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Der Israelit · 1899-07-20 · Heft 57 (20.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 57 (20.7.1899)
Date
1899-07-20
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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1211 Seminar erfolgen. Dieses hat zu vermitteln: a) gründliche Kenntnisse auf pädagogisch-wissenschaftlichem Gebiet, d) praktische Ausbildung durch die Seminarschule, c) Ergänzung und Vertiefung der allgemeinen, religiösen und musikalischen Kenntnisse, <1) genügende Vorbildung für das Kultusamt. 4. Als die geeignetsten Lehrerbilvner sind im Volksschulamt durchaus bewährte, wissenschaftlich gebildete und erfahrene Pädagogen für die Seminare zu berufen. 5. Die ExternatSerziehung ist grundsätzlich anzustreben; ist diese in praxi nicht zu ermöglichen, so muß das Internat von jeder beengenden, die freie Entwickelung des Charakters beeinträchtigenden Hausordnung frei fein. 6. Als Seminarorte empfehlen sich größere Städte, die den Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Bewegung der Zeit gewährleisten. 7. Zur Erreichung dieser Ziele ist eine Zersplitterung der in Frage kommenden Mittel zu verhüten und daher auf eine möglichste Centralisirung der bestehenden Seminare hinzuwirken. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Als nächster Konferenzort wird Erfurt in Aussicht genommen; als Verbandsthema für das nächste Jahr regt I a c o b s o n—Leipzig an: „Soll die systematische Religionslehre als besonderer Unterrichtsgegenstand in der Volks- und Religionsschule behandelt werden, und nach welchen Grundsätzen?" Zeitungsnachrichten nnv Correspondenzen. O e ft e r r.- U n g a r. Monarchie. Budapest, 12. Jnli. Im ministeriellen Ausweis über das Volksschulwesen in Ungarn im Jahre 1896/97 sind folgende Daten verzeichnet: Unter 16,951 Volksschulen waren 13,430 confessionelle Schulen und unter diesen waren 528 jüd. Confession. In Hinsicht der Belebung und Kräftigung des ungarischen Nationalgeistes nehmen — nach den reformirten — die jüdischen Schulen den ersten Rang ein Unter 7003 Volksschulen mit gemischten Sprachen, d. i. in welchen nebst der ungarischen auch die deutsche Sprache gelehrt wird, sind nur 26 jüdische, in 502 jüdischen Schulen hingegen wird nur die ungarische Sprache gelehrt. In Bezug auf die Zahl der gesetzlich diplonürten Lehrer nehmen die jüdischen Schulen den ersten Platz ein. Von 995 jüdischen Lehrern sind blos 24 ohne Lehrerdiplom. Aber nicht blos in Ansehung ihrer Befähigung, sondern auch in Ansehung der Kenntniß der ungarischen Sprache nehmen die jüdischen Lehrer die erste Stelle ein, denn unter 1427 Lehrern, die der ungarischen Sprache nicht mächtig sind, weist die gedachte Statistik nur einen Lehrer auf. Zu bedauern ist jedoch der Nachweis daselbst, daß in einigen an Galizien grenzenden Comitaten gar keine und in anderen nicht in nöthiger Anzahl jüd. Volksschulen bestehen. In diesen Comitaten ist der confessionelle zeitgemäße Volksschulunterricht noch in sehr vernachlässigtem Zustände. Diese Comitate liefern das meiste Proletariat, Bettlerwefen zur Belästigung und Schmähung unserer Glaubensgenossen und Entwürdigung des Judenthums. England.? London. Die hohe jüdische Gesellschaft feierte ein freudiges Ereignis. Laddy Evelina Rothschild, die Tochtor von Lord Rothschild, hat sich mit Lieutenant Clive Behrens verlobt. Der glückliche Bräutigam stammt aus der angesehensten, jüdischen Familie in Manchester. Sein Vater, Eduard Behrens, ist ein großer Kaufmann, gleichzeitig aber Vorsteher einer ganzen Anzahl jüdischer Vereine, insbesondere Präsident der jüdischen Schulen von Manchester. Der Bräutigam hat, so jung er ist, eine glänzende Karriere bereits gemacht und noch eine glänzendere vor sich. Seine Batterie dient bei der reitenden Artillerie, zog bei den letzten Manövern infolge der außerordentlichen Schulung ihrer Mannschaften die Aufmerksamkeit des Prinzen von Wales auf sich, der Lieutenant Behrens außerordentlich auszeichnete. Auch die Braut hat wiederholt thätigen Antheil an jüdischen Gemeindeangelegenheiten genommen. Unter anderem war sie beim letzten Preßbazar zu Gunsten der Londoner Hospitäler mit ihrer Mutter zusammen Verkäuferin in dem von „Jewish Cronicle" eingerichteten Laden. Rußland.? S1. Petersburg. Bekanntlich ist in Rußland einer privilegirten Klaffe von Juden, nämlich den Kaufleuten erster Gilde, gewissen Handwerkern und den akademisch Gebildeten, der Aufenthalt in ganz Rußland gestattet. Nach der Auffassung der Provinzialbehörden soll aber Sibirien von diesem Privilegium ausgenommen sein, weil 1847 der Kaiser Nikolaus entschieden habe, daß Juden sich in Sibirien nicht niederlassen dürsten. Seit 1894 legte daher die Behörde wiederholt den privilegirten Juden Hindernisse in den Weg, wenn sie sich in Sibirien aufhalten wollen, und wiederholt, wenn die Geschädigten an den Senat appellirten, hat dieser schon einschreiten müssen. Endlich hat der Senat eine allgemeine Regelung getroffen und ein für allemal entschieden, daß die privilegirten Juden auch in Sibirien freies Wohnrecht haben. Noch eine zweite günstige Entscheidung hat endlich nach zehnjähriger

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