Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 59 (27.7.1899)
- Date
- 1899-07-27
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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WMWMWWWWWWWWMW XX. Jahrgang. Erste Beilage ju M 59 des «Israelit". Leitender Artikel« Die Nabrnng des gesunden n- Men Magens- Znr Verhütung und Linderung von Magenkrankheiten. Mit besonderer Berücksichtigung der jüd. Speisegesetze. Von Dr. P. Münz, pract. Arzt, Nürnberg. (Fortsetzung. *) Je reicher an Alkoholgehalt irgend ein Getränk ist, desto schädlicher erweist es sich füglich für die Verdauungsorgane. Deshalb ist auch der Genuss von Branntwein, weil er unter den Getränken die grössten Mengen von Alkohol, durchschnittlich 50—75 o/o, enthält und nebenbei ihm gar oft das schädlichere Fuselöl beigemengt ist, ftir Magenkranke am verwerflichsten. Der Branntwein wird aus den verschiedensten Stoffen gewonnen. der echte Cognac aus Wein, der Rum aus Rohrzucker, der Metli aus Honig, der Arrac aus Reis, der Slivowitz aus Zwetsclien, der Kornbranntwein aus Roggen, der Kartoffelschnaps aus Kartoffeln, Kirschwasser aus Kirschen u. s. f. Ebenso stellen die im Handel vorkommenden Liqueure nichts anderes dar. als Abarten des gewöhnlichen Branntweins, welchem nur zur Verbesserung des Geschmackes Zucker sowie aromatische und angenehm schmeckende Stoffe zugesetzt sind. Um den Liqueuren ein schönes Aussehen zu verleihen, werden ihnen ausserdem die verschiedenartigsten Färbemittel beigefügt. Ist dieses Färbemittel Cochenille — ein rother Farbstoff — so ist der Liqueur, weil Cochenille von rituell verbotenen Kriechthieren stammt, auch religionsgesetzlich dem Genüsse entzogen. Aus dem Gesagten geht hervor, dass die Branntweine und Liqueure eine Menge von bald mehr, bald minder schädlichen Steifen enthalten, welche sie für einen Magenkranken, und mögen sie auch unter den verlockenden Namen von Magenelixiren feilgeboten werden, durchaus untauglich machen. Es ist allenfalls gestattet, von echtem Cognac stets dann Gebrauch zu machen, wenn es darauf ankommt, etwaige Schwächezustände zu beheben. Da aber der unverdünnte Cognac bei Magenkranken leicht *) Vergl. Nr. 53 des „Israelit“. 1 Brennen erzeugt und die Verdauung stört, so ist es angezeigt, ihn mit Wasser oder Milch versetzt zu verabfolgen. Erscheint es jedoch im hygie-, nischen Interesse gelegen, bei Magenerkrankungen ein alkoholisches Genussmittel zu verabfolgen, so muss man seine Zuflucht zu einem Getränk nehmen, das den Alkohol in reiner Form und in geringen Mengenverhältnissen enthält. Ein solches Getränk ist aber in erster Reihe der Wein. Um reinen Wein darzustellen, wird der ausgepresste Saft von Trauben der Einwirkung der Hefepilze ausgesetzt, die aus der Luft in die offenen Fässer hineingelangen und hier einen regen Gährungsprozess erzeugen. Im Verlaufe desselben bildet sich aus einem Theile des Traubenzuckers Alkohol, Kohlensäure und Apfelsäure, während ein anderer Theil unvergohren bleibt. Ausserdem entstehen bei der Gährung die riechenden aromatischen Stoffe, welche die Blume, das Bouquet des Weines, bilden. Der Rothwein ist reich an Gerbsäure und Farbstoffen. die von den Traubenhülsen und Kernen stammen. Es ist erforderlich, dass die Weine gut vergohren und abgelagert sind, bevor sie zur Verwendung gelangen, da sonst die Anwesenheit von Hefepilzen sehr leicht Verdauungsstörungen hervorruft. Der Alkoholgehalt schwankt in den verschiedenen Weinsorten zwischen 5 und 20%. Die südländischen Weine, Madeira, Malaga, Xeres, Portwein, Sherry, der griechische und palästinensische Wein, die Ungarweine, weisen durchschnittlich die höheren Prozentsätze auf, denen die besseren deutschen Weine, Moselwein, Rheingau-, Pfälzer-, Frankenwein, als mildere Sorten gegenüberstehen. Für Magenkranke sollen nur milde Weinsorten verwandt werden; süsse, zuckerreiche Weine sind aber auszuscheiden, weil Zucker, wie bekannt, im Darme zu Gährungen Anlass giebt. Wir werden uns ihrer allenfalls, in Fällen bedienen, wo es darauf ankommt, auf die Darmentleerung günstig einzuwirken Aber auch dem nichtsüssen Weisswein kommt eine gelinde abführende Wirkung zu, während der Rothwein — hier ist auch der Camarite zu nennen — vermöge des Gerbsäuregehaltes die entgegengesetzte Wirkung ausübt. In jedem Falle aber ist es Magenkranken anzurathen, den Wein nur in ganz geringen Mengen, höchstens ein Weingläschen, und dann am vortheilhaftesten kurz vor der Mahlzeit zu gemessen, damit eben der Schaden nicht grösser sei als der Nutzen, In solchen Mengen genossen, ist ja der Wein /