Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 57 (20.7.1899)
- Date
- 1899-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1203 der Donau und der Newa! Jetzt wollen sie nach ihrer eigentlichen, ihrer ursprünglichen Heimath, nach Palästina! Jude ist kein Deutscher, der Semit kein Franzose, der Israelit kein Engländer, der Mosaist kein Oesterreicher; und wenn auch die Wiege in Berlin, Paris, London und Wien gestanden! In welch' gefährliche Lage könnten die Zurückbleibenden kommen, die da, nach echt jüdischen Prinzipien, mit Jeremia sprechen: „Forschet nach dem Wohl der Stadt, wohin ich euch zerstreuet!" „Dient dem Könige von Babel! u. s. w." und sich als Staatsbürger nützlich zeigen ihrem Vaterlande, in der festen Zuversicht, daß wenn irnpn die nns wird »nws P«n fl®» zusammenrufen, daß dann jeder Klaffen- Haß, Racenhaß und Massenhaß von selbst aufhören werden! Ein Golus im Golus könnte durch diese Zionismus-Strömung den im ps6 nnn Verbleibenden entstehen! Wir betrachten es als Schimpf und Unglimpf, wenn uns unsere Widersacher böswilliger Weise zurusen: „Geht ihr Juden nach Palästina!" Und nun — wie die zweite Trosthaphtora ausruft: -penna *po “pannm — giebt Israel selbst Veranlaffung zu dieser Hetzparole! Wo sind unsere alten Juden mit ihrer wahren, echten jpt mnx und n’ton' ron, die nicht angehaucht waren vom sozialen und politischnationalen Geiste, sondern in der Trauer um rrta nswn gipfelten und wurzelten! *idv rfap ns, unvergeßlich-geliebter Vater und Lehrer! Du hast in jeder Mitternachtsstunde auf harter Erde gelegen, und inbrünstig gebetet und heiße Zähren geweint in Deinem imrn pn und gejammert: d mn nto! vvv ,“jrr)x&r) Ein Jesaia auf der Kanzel, ein Jeremia in stiller Nacht! Erhebend war es für uns. Deine Kinder, zu wissen, daß Du, heimisch in Römer und Griechen, das klassische Alterthum im Kopfe und in der Brust mit orientalischen Disciplinen derart vertraut, daß Du hättest an Fakultäten dociren können, wie Gabirol und Juda Halewi ergriffen bist bei dem Gedanken: „Wenn Zijon in Schutt und Asche liegt, die Stätte, von welcher alle Weisheit ausging, dann ist alles Wissen und Können unvollkommen!"*) Wer so viel und so gediegen des echten und wahren Heiligen von frühester Jugend auf gesehen und erfahren, dem sind alle diese Kräuselungen auf der Oberfläche der Zeitströme bis tief in seine Seele hinein zuwider. So wird jetzt so massenhaft Zijon- Wein kultivirt! Will man ein stilles Glas leeren den Trümmern Zijons und Ruinen Jeruscholajims? Es ist *) In seinem Commentar zum Gebetbuch erklärt mein Vater P"s?r das -mn ann iin in der nnwon n:ra nach der Elegie *?o mr -iiw üvn und ind noriN . 'Di. Wenn Du nicht Zijon vor Allem umstrahlst, wozu ' Licht!? ein gar trauriger Witz; aber mir schwebt hier des Psalmisten Ausruf unwillkürlich vor: .Es klebe meine Zunge am Gaumen, wenn ich Dein nicht gedenke!" Ich sah in der That einen Zijonweinberauschten, der buchstäblich die Zunge nicht heben konnte! Er vergaß der vierten Trosthaphtora: s"v üb) ma&n! Sind das die sogenannten D'Li? *) ä'si'st, selbst zugegeben, daß diese Weine wirklich palästinensischen Ursprungs sind;**) obgleich nicht )r\"bv tsvin ’ nem KpsBtws; so ist Vieser Handel etwas rein geschäftliches, nicht zionistisch-ideal! * (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland.? Berlin. Zu den wohlthätigsten Einrichtungen der Neuzeit gehören unzweifelhaft die Ferienkolonien, mit deren Einrichtung die Möglichkeit geboten wurde, einer Anzahl armer Kinder die nöthige Erholung während der Ferien zu bieten. Der Wohlthätigkeitssinn unserer jüdischen Mitbürger hat sich dieser Einrichtung gegenüber trefflich bewährt und die namhaften Mittel, die dafür zusammengefloffen sind, ermöglichen alljährlich 3—400 jüdischer Kinder in die Erholungsstätten zu senden. Aber freilich blieben noch viele Hunderte zurück, denen die Erholung kaum weniger Noth thut. Auch diesen armen Kmoern ein wenig zu bieten, hat sich ein kleines Komttee aus einigen Damen zusammengefunven, das allwöchentlich während der Ferien Parthien nach den schönsten Plätzen der Umgebung Berlins veranstaltet. Die armen Kinder werden in das Freie geführt mit Bahn oder Dampfer, erhalten Kaffee und Kuchen, sowie Abendbrot und werden mit angemessenen Spielen unterhalten. Die Damen des Komitees haben selbst und mit Hilfe einiger Freunde in diesem Jahr die Mittel aufgebracht, um 50 armen Kindern allwöchentlich diese Erfrischung zu schaffen. Die Erfahrungen mit der verhältnißmäßig neuen Einrichtung, dieselbe besteht seit vorigem Jahr, ist eine ausgezeichnete, die Kinder, die schon in ihrer Jugend so viele Entbehrungen erfahren müssen, sind wenigstens einige Male im Sommer in der Lage es so gut zu haben, wie bessergeftellte Altersgenossen und wer die strahlenden Gesichter der Kleinen auf diesen Ausflügen gesehen hat, wird es verstehen, daß die Damen des Komitees sich für ihre mühevolle Thätigkeit durch die Freude, *) Erubin, 54, b, Rafchi zu 5. B. M. 11, 18. **) Uebrigens: ra ibv p’N ttf’N “idn’ p'LX