Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1899)
- Date
- 1899-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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1202 „Siehe n^ey „das überstürzte Wesen" *) wm w s1? 12 „es kann sich mit dieser Zusicherung nicht zufrieden geben; (es verliert die Geduld!) aber: p'in ''n' vmmq „Der Gerechte lebt glücklich in seinem Ausharren!"**) Von Josef — und unser Volk trägt seinen Namen — erzählt die heilige Schrift: „Man gab ihn in's Gefängniß" und: invn n'zz vv> vw „er fügte sich willig in sein Schicksal", wie nemp sinnreich erklärt; ein Gedanke, den mein theuerer Vater bv als davidisch erkannte: 'VßJ rwta bnz" „er ließ sich willig in's Eisen schmieden und wartete": 'i2i kd ny iy u. s. w.! So sollen auch wir, eingedenk des Spruches : d^dk n'20 ivxy Tne v"2n p« „Der Gebundene kann sich nicht selbst aus dem Kerker befreien", im Golus ausharren, bis Gott mit der Trost-Haphthora sprechen wird: px uz nw "po nmo vbibjic „Löse dir die Fesseln deines Halses, Gefangene, Zijonstochter!" Und wird es Gott an der Zeit halten, das erlösende Wort zu sprechen, dann wird er die ersehnten Ideale, die angestrebten Ziele beschleunigen. Ein tiefes Geheimnis: nnys und dennoch narr«! Nach so langem Schmachten im Goluskerker, nennt der Prophet im Namen Gottes, das zu erwartende Heil, „ein beschleunigtes"! Wie ist dies zu verstehen? Allein, der Psalmist singt ja: u«n! „Wenn Gott wird die Gefangenschaft Zijons zurückgeführt haben, dann werden wir wie die Träumer gewesen sein!" Das ganze Golusjammerthal mit all' seinen Seufzern, seinen Judenverfolgungen, seinen zahllosen Weherufen und Ach-Ausbrüchen, soll dann, wie ein Traum, der entfleucht, dahingeschwunden sein! Im Traum glauben wir unendlich lange Zeiten zu durchleben, der ganze Vorgang dauert aber nur einen Moment. Darum kann wohl von einem nxrn» rmya die Rede sein. Andererseits heißt es ja bei demselben Propheten: ■psnpe issr,2 un* finp cy web, „Nachdem Israels Dränger unser Heiligthum zertraten, ist es uns, als besäßen wir nur für ganz geringe, kurze Zeit dieses unser Heiligthum." War die Glanzepoche von kurzer Dauer in unseren Augen, die Sturm- und Drang- Periode, wenn sie überdauert sein wird, soll uns ebenfalls nicht als „lange" erscheinen; im Gegentheil, einem Traum gleichen! „Darum aber sollen wir unsererseits der Erlösung und Befreiung durch Gott nicht vorgreifen." Dieser Gedanke wirft gar grelle Streiflichter auf die Vorgänge im Judenthum der Gegenwart. Ein in seinem ganzen Umfange wahres Wort ist es in den Pirke Aboth: nnm sv nbvz oki„ *) Ick denke hierbei an P'Dpvi, an;roi Bollwerk, Höhe! Man soll nicht Dnnn ~>y :p”iD sein, um die rfruo förmlich herbeizuziehen! **) 1DJ1DS3 Wie JD1N rmott. "lytaaa N21N d^ü2 Seitdem die Welt nicht mehr mn lernt wie ehedem, verfällt sie stets auf allerlei Dinge, bisweilen auch auf Albernheiten, die sie immer mehr und mehr von der Tora-Wahrheit entfernen! Das Entgegengesetzte des xan u. s. w. Doch derjenige, der, um mit dem Dichter zu sprechen, „als ruhiger Geist beharret, wenn auch alles im Wechsel sich kreist" wird desto befestigter in seiner Ueberzeugung, jemehr die wesenlosen Phantasiebilder Anhänger finden! Seit langer Zeit spricht die Welt, berichten politische Blätter, leitartikeln die jüdischen Zeitschriften aller Schattirungen, von der Zijonismus-Propaganda; und nun hat bereits der viel besprochene Congreß in Basel stattgefunden! Man kann da eigentlich von vornherein etwas skeptisch die Achseln zucken bei dem Gedanken: Aus der Schweiz, dem Boden des verbissensten Antisemitismus, woselbst unsere heilige n^'n^Jnstitution und nur aus iwn verboten wurde, soll das Heil für Israel entstehen? Ist das das jesaianische: «ssn p'ißs D'tervo '"i *i2T?" „Aus Zijon geht die hinaus?" Sowohl orthodoxe als auch freisinnige Rabbiner, haben einmüthig hier ihre Stimme gegen diesen Zionismus erhoben! Und, man mag seitens der Anhänger dieses Zionismus noch so viel Argumente zur Rechtfertigung ansühren; er ist und bleibt unjüdisch! Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß zu seinen Verfechtern, Vertheidigern, Gründern und Leitern, hochangesehene Männer, echte Jehudim und Philanthropen, in des Wortes edelster Bedeutung zählen; (so sehr ich auch felsenfest davon überzeugt bin, daß es neben den Guten und Braven, nicht an dunkelen Existenzen fehlen wird, die hier eine Erwerbsquelle suchen, die unter der Parole: ps pcS •c'pirx sS ntpn« vb der letzten Trosthaphtora, Geldgewinn, und nichts anderes im Auge haben als Geschäfte mit dem Lande unserer Verheißung treiben, so daß man ihnen mit der vierten Trosthaphtora zurufen könnte: snw: sin 1 k j n?)Dp3) dieser Umstand verscheucht aber keineswegs die Gefahr, die durch diese Strömung der Judenheit und b.m Judenthum drohet. Haben Antisemiten — der feineren Sorte, nicht etwa jene sogenannten Radau-Antisemiten — die „Alliance Jsraelite Universelle", deren Statuten und Tendenzen, für Jedermann zu lesen, den Jahresberichten beigedruckt sind, verdächtigt, sie strebe die Gründung eines jüdischen Staates an; denn sie vereinigt unter ihr entrolltes Banner alle Israeliten der Diaspora; und eines schönen Tages wird irgend einem bedeutenden Juden die Huldigungskrone auf's Haupt gesetzt werden; so werden sie jetzt einen Eid auf ihren alten Alliance-Wahn leisten l Da, seht ihr, wird es heißen, und heißt es auch schon: Die I Juden sind denn doch vaterlandslos, sind Kosmopo-! Uten, sind Eindringlinge, sind Gastoolk an der Spree,