Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 58 (24.7.1899)
- Date
- 1899-07-24
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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133- WWDWWW WWWDWWWW^WMY 1 der antisemitischen Unruhen entlaffen, ohne ihn nach den kontraktlichen Bedingungen zu entschädigen. Als er darauf Klage gegen Pernot erhob, schützte diese Gesellschaft Force majeure vor, weil infolge des Antisemitismus sie nicht in der Lage gewesen sei, einen jüdischen Agenten zu verwenden und das Gericht zu Montbsliard gab merkwürdigerweise diesem Einspruch statt. Tabet appelirte, und in einer Verhandlung vom 5. Juli hob das Gericht auf Antrag von Narzis Lewen das erst instanzliche Urtheil auf, und sprach Leon Tabet 3000 Frc. Schadenersatz zu, und verurtheilte Pernet zu den Kosten aller Instanzen. Es gibt in Frankreich auch noch Richter. Italien. Rom. (Der vermeintliche heilige Leuchter.) Vor einigen Wochen brachten nicht nur jüdische, sondern auch politische Blätter die Nachricht, daß hier bei den von der Regierung veranstalteten Ausgrabungen der Leuchter aus dem heiligen Tempel in Jerusalem und zwar der, den Herodes «mro anfertigen hatte lassen, gefunden worden sei. Diese Nachricht erweist sich jedoch als eine irrige, denn der Leuchter, der hier bei den Ausgrabungen am Ponte Sixto (Sixtusbrücke) aufgefunden wurde, ist ein einfacher bronzener Leuchter — der im Tempel von Jerusalem im Gebrauche gewesene war bekanntlich aus massivem Golde — der von einem römischen Künstler etwa zweihundert Jahre vor der Zerstörung des Tempels angefertigt wurde und zwar für den einfachen Hausgebrauch. Der Leuchter hat auch gar keine Aehnlichkeit mit dem Leuchter, der auf dem Triumphbogen des Titus hier mit noch anderen Gefäßen aus dem heiligen Tempel eingemeißclt, zu sehen ist. Zudem ist es ja aus den römischen Chronisten bekannt, daß der Leuchter aus dem jerusalemitanischen Tempel von den Vandalen, als sie Rom unter ihrem Könige Geiserich plünderten, in die Tiber geworfen wurde, wo er noch heute im Schlamme vergraben liegt. Er kann daher nicht anderwärts vergraben worden sein. Nach der Zerstörung des jerusalemitanischen Tempels wurde dieser Leuchter sammtdem goldenenTische, aufdem die Schaubrode or6) lagen, in einem Tempel auf dem Capitol untergebracht, während die goldene Tafel, welche die Königin Helene roban von Codiabena nach ihrem Ueberiritt zum Judenthum im heiligen Tempel aufstellen ließ und auf der die (nvw nanei mit schwarzem Lack geschrieben war, im Coloseum hier mit noch anderen jerusalemitanischen Kostbarkeiten hinterlegt war. Bei einem Brande, der dann das Coloseum einäscherte, wurden auch alle Kleinodien zerstört. Vom Tempel in Jerusalem, der einst unser Stolz und unser Ruhm ('Äiiuvrv uBHp rrn) war, ist heute nichts mehr vorhanden, als nur eine Alabastersäule, die hier in einer Kirche zu sehen ist. So hat Israelis Ruhm geendet, -N22 nto. Rußland. Petersburg. Im Gouvernement Wilna steigt die Auswanderung wieder sehr erheblich, jede Woche verlassen 30—40 Familien ihren Wohnort, um zu emigriren. Meist gehen diese Leute nach Nordamerika. In Orgejew im Gouvernement Bessarabien ist der Grundstein zu dem neuen Gebäude der Ackerbauschule gelegt worden. Die Schule besteht seit März 1898 und wurde damals mit dem von Oberst Jiokowitsch, dem Adjutanten des Zaren geschenkten Grundstück eröffnet. Seitdem sind noch weitere Terrains der Anstalt geschenkt worden, auch die Jewish Colonisation Association hat sich der Sache angenommen und so konnte man zu dem neuen Bau schreiten, der auch eine Abtheilung für Zimmerei und Wagnerei enthalten wird. Die Grundsteinlegung fand mtt einer kleinen Feierlichkeit in Anwesenheit einiger Freunde der Anstalt in Petersburg statt. Türkei. Csnstantinopel. (Religiöser Fanatism u S.) Am 28. April hatte sich ein Jude mit Namen Joseph Avigbor vom Dag-Hamam, einer Vorstadt von Constantinopel wegen seiner Geschäfte nach Therapia begeben. Es war gerade am Charfreitag. Einige Griechen der niederen Claffe, die an dem Orte wohnten, in ihrem Fanatismus aufgebracht über den Bericht, den man ihnen in der Kirche vom Tode des Stifters der christl. Rel. gemacht halte, wollten ihren Rachedurst an diesem Juden stillen; sie begaben sich in das Haus, wo sich Avtgdor befand und forderten den Eigenthümer auf, ihn in ihre Hände zu liefern. Unterrichtet über die Thatsache eilte die Polizei an den Ort und schützte den Juden gegen die Wuth der Bevölkerung, die sich fortwährend vergrößerte. Der Verwalter der griechischen Gemeinde wurde von der Polizei aufgefordert, von seiner Vollmacht Gebrauch zu machen, um den Aufruhr zu beschwichtigen. Umgeben von einer großen Zahl von Polizisten und Gendarmen konnte der Jude heiler Haut weggebracht werden. Ohne das energische Eingreifen der Polizei wäre sein Leben ernstlich bedroht gewesen. Um dieselbe Zeit ereignete sich em Vorfall derselben Natur auf der Insel Kalymos nahe bei Rhodos im ottomanischen Archipel. Juda Pischon, Theilhaber an einer in Smyrna wohlbekannten Firma Pischon u. Comp, begab sich nach der Insel Kalymos, die von einer großen Anzahl Griechen bewohnt ist. Ec ward von Jsaac Hazan, der in Diensten desselben Hauses steht, begleitet. Seit dem Anfang der heiligen Charwoche begannen die Bewohner sie zu beleidigen und mit Steinen nach ihnen zu werfen. In der