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Der Israelit · 1899-07-20 · Heft 57 (20.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 57 (20.7.1899)
Date
1899-07-20
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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1205 einirächligung ihrer Bürger- und Menschenrechte zu schützen, fährt er folgendermaßen fort: E« ist eine Ehre für Frankreich, daß es diese schönen Grundsätze seit bald einem Jahrhundert mit geduldiger Beharrlichkeit allzuwenden gewußt hat, so daß sie schließlich ein Bestandtheil der nationalen Gesittung geworden sind. Der Erlaß von Gesetzesparagraphen genügt nicht; es handelt sich darum, ihnen auch in den L bensgewohnheiten und der Anschauungsweise eines Volkes Geltung zu verschaffen, damit die Jahrhunderte alten Vorurtheile und Antipathien schwinden und solche Ausbrüche gehässiger Leidenschaft unterbleiben, wie wir sie grade jetzt in Norddeutschland mit einer Gewalt sich vollziehen sehen, die hier und da an die Verfolgungswuth des Mittelalters erinnert. Wenn man diese Heftigkeit des alten Hasses sieht, diesen Kreuzzug, dem sich Vertreter der Wissenschaft und der Kirche angeschloffen haben, so erkennt man den ganzen Unterschied der sozialen Entwickelung beider Länder. In Deutschland sieht das Vorurtheil des Volkes trotz der — allerdings ziemlich neuen — Gesitze, welche kaum über die Mitte des Jahrhunderts zurückreichen, in den Israeliten eine „jüdische Kaste", und die durch Wissen künstlerische Talente oder Beredsamkeit ausgezeichnetsten Männer sind und bleiben immer noch „Juden". ESist wie ein unauslöschlicher Makel! Wer hat dagegen in Fiankreich jemals auch nur daran gedacht, das ursp'üngliche Religionsbekenntniß eines Fould, eines Jules Simon, eines Crtzmieux zum Gegenstand einer Polemik zu macken? Wer kümmert sich dort heute um die R ligion, der ein Michel Breal, ein See, ein Dereilbourg, ein Naguet bei ihrer G burt angehöit haben? Was Wunder, daß die französischen Israeliten sich anhänglicher als andere gegen ihr Vaterland gezeigt haben, das für ihre Existenz eine neue Aera begründete? In Kunst, Wissenschaft und Literatur, in der Industrie und im Handel, in den beiden Kammern, in den höchsten Stellen des Heeres haben sie nach ihrer Gleichstellung mit den anderen Bürgern bewiesen, daß sie imstande sind, es jenen gleich zu thun, und niemand würde es heute wagen, mit gutem Gewissen die ehedem gerechtfertigten Klagen der Vergangenheit zu erneuern und zu jammern, daß an Stelle barbarischer Unduldsamkeit endlich für sie (die Juden) der Tag der Freiheit und Gleichheit angebrochen sei. Ob Dr. Reuß diese Zeilen wohl hente auch noch niederschreiben würde, wie er es vor zwanzig Jahren gethan hat? Damals mar seine mit so klangvollem Pathos vorgetragene Meinung freilich eine im republikanischen Frankreich sehr verbreitete. Mit verächtlichem Naserümpfen sah man dort aus den „barbarischen" Antisemitismus herab, der in gewiffenKreisen Berlins zur Herrschaft gelangt war, und rühmte sich 1 stolz: „Gott sei Dank! So etwas kann bei uns im Lande der Freiheit doch nicht vorkommm!" Uno heute?! O quae mutatio rerum! Aus Württemberg. Als einen überaus glücklichen Griff seitens der israel. Oberkirchenbehvrde darf die Anstellung des Rabb. Cand. Herrn Kahn ans Baisingen (z. Z. Religionslehrer in Frankfurt a. M.) als Religionslehrer der isr. Schulamtszöglinge am Seminar in Eßlingen bezeichnet werden: ist doch dadurch die Möglichkeit geboten, daß ein mit reichstem Wiffen, pädagogischer Erfahrung und übcrzeugungstrcuer Gesinnung ausgerüsteter Mann, seine ganze Kraft der Ausbildung der ihm anvertrauten Zöglinge widmen kann. Der leider so schnell dahingeraffte Oberlehrer Leop. Stern b'& hat, der Initiative des Herrn Kirchenrathes Dr. Kroner folgend, in den letzten Jahren einen neuen Lehrplan für den Reliq-Unterricht der Schulamtszöglinge und noch in seinen letzten Tagen einen solchen für die Volksschulen ausgearbeitet und wird die Spur dieses ausgezeichneten Schulmannes in den Schulen unseres Landes nicht so bald verwischt werden. O e ste rr.- U n g a r. Monarchie. Eisenstadt, 9. Juli. Heute Sonntag, Nachmittag 7 Uhr, fand in der hiesigen Synagoge eine erhebende Trauerkundgebung für den dahingeschiedenen Rabb. Dr. Israel Hildesheimer n statt. Nach dem Gebet bestieg Sr. Ehrw. Herr Oberrabb. Kutt ner die Kanzel und schilderte in nahezu anderhalbstündiger, formvollendeter Rede, nni' und ">vw mit geistreicher Erklärung vieler intereffanter Citate aus Ton ,-n^n und mo verbindend, das Leben und Wirken des großen Meisters und Lehrers. Der excellente Kanzelredner entwarf ein ergreifendes Bild des 18jährigen Wirkens de8 dahingeschiedenen Rabbiners in der hiesigen Gemeinde. ,nn Din bvz Vnai iv> n isnn nvn „Ihr wißt e» doch, daß ein Fürst und ein großer in Israel an diesem Tage gefallen ist!" rief der tief ergriffene Redner aus. Dann schloß der Herr Redner mit dem Gelöbniß, auch ferner in den Pfaden seine» Vorgängers zu wandeln und in seinem Sinne zu walten und richtete an die Gemeinde die Bitte, ihr Leben nach dem Vorbilde des großen gottbegeisterten Manne» einzurichten. — Unmittelbar nach Beendigung der Rede intonirte der Oberchasan Herr Goldstein *6» bx com in ergreifender Weise. Hierauf wurde 2nyo gebetet, womit die erhebende Trauerfeier beendigt war. Frankreich. Paris. Zwei neue öffentliche Gebäude, die jüdischen Zwecken bestimmt find, sind in der letzten Zeit hier eingeweiht worden. Am 2. Juli wurde in

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