Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1899)
- Date
- 1899-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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1206 Auteuil die Synagoge, welche die Alliance israellte universelle in dem neuerbauten Hause ihre Normalschule für den Orient eingerichtet hat, von Zadok Kohn mit einer schönen Rede geweiht, in der er den Verdiensten Narciffe Leongebührende Würdigung angedeihen ließ. Am Dienstag 4. Juli wurde in der rue Rodier die neuen Bureaus de- Comite de la Bienfaisance israelite mit einer kleinen Feierlichkeit eröffnet, der etwa 100 Personen beiwohnten. Der Präsident Baron Eomond Rothschild hielt eine kurze Ansprache, in der er schilderte, wie bescheiden das ComitL begonnen und wie es sich mit der Zunahme der Aufgaben für die jüdische Wohlthätigkeit immer mehr und mehr erweitert habe. Mit einem Dank für Herrn Rene DreyfuS, der das Haus zur Verfügung des Comitegestellt hat, und einer Huldigung für die verstorbene Baronin Hirsch 'schloß die Rede. Alsdann ergriff Zadok Kahn das Wort, der die eigentliche Festrede hielt, in der er auf die Wichtigkeit des Comitür hinwies und zu lebhafterer Unterstützung aufforderte. In Berlin und London erhielten die ähnlichen Institutionen viel reichere Unterstützung seitens der wohlhabenden Juden. Auch er zollt Mr. Rene Dreyfus seine Anerkennung, mit deffen Dankesworten die Feier ihren Abschluß fand. England.? London. Eine der ersten Autoritäten in allen Dingen, welche die türkischen Verhältnisse in Palästina angehen, ist unzweifelhaft der General Wilson, der sehr viel in der Türkei gelebt hat und erst jetzt wieder von einer Reise aus Palästina zurückgekommen ist. Es ist deßhalb mit Dank zu begrüßen, daß „Jewish Chronicle" Gelegenheit genommen hat, den General über die Verhältnisse der türkischen Behörden zu den jüdischen Kolonisten interwieven zu lassen. General Wilson erklärte, daß sich seit ganz kurzer Zeit das Benehmen der Türkei gegenüber den jüdischen Kolonien zum schlechteren geändert habe. Nicht allein, daß ihnen der Kauf von Land und die Erlaubniß erschwert worden sei, so seien sie auch aus den jenseits des Jordan gelegenen Kolonien ausgewiesen worden. Befragt über den Grund zu dieser auffälligen Aenderung meinte General Wilson, daß sie ausschließlich auf die Ansichten des Sultans persönlich zurückzuführen seien, die derselbe sich nach Kenntnißnahme der Herzl'schen Broschüre, der Judenstaat, gebildet habe. Der Sultan sei einer der mißtrauischsten und furchtsamsten Per sonen, und die Agitation für die Erwerbung Palästinas, welche einige Zionisten betrieben, habe den Sultan argwöhnisch gemacht. Keineswegs ist der Sultan den Juden feindlich, sondern nur den Bestrebungen des politischen Zionismus. So große Furcht habe er vor der Bewegung, daß seine Spione bei jeder großen zionistischen Versammlung anwesend seien, und daß alles was in dieser Frage ' geschrieben wird, in das Türkische übersetzt und nach Konstantinopel geschickt wird. Auf die Frage des Jnterwievers, wie lange die ungünstige Stimmung der Regierung dauern könne, antwortete General Wilson, daß sich dafür natürlich kein bestimmter Termin festsetzen lasse, daß es aber jedenfalls schwer halten werde, den gegenwärtigen Sultan von der Jrrthümlichkeit seiner Auffassung zu überzeugen. Schweden. Stockholm, 13. Juli. Der Rabbiner Professor Klein und Dr. Sterzel, der Prediger der hiesigen deutschen Kolonie, wollten dieser Tage mit einem Dampfer nach Riga fahren, um einen auf 11/2 Tage berechneten Besuch zu machen. Dem Professor Klein wurde jedoch vom betreffenden Konsulat mitgetheilt, daß Rabbiner und katholische Priester den bestehenden Gesetzen gemäß nicht in Rußland hinein dürfen. So mußte Dr. Sterzel die Reise allein machen. Kerrilletott. hiebet eure Weinde." Eine apologetische Erzählung Von Arnold Mnnn 30) Nachdruck verboten. So kam eines Tages die Mutter persönlich zu Benedikt. Sie gedachte, die Angelegenheit auf eine ganz selbstverständliche Weise zu klären; sie schlug nämlich Benedikt die Heirath mit einem reichen und schönen Mädchen aus H. vor, dessen Vater bei Benedikt's Ettern durch einen Vermittler hatte anfragen lassen. Benedikt sagte rundweg: Nein! Vorläufig sei er noch Rifka Feist's Bräutigam. Die Mutter möge ihn nicht zum Schurken machen. „Aber Feist selbst", so warf die Mutter ein, „ist ja längst mit der Auflösung Eures Verlöbnisses einverstanden!" „Ich bin aber nicht einverstanden!" beharrte Benedikt. „Du willst Dich den Leuten also aufdrängen?" „Das nennt mau nicht sich ausdrängen, wenn man treu ist und sich nicht das H?rz aus der Brust reißen will!" „Du hast also nur für jene ein Herz, für Deine Mutter nicht!" Und da begann Frau Kauffmann zu weinen und zu jammern, Benedikt habe sie verleugnet. Sie warf sich in einen Sessel und ließ ihren Thränen freien Lauf, in höchster Aufregung stieß sie einzelne Klagerufe aus, bejammerte ihr Geschick und erklärte sich für die unglücklichste aller Mütter.