkranke als alkoholisches Getränk das Bier in Frage. Das Bier*) ist unzweifelhaft das verbreitetste alkoholische Genussmittel und stellt ein aus Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser durch Gährung erzeugtes Getränk dar, das sh h durch einen erfrischenden, appetitanregenden Geschmack und auch durch einen gewissen Nährwerth auszeichnet Dieser wird allerdings gewöhnlich überschätzt; in irgendwie erheblicher Weise kommt er eist beim Genüsse grosser Quantitäten von Bier zu Stande. Wennzwar das Bier unter allen alkoholischen Getränken den geringsten Alkoholgehalt, einen geringeren noch als Wein, auf weist, durchschnittlich 4°/0 — reicher an Alkohol sind die Exportbiere — so muss sein Werth für Magenkranke gegenüber dem Trauben wein zurücktreten, weil es ausser Alkohol noch eine Menge von anderen Stoffen, von Extracten, Glycerin, Kohlensäure, Zucker und Hefepilzen, von bitter-aromatischen Bestandteilen des Hopfens, enthält, *) Die alten Juden kannten schon mehrere Abarten von Bier. Im Talmud wird als „medischer Trank“ ein aus Gerstensaft und verschiedenen Gewürzen bereitetes Bier erwähnt. (Pesachim 3. I.) Ebenso wurde aus der Dattelfrucht ein gutes Bier hergestellt, das an Geschmack dem heutigen im Orient bekannten Sclievbet geglichen haben soll.

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