Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 58 (24.7.1899)
- Date
- 1899-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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1230 Nacht de« Charfreitag begaben sich mehr als tausend Griechen nach der Wohnung de« Pischon Hazan und zweier anderer Israeliten; dort warfen sie mit Steinen die Fenster un) Thüren ein. Sie stießen Drohungen gegen die Israeliten aus, indem sie sagten, daß sie die Abkömmlinge derer, die den Stifter der christl. Religion gekreuzigt haben, dem Tode preisgeben wollten. Sie hätten sicherlich ihre Drohungen zur Ausführung gebracht, wenn nicht wie ein Wunder in diesem Augenblick eine Patrouille von Gendarmen herbeigekommen wäre. Diese Patrouille zerstreute die Menge und bewachte bis Mittag das Haus, in dem sich die Juden befanden. Am andern Tage verbrannten die Griechen ein Bildniß von Judas Jfchariot und erneuerten ihre Drohungen. Allein man brachte die vier Israeliten zu ihrer Sicherung auf die Kaserne, und nach den Osterfeierlagen wurden H. Pischon und Hazan auf ein Boot gebracht und langten nach Smyrna. Es würde nothwendig fein, bemerkt „Eli Tiempo“, daß S. E. der Kaimakan Effendi die Autorität des ökumenischen Patriarchen dazwischen treten ließe, um einer Wiederholung ähnlicher Dinge oorzubeugen. «Literarisches. Oesterreichs Trauer und Jubel. Zwei Kanzelreden von Dr. N. Ehrenfeld, Oberrabbiner in Prag. 1899 Verlag von Jakob B. Brandeis. Obige Gelegenheitsreden des auch als Kanzelredner bekannten und hervorragenden Verfaffers bedeuten eine großartige Bereicherung unserer Predigtliteratur. Sie haben keine lokale und darum vorübergehende Bedeutung, sie sind vielmehr von bleibendem Werthe und verdienen die weiteste Verbreitung. Daher sei an dieser Stelle mit einigen Worten auf sie hingewiesen; wir sind überzeugt, daß niemand unbefriedigt sie aus Händen legen wird. — Voll trefflicher und gediegener Gedanken, in einer echt poetischen, klaren Sprache vorgerragen, regen sie an, belehren und erbauen sie. Der Leser fühlt sich unwillkürlich mit fortgerisien, er trauert mit dem Redner und jubelt auf mit ihm. Die Fülle des Schmerzes, wie er in jenen Tagen der Trauer um den Heimgang der edlen Kaiserin Oesterreichs Söhne und Töchter erfüllte, findet in der einen Predigt, — und die Freude über die 50. Wiederkehr des Tages des Regierungsantritts des allseitig geliebten Kaisers, erhält in der anderen den treffendsten, beredtesten Au-druck. Nirgends fehlt hier die religiöse Unterlage. Die Religion bleibt die Quelle, au» der alle» fließet, unter derem Lichte erst alles verständlich und begreiflich wird. Es erscheint uns nicht ganz überflüssig, auch den Vorzug an diesen Reden hervorzuheben, daß sie freimüthig auch die Schäden der Zeit geißeln, insbesondere die traurigen verworrenen Verhältnisse unseres Nachbarlandes streifen, deren friedliche Lösung der Redner nur darin findet, daß der Jubeltag des Kaisers „ein Tag der Versöhnung, der Verständigung und der Einigung für die Nationen Oesterreichs werde" nach Art des altisraelitischen Jobels, dessen Beginn am Versöhnungstag „im ganzen Lande feierlich durch Posaunenschall verkündet wurde." — Der ersten Predigt ist ein tiefinniges, stimmungsvolles Gebet angeschlossen. —n. Vermischtes, tumtev. Auch Herr Rabbiner Dr. Wreschner Hierselbst hielt einen “JCDn über Dr. Israel Hildesheimer 7'ai. Neumarkt i. Schl. Da doch selten etwas von hier berichtet wird so erlaubt sich Unterzeichneter folgendes mit zutheilen'- Am Pto nyttfr. ’Nü'io starb die älteste hiesige Einwohnerin, Frau Helene Reiter, geb. Steinttz, im Alter von 103 Jahren in meinem Hause. Dieselbe war noch bis zu ihrem Ende geistesfrisch, führte einen gottgefälligen und frommen Lebenswandel und versäumte nicht, Morgens und Abends ihre nfsn mit Andacht zu verrichten. Am Grabe hielt unser verehrter Lehrer uns Kantor, Herr Philipp Kanstein eine schwungvolle Rede, anknüpfend an den Vers in >“□'£' mNDn may :n"? r"o pids NSöH ,-lpi-t *p“n. „Ein graues Haupt ist eine herrliche Krone, ans dem Wege der Tugend wird sie erlangt", und rühmte ihre Vorzüge bezüglich ihrer Bescheidenheit und Frömmigkeit. nMasun Hegenheim, 7. Juli. Unser verehr!. Herr Rabbiner, Herr Dr. Schüler '"1, hielt am noro “iB?y nyziB' in der hiesigen Synagoge eine Gedächtnißrede zu Ehren seines unvergeßlichen Lehrers, des Herrn Rabbiners Dr. Hildes- Heiner In einem dreiviertelstündigen “isori schilderte er das Leben und Wirken des großen Meisters in Israel. New Bork 6. Juli. Sonntag, den 2. d. M., fand in hiesiger Synagoge „Oheb Zrdek" eine Trauerfeier zu Ehren des verewigten Rabbiners n"io pnsn wn :nn statt N"y; piya p"pi tun ~yo”nDjn,?,n -rn ruiaen, wobei unser hochverehrter Herr Rabbiner Dr. Ph. Klein '"1 in meisterhafter Rede ein ergreifendes Lebensbild seines verewigten Lehrers entwarf. Die Gedenkrede machte einen um so tieferen Eindruck, als er mit dem Gefühle der Dankbarkeit schilderte, wie er wie ein Familienmitglied bei ibm behandelt wurde und gelobte, ihm stets auch wie einem leuchtenden Vorbilde zu folgen. Der Prediger weist im Weiteren darauf hin, daß der Dahingeschiedene kaum ein Drittel seines Lebens der eigenen Pflege, den größeren Theil aber der Pflege des Geistes und dem Wohlthun gewidmet habe. _ Unmittelbar nach Beendigung der zwei stunden umfassenden Rede intouirte der Oberchasan Herr Beer 7N D'Dm iOD in ergreifender Weise. Die ^eier verfehlte nicht auf die zahlreichen Besucher einen tiefen Eindruck zu machen L. Burger. In Brocklyn, der ehemaligen, jetzt mit New-Mrk verbundenen Schwesterstadt, wurde unter den russischen Juden ein Verein zum Selbstschutz gegen die häufigen Mißhandlungen des Pöbels gegründet. Auch der amerikanische Pöbel glaubt, die höhere Moral des Ehristenthums nicht besser bethätigen zu können, als indem er armen Juden Steine nachwirft, ober ihre Bärte zaust.