Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1899)
- Date
- 1899-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XX. Jahrgang. Trstr Beilage zu M 57 des „Israelit". pädagogisches. Verein der Israelitischen Lehrer Millelüeulschlanüs. (Auszug aus denr Berichte der in Halberstadt am 21. u. 22. Mai d. I. stattgehabten Konferenz.) Der Vorsitzende, Steinhardt—Magdeburg, eröffnet die von 28 Mitgliedern besuchte Sitzung. Herr Dir. Prof. Dachau—Wolfenbüttel erhält das Wort zu seinem Vortrag „Ueber Bibellesen." Der Referent hält das Bibellesen für nothwendig und unersetzlich. Das Korreferat, an Gründlichkeit und Sachkunde dem Referat nicht nachstehend, hielt Herr Mühlfeld— Hitdburghauscn. In der Debatte wird die Unentbehrlichkeit des Lesens im Urtext betont. Man einigt sich über folgende Thesen: 1. Der biblische Geschichtsunterricht bildet die vorzüglichste Grundlage beim jüdischen Religionsunterricht (denn die Hauptaufgabe des Religionsunterrichts ist das erziehende Moment, die biblische Geschichte aber, die durch ihre konkreten Gestalten den Anforderungen der Anschaulichkeit genügt, ist in hervorragendem Maaße geeignet, religiös-sittliches Leben zu erwecken und zu bilden.) 2. Der biblische Geschichtsunterricht soll bereits auf der Unterstufe beginnen (der sogenannte Gesinnungsunterricht bildet keinen Ersatz für den Unterricht in der biblischen Geschichte). 3. Die Anwendung der formalen Stufen ist zu empfehlen, ist jedoch nicht immer erforderlich. 4. Auf der Oberstufe soll der poetische Theil der Bibel, besonders die Psalmen und Propheten mehr Berücksichtigung als bisher finden. 5. Auf dieser Stufe ist daher eingehend Bibellesen zu betreiben; dabei ist eine Schulbibel (biblisches Lesebuch) zu benutzen, der Gebrauch der Vollbibel beim Unterricht ist zu verwerfen. 6. Das Bibellesen ist planmäßig beim Religionsunterricht aller Schulgattungen zu betreiben und kann weder durch den Unterricht in der biblischen Geschichte, noch durch den systematischen Religionsunterricht ersetzt werden. 7. Das Bibellesen ist getrennt vom Bibelübersetzen zu betreiben; dieses beschäftigt sich vorwiegend mit der Form, jenes fast ausschließlich mit dem Gehalt des Gelesenen. 8. Das Bibellesen erstreckt sich in einer durch die geistige Reife der Schüler und die zur Verfügung stehende Unterrichtszeit bedingten Auswahl auf alle Theile der Heiligen Schrift. 9. Oberster Grundsatz für die Erklärung des Gelesenen, auch soweit es sich um geringfügige Bruchstücke eines biblischen Buches oder eines Kapitels handelt, ist: Ausweisung des Zusammenhanges mit dem Ganzen, aus dem es genommen ist. Im Zusammenhang mit diesen Sätzen nahm die Versammlung noch folgende Forderungen an: 1. Für diesen wichtigen Unterrichtszweig (den biblischen Geschichtsunterricht) sind Lehr- und Lernmittel anzustreben, die den Anforderungen der fortgeschrittenen Methodik entsprechen; eine Sammlung von Präparationen ist wünschenswerth. 2. Die Lehrbücher müssen zur Belebung des Unterrichts und zur Wahrung des jüdischen Charakters dein kindlichen Geiste entsprechende Stoffe aus der Hagada und den Midraschim enthalten. 3. Die Lernbücher sollen möglichst genau das Wort der Bibel in einer dem kindlichen Geiste angemessenen Weise wiedergeben; die Erzählung darf nicht durch moralisierende oder ähnliche Zwischenbemerkungen unterbrochen werden; Kernsprüche sind wünschenswerthe Beigaben. Der Vorsitzende dankt den beiden Referenten für ihre in jeder Beziehung trefflichen Referate und ihre Mühewaltung im Interesse des Vereins; die Versammlung erhebt sich ihnen zu Ehren von den Plätzen. Kollege Mühlfelder unterzieht sodann das biblische Geschichtsbuch vom Hauptlehrer M ü l ler—Müllheim einer längeren Besprechung; er findet es in jeder Beziehung empfehlenswerth. Steinhardt—Magdeburg referiert in gleicherWeiseüber das biblischeLesebuch von Ta ch au—Wolfenbüttel und dessen Wegweiser für die Lektüre der Propheten. Rach kurzer Besprechung nimmt die Versammlung einstimmig folgende Resolution an. „Der Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands erachtet das im Verlag von Metzler—Stuttgart erschienene „Ein Buch für unsere Kinder" (biblisches Geschichtsbuch vom Hauptlehrer Mülle r—Müllheim, I. Theil), sowie das im Verlag von Zw iß ler—Wolfenbüttel erschienene „Biblische Lesebuch" von Direktor Tachau—Wolfenbüttel als streng nach methodischen Grundsätzen bearbeitet und empfiehlt allen jüdischen Schulen ganz besonders diese beiden Werke zur Einführung. Für die zweite Auflage des Tachauschen Werkes ist die Beseitigung eines Theiles der Illustrationen wünschenswerth; auch ist die Uebersetzung an einzelnen Stellen einer Revision zu unterziehen." Der Vorsitzende erstattet den Geschäftsbericht, sowie den Bericht über den Verbandstag der jüdischen Lehrervereine; von der Erstattung des Kassenberichts wird mit Rücksicht auf den leider durch Erkrankung am Erscheinen behinderten Kassierer Meyer—Eisenach