Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1899)
- Date
- 1899-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1210 Abstand genommen. ES wird erwähnt, daß die Zahl der Mitglieder von 34 auf 46 gestiegen ist. Die Pensionskaffe des Verbandes gibt zu längerer Auseinandersetzung Veranlassung; die Versammlung spricht den Wunsch aus, daß allen Mitgliedern ein Statut dieser Kaffe zugestellt werden möge. Des Weiteren verbreitet sich der Vorsitzende über die Vorbereitungen für die zu begründende Verbandsschrift; er hofft, daß man mit der Herausgabe der Zeitschrift schon im nächsten Jahre werde beginnen können. Die für die Verbandsschrift ausgelegte Subskriptionsliste wird von fast allen Besuchern der Konferenz unterzeichnet. Dr. Rahm er—Magdeburg stellt den Antrag, der Verein möge sich für die Herausgabe eines Kindergebetbuches aussprechen, eventuell solche beim Verbände beantragen. Die Versammlung lehnt ab, diesen Antrag in Berathung zu ziehen. Am zweiten Sitzungslag referiert Dr. Spanier— Magdeburg über das Thema „die Ethik des Judenthums und Herbarts fünf ethische Ideen". Der Referent zeigt, daß die jüdische Ethik den Vergleich mit Herbarts fünf ethischen Ideen der inneren Freiheit, der Vollkommenheit, des Wohlwollens, des Rechts und der Billigkeit nicht zu scheuen habe. Er kennzeichnet hierbei den religiösen Standpunkt der Herbart—Zillerschen Schule und die falsche Darstellung der jüdischen Ethik in vielen christlichen Religionsbüchern. Samuel—Bleicherode referirt über das Verbandsthema: „Welche Anforderungen sind an die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten zu stellen und müssen von beiden erfüllt werden?" Der Referent ist für folgenden Bildungsgang: 1. Besuch einer guten Volksschule vom 6. bis zum 14. Lebensjahr; hierbei ist eventuell durch Privatunterricht die Kenntnis der Elemente der französischen Sprache zu erlangen. 2. Besuch der eigentlichen Fortbildungsschule mit vierjährigem Kursus. Diese hat außer den Lehrfächern der Elementarschule, die vertieft und erweitert werden müffen, folgende Gegenstände in ihren Lehrplan aufzunehmen: Mathematik, französische Sprache, Uebersetzen des Siddurs und der ganzen Bibel, elementares Lesen und Uebersetzen leichter rabbinischer Schriften und talmudicher Abschnitte, sowie Instrumentalmusik und ganz besonders Pflege des Gesanges. 3. Dreijähriger Besuch der pädagogischen Fachschule, des Seminars, behufs eigentlicher beruflicher Ausbildung. Hier wäre der Bildungsgang in drei Gruppen zu gliedern: a) Erwerbung einer allgemeinen wissenschaftlichen Bildung und guter Kenntnisse in der jüdischen Geschichte und Literatur; Berücksichtigung der neueren Literatur durch Unterricht und Lektüre; vorzügliche Ausbildung für den Vorbeterdienst nach jeder Richtung und Anleitung für den etwaigen Beruf als Prediger, b) Einführung in die wissenschaftliche Pädagogik auf geschichtlicher bezw. psychologisch ethischer Grundlage und Schulkunde, e) Einführung in die praktische Pädagogik, zu welchem Zwecke eine Uebungsschule nothwendig mit dem Seminar verbunden sein muß. — Die Versammlung pflichtete den Ausführungen des Referenten bei. Nach einer kurzen Pause ergreift der inzwischen als Gast erschienene Herr Benjamin Hirsch—Halberstadt das Wort, um die Versammlung im Auftrag des deutsch-israelitischen Gemeinde-Bundes zu begrüßen; der Gemeindebund habe stets den Wünschen der jüdischen Lehrerschaft Interesse und Entgegenkommen bewiesen und sei vor allem auf die fernere Ausgestaltung der jüdischen Schule bedacht. Anknüpfend an eine kürzlich erschienene Broschüre „Jüdisch-politische Zeitfragen", wünscht jedoch Redner nicht etwa nur die Gründung von Reliqionrschuien, sondern hauptsächlich die von jüdischen Volksschulen; die Judenschule müsse ein Stolz für das Judenthum werden, und an diesem hohen Ziel sollten die Lehrer Mitarbeiten. Redner verspricht auch fernerhin seinen Einfluß für das Wohl der Schule und der Lehrerschaft nach Kräften geltend zu machen, insbesondere wolle er zunächst beim Verband der Synagogen-Gemeinden der Provinz Sachsen dahin wirken, daß die Gemeindevorstände der Anregung des Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bundes Folge g<.öen und den Lehrern Sitz und Stimme im Schulvorstand verleihen. — Nachdem noch Herr Gabriel Hirsch, der zeitige Präsident der Behrend-Lehmann-Loge, die Konferenz im Namen der Loge begrüßt, beginnt die Generaldebatte über das Veibandsthema, an der sich die meisten der anwesenden Kollegen beiheiligen. Prinzipielle Gegensätze traten dabei nur insofern zu Tage, als von einer Seite hauptsächlich die Ausbildung zum Elementarlehrer, von anderer Seite hingegen die zum Kultusbeamten, ganz besonders aber die kantorale Ausbildung als das wichtigste hingestellt wurde. Nachstehende Thesen wurden angenommen: 1. Das Kultur- und Geistesleben der Gegenwart, das an die Ausbildung aller Berufsarten höhere Anforderungen stellt, erheischt eine umfassendere und tiefere Vorbildung der Volksschullehrer und demgemäß eine vollständige Umgestaltung des seitherigen Lehrerbildungswesens. 2. Die allgemeine Vorbildung muß auf einer höheren Lehranstalt erfolgen. Diese hat sich der Volksschule anzuschließen und in einem vierjährigen Kursus eine wissenschaftliche Bildung zu gewähren, die dem Bildungsziel einer Realschule gleichkommt und zum einjährig-freiwilligen Militärdienst berechtigt. Neben dieser allgemeinen ist auf eine gründliche Bildung im Hebräischen und in der Musik besonderer Werth zu legen. 3. Die berufliche Bildung soll in einem dreijährigen Kursus auf dem