Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-07-24 · Heft 58 (24.7.1899) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 58 (24.7.1899)
Date
1899-07-24
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449007--48723-2499128
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1235 kann die darunter Leidenden auch ohne jede Beziehung auf ihre Religion oder religiösen Gefühle ärgern und verletzen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß das Benehmen hier gerade nur auf ein plötzliches Erschrecken abgesehen war und auch nur so wirkte. Die Sache bedarf also nach dieser Richtung genauerer Feststellung oder gegebenenfalls der Veurtheilun aus einem anderen Gesichtspunkte, etwa des § 360 Nr. 11 St.G.B." — (Groben Unfuges.) Leipzig. Innerhalb der anlisemitlschm Partei hat sich eine nicht unwichtige Veränderung vollzogen. Liebermann von Sonnenberg hat den alten antisemitischen Verlag von Fritsch übernommen, erstens um denselben zu retten, da ihn sein jetziger Besitzer Th. Beyer um jeden Preis loswerden wollte, dann aber auch um mit seiner Hilfe den Niedergang der antisemitischen Partei aufzuhallen. In seinen deutschsozialen Blättern theilt Liebermann von Sonnenberg diese Veränderung mit und schreibt dabei unter anoerm folgenden Passus: „Es unterliegt keinem Zweif.l, und wäre es thöricht, wenn man sich in unseren Parteikreisen darüber einer Selbsttäuschung hingcben wollte, daß die große nationale antisemitische Bewegung im Deutschen Reiche augenblicklich auf einem toten Punkte angekommen ist, der überwunden werden muß. Die Werbtkraft des antisemitischen Gedankens ist gegenwärtig nicht geringer geworden, als sie es früher war, aber die Z rhl der Männer, die für seine Ausbreitung mit Erfolg gearbeitet und geschafft haben, schnulzt zusammen. V:ele sind tot, andere sind in dem Kampfe persönlich so geschädigt worden, daß sie aus der vordersten Linie zurücktretcn mußten und die ältesten Streiter fangen an müde zu werden. Die planmäßige und zielbewußte Agitation ist ins Stocken gerathen. Hunderte von Versammlungen wurden alljährlich im Reiche gehalten, hunderte von Vereinen gegründet und eine sylcmasische Schriflen- Agitation trug das Verstäuoniß für die Ursachen, Aufgaben und Z'ele des Antisemitismus in die gebildeten und einflußreichen Kreise unseres Volkes. Diese Arbeit ist nicht vergeblich gewesen. Die antisemitische Gesinnung ist heu'zutage nahezu Gemeingut aller Nichtjuden in allen Ständen und allen politischen Parteien geworden." Leider ist nicht nur die Schilderung vom Rückgang der antisemitischen Partei richtig, sondern auch der Schlußpassus, daß die antisemitische Gesinnung in alle Stände und Parteien eingedrungen ist, ist zutreffend, und die wichtigste Aufgabe gesunder Abwehrthätigkeit ist es jetzt diese Form des Rischus zu bekämpfen. O e ft e r r.- U n g a r. Monarchie. Pest. (Ein katholischer Priester über die Juden.) Die in Budapest eufcheinende jüdischconfessionelle ungarische Wochenschrift „Magyar zsidö hetilpp“ veröffentlicht in ihrer jüngsten Nummer an leitender Stelle einen „Czionismus — emberszeretet“ (Zionismus — Menschenliebe) betitelten Artikel aus der Feder des römisch-katholischen Priesters und hauptstädtischen Katecheten Andreas Esüri. In dem schwungvoll verfaßten und vom Geiste echter Duldsamkeit und Nächstenliebe durchwehten Artikel heißt es unter Anderem: Der practische Jntellect, die Ausdauer, Geschicklichkeit und Nüchternheit, die Gottesfurcht und weise Selbstmäßigung der jüdischen Raffe mach allen Völkerr und Nationen als großartiges Beispiel voranleuchten. Einzelne, die von Neid erfüll sind, machen es dieser Confession zum Vorwurfe, daß Niemand die Kunst des Kirchenredens besser kenne, als die Juden. Das ist wahr. Denn Niemand bekundete einen feineren, practischen Sinn, strengere Einfachheit, auf alle Gebiete sich erstreckende, unermüdlichere Arbeitsamkeit und zäheren Willen, sowie ausdauernderen Eifer in der Bethätigung guter Handlungen, als die Juden. Die Habgier und Gewinnsucht, die bei anderen Nationen und Confessionen! die höheren Ideen unterdrücken und die Quelle des! Göttlichen ausdrocknen, sind bei dieser Raffe nicht - im Stande, die Herrschaft über die Religion zu ge-! winnen und die edlere Sittlichkeit zu ersticken . . . j Wir alle sind Kinder eines Schöpfers, eines Gottes, f Mit brüderlicher Liebe müssen wir einander zugethan i sein. Zieht doch das Gebet der Christen, Juden und Mohametaner auf einem Wege zum gnädigen Gotte ... z Der Parteihaß, die confessionelle Intoleranz, die so sehr schändlichen Schrcckbilder des Unwiffens, durch welche der strahlende Glanz des Fortschrittes und der Cuttur verdunkelt werden, mögen sie aufhören und mögen wir einander gleich werden durch die beseligende Huld des Glaubens, was mit der Expiirung der spanischen Jnquisiton gleichbedeutend sein wird. England. London. Am Freitag den 7. Juli verstarb nach schwerer Krankheit Lady Simon, die Wittwe des vor 2 Jahren verstorbenen Sir John Simon. An der Seite ihres Gemahls spielte sie in der jüdischen Gemeinde Londons eine große Rolle und war auch litterariscy mit Erfolg thätig. Mit Vorliebe schrieb sie über jüdisch religiöse Themata und ihr Buch über die Psalmen „Jenseits der ruhigen Gewässer" hat viel Anerkennung gefunden. Ihre Beerdigung, die am Montag stattfand, versammelte alles was von den Spitzen der Gemeinde in London anwesend ist. — Am Dienstug verstarb eine andere jüdische Persönlichkeit Mr. Salomon Abraham Green, welcher besonders in Ostend sehr beliebt gewesen ist. Er war ein intimer Freund

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.