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Der Israelit · 1899-07-20 · Heft 57 (20.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 57 (20.7.1899)
Date
1899-07-20
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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WWW8WWWWWW 1212 Dauer der Prozesse der Senat getroffen, die nicht unwichtig ist. Im Jahre 1888 hat Stadthauptmann Greffer den jüdischen Ladenbesitzern empfohlen, auf ihren Schildern Namen und Vornamen, sowie den Namen ihrer Väter voll ausgeschrieben in russischen Buchstaben auszuschreiben, damit Jedermann sehen könnte, daß die Besitzer Juden sind. Die Ladeninhaber appellirten an den Senat und dieser hat nun entschieden, daß jene Ordre gesetzwidrig sei und nicht befolgt zu werden brauchte. Leider kommen aus den jüdischen Kolonien des Gouvernements Cherson schlechte Nachrichten. Infolge der Mißernte sind die Kolonisten nicht in der Lage ihr Vieh zu erhalten und müffen dasselbe zu Schleuderpreisen verkaufen, so ein Pferd zu 6 Rubel und Kühe zu 10—15 Rubel das Stück. Die Aussichten der Kolonien für die Zukunft sind infolgedessen recht trübe, da für die kommenden Feldarbeiten das Vieh fehlen wird. Türkei. § Salonichi, 15. Juli. Wie man dem hiesigen jüdisch-spaniolischen Blatte „La Epoca" aus der benachbarten Cultusgemeinde Serres schreibt, herrschen jetzt dort große Zwistigkeiten und auch höchst traurige Zustände. Vor ungefähr vier Wochen haben nämlich dort die Neuwahlen in den Cultusvorstand stattgefunden, die auch regelmäßig vor sich gingen. Die neugewähllen Ausschußmitglieder verlangten jedoch, bevor sie ihr Amt antreten, daß man ihnen Einsicht in die Bücher gewähre. Sie fanden nun in denselben, daß der abzutretende Vorstand eine äußerst schlechte Wirthschaft geführt und bedeutende Schulden gemacht habe, so daß ein Deficit unvermeidlich sei. Unter solchen Umständen erklärten sie dann, ihr Amt nicht antreten zu können. Seit dieser Zeit herrscht nun eine förmliche Anarchie in der Gemeinde. Die Cultussteuern werden nicht eingehoben, die Funktionäre nicht bezahlt und die Armen und Nothleidenden können keine Unterstützung erhalten. Die Regierung wurde daher aufgefordert, sie möge einschreiten und dem Chaos ein Ende machen. Afrika. Algier. Die feste Haltung der Behörden hat hier schon merklichen Erfolg gehabt, denn die eingeschüchterten Antisemiten wagen nicht mehr wie bisher zu Straßendemonstrationen und Krawallen zu schreiten. Am 8. Juli sollte eine antisemitische Riesenversammlung im Velodrom von Mustapha stattfinden, in der alle Antisemitenführer sprechen sollten, allein die Regierung hat dieselbe verboten und die Feinde der jüdischen Bürger haben sich diesmal ruhig zufriedengegeben, während sie in früheren Tagen sofort große Kravalle arrangirt hätten. Auch die Prozesse gegen die Antisemitenführer gehen ruhig weiter und die Gerichte, nicht mehr durch die Massendemonstrationen eingeschüchtert, kommen jetzt regelmäßig zu mehr oder weniger empfindlichen Verurtheilungen. Die Juden ihrerseits haben sich wieder friedlicher Arbeit gewidmet und sic nehmen jetzt ihrerseits eine Revanche, indem sie an allen Schulen und an der Universität die meisten Preise erobern. Besonders in der juristischen Fakultät sind fast sämmtliche Preise an jüdische Studenten gefallen. Freilich haben dieselben nicht in Volksversammlungen gesprochen und nicht für Gassmjournale geschrieben, sondern gearbeitet und sie haben jetzt den Triumpf zu zeigen, daß sie im Geistes- Tournier Sieger geblieben sind. Arabien. Sana in Jemen. In unserer Sladt leben wohl einige Europäer, doch gehört ihre Zeit fast durchwegs dem Handel, so daß ihnen nur wenig Muße übrig bleibt, um sich mit Sachen, die weitab von ihrem Wirkungskreise liegen, zu befassen. Tieselben wissen nun wohl, daß die Juden hier viel von den Arabern zu leiden haben; aber keiner von ihnen wagte es, unsere Leiden durch eine Correspondenz an ein europäisches Blatt zur Kenntniß des Abendlandes zu bringen, weil er die Rache der Araber zu fürchten hatte. Nun wird dies bald anders werden. Hieher kommt jetzt ein englischer Consul und wird dies der erste europäische diplomatische Agent in unserer Stadt sein. Da die englischen Consulen sich selten ein Blatt vor den Mund nehmen, so dürfen wir hoffen, daß dieser neue Funktionär hie und da ein gutes Wort für uns bei den türkischen Behörden einlegen werde, damit sie die wilden Araber besser im Zaume halten. Den Arabern ist es daher nicht lieb, daß ein christlicher und noch dazu ein englischer Consul hier residiren wird. Mainz, 19. Juli. Bedauerlicherweise haben sich in der Zuschrift des Herrn Dr. Beerm an n—Insterburg in Rr. 55 d. Bl. zwei sinnentstellende Druckfehler eingeschlichen. In der sechsten Zeile der Zuschrift (von oben) tmifj es statt „oft" „und", in der sechsten Zeile (von unten) statt „l’untt':" „pöDiM" heißen. Soolbad Huvzbuvg Psrkhsrrs Streng rituelles Etablissement I. Ranges. Mit Genehmigilttg Sr. Ehrwürden Herrn Landrabbiner Dr. Rülf, unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Auerbach— Halberstadt. In schönster Lage, ruhiges vornehmes Haus am Walde und der Promenade, 46 eleg. Salons mit 36 Balcons, große Veranda, extra gute Verpflegung Volle Pension incl. Zimmer von 6.50 M. an. Samstags Gottesdienst. «rSffrrirrrg 1. Mai. 27511 Max Heckt.

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